Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung

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Geschlechtsbezogene und sexualisierte Gewalt in der Wissenschaft

Tools und Ressourcen zu Prävention und Intervention

Sie finden auf dieser Seite eine Auswahl an Ressourcen und Materialien, die aus einem oder für einen spezifischen Hochschulkontext entwickelt wurden und Angehörigen anderer Hochschulen online zur Verfügung stehen. Sie wenden sich in der Regel an Gleichstellungsakteur*innen, Personalverantwortliche oder direkt an Studierende und Beschäftigte, die von Belästigung beziehungsweise Gewalt betroffen sind.

Die hier vorgestellten Programme bieten die Möglichkeit, sexueller Belästigung und geschlechtsspezifischer Gewalt vorbeugend zu begegnen und Wissen darüber sowie Handlungsmöglichkeiten an Hochschulen zu verbreiten.

Die Kommission Sexualisierte Diskriminierung und Gewalt der bukof (DE) stellt Informationen und Materialien rund um das Thema „Sexualisierte Diskriminierung und Gewalt an Hochschulen“ in ihrer Handreichung zur Verfügung. Auf der Seite finden sich Informationen über Präventionsmaßnahmen, Studien, Berichte sowie weiteres Material, z.B. in Form von Flyern, und ein Videovortrag über sexualisierte Gewalt.

Das an der Universität New Hampshire (USA) angesiedelte Forschungszentrum für „Prevention Innovations“ veröffentlichte 2015 eine Reihe von Frage-Items, mithilfe derer die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen überprüft werden kann.

Die University of Manchester (UK) bietet auf ihrer Webseite „Where do you draw the line?“ ein einfaches Tool zur Überprüfung der eigenen Wahrnehmung von Mobbing und Belästigung an. Eine Reihe von Vignetten soll den Nutzenden helfen einzuschätzen, wie sie persönlich verschiedene Aussagen einordnen würden. Gleichzeitig sensibilisiert es dafür, dass andere Menschen die Aussagen anders zuordnen könnten.

Im Rahmen der landesweiten Kampagne „Respect. Now. Always“ verständigten sich die Leitungen der 39 Hochschulen Australiens 2016 gemeinsam auf eine Null-Toleranz Politik im Umgang mit sexuellen Übergriffen und machten ihre Haltung durch diese Kampagne sichtbar. Getragen wird die Kampagne, die von einer Umfrage zur Prävalenz und einer Serie von Interventionsmaßnahmen begleitet wurde, vom australischen Hochschulverband „Universities Australia“.

Der Hochschulservice EPIGEUM (UK) bietet mit dem Online-Kurs „Consent Matters“ eine Schulung zum Thema Einvernehmlichkeit bei sexuellen Handlungen an. Der Kurs richtet sich an Studierende am Studienbeginn und vermittelt Grundlagen zur Kommunikation. Zudem werden die teilnehmenden Personen darüber aufgeklärt, wie sie einschreiten können, wenn in ihrem Beisein Personen sexuell belästigt werden. Maßnahmen, die zum Einschreiten in diesen Situationen ermutigen, sind bekannt als „Bystander Interventions“.

Die „Intervention Initiative“ der Universität Exeter (UK) stellt kostenfrei Materialien für die Durchführung eines Schulungsprogramms zum Schutz vor Belästigung und Übergriffen durch das Einschreiten von Zeugen zur Verfügung (Bystander). Hochschulangehörige, Studierende wie Beschäftigte, werden darin ermutigt, unerwünschte und sexuelle Belästigung zu erkennen, und lernen, wie sie in dieser Situation agieren können. Schweigen ist keine Option. Das aus acht Sitzungen bestehende Programm kann durch die bereitgestellten Materialien von Lehrkräften und Anlaufstellen an der Hochschule durchgeführt werden. In Anleitungen werden die einzelnen Sitzungen detailliert beschrieben. Weiterhin finden sich zusätzliche Materialien, wie beispielsweise ein Quiz und Anleitungen für thematische Rollenspiele, welche zur interaktiven Einübung schützender Verhaltensweisen genutzt werden können.

Mit den Materialien von „Equally Safe in Higher Education Toolkit“ unterstützt die schottische Landesregierung ihre Hochschulen mit hilfreichen Ressourcen zur Prävention vor geschlechtsbezogener Gewalt (GBV) auf dem Campus. Dabei stehen Handreichungen für die Planung einer kohärenten Schutzstrategie für alle Hochschulangehörigen genauso zur Verfügung wie ein Schulungsprogramm für Studierende, welches in Anlehnung an die o.g. „Intervention Initiative“ aufgesetzt wurde. Darüber hinaus zeigen Beispiele, wie das Thema geschlechtsbezogene Gewalt in die Lehre integriert werden kann.

Ein US-amerikanischer Verband von Hochschulverwaltungspersonal gründete die Organisation Culture of Respect um gegen sexualisierte Gewalt auf dem Campus vorzugehen und bietet eine Vielzahl an Workshops zur Prävention von sexueller Gewalt an, einige davon als Online-Formate. Zwei dieser Workshops richten sich explizit an männliche Teilnehmer: „Men’s Program“ und „RealConsent“. Den Teilnehmenden wird vermittelt, wie sie Situationen als sexuelle Belästigung einschätzen können und wie sie aktiv eingreifen können.

Im Rahmen des EU-finanzierten Projekts „Ending Sexual Harassment and Violence in Third-Level Education“ wurde die Kampagne „It Stops Now“ ins Leben gerufen. Darin arbeiten Einrichtungen aus Irland, Zypern, Litauen, Schottland und Deutschland gemeinsam daran, sexueller Belästigung im tertiären Bildungssektor entgegen zu treten. Das Projekt stellt neben Forschungsberichten auch ein Toolkit mit Trainingsmaterialien sowie Online-Kurse zur Verfügung. Zielgruppen sind Studierende sowie Beschäftigte in der Wissenschaft.

Die Interventionsmaßnahmen beinhalten Tools, die von Universitäten genutzt werden, um den Meldeprozess bei Belästigungsfällen sowie deren Handhabung inkl. den Schutz der Betroffenen an den Hochschulen zu verbessern und betroffene Personen ausreichend zu unterstützen. Eine Zusammenstellung von Paludi 2016 gibt, in Ergänzung zu den Materialien von beispielsweise ARC3 und AAU (siehe auch Empirische Untersuchungen inkl. Daten- und Methodenberichte auf der Seite Befragungsstudien), Handlungsempfehlungen zum Umgang mit sexuellen Übergriffen an US-amerikanischen Hochschulen. In Schottland werden die Hochschulen regelmäßig nach ihrem Umgang mit sexuellen Übergriffen befragt, einschließlich der Effektivität von Gegenmaßnahmen, siehe Donaldson & McCarry (2018).

Das „Report & Support“ Tool der Universität Manchester bietet die Möglichkeit sich bei sexueller Belästigung, Diskriminierung oder Mobbing online an eine Beratungsstelle zu wenden, wobei die Vorkommnisse anonym gemeldet werden können. Durch eine Kampagne können sich Studierende zudem über verschiedene Formen der Belästigung informieren. Auch die University of the West of England (UWE Bristol) bietet im Rahmen des Programmes „SpeakUp“ ein „Report & Support“ Tool an. An der UWE begleitet ein Wissenschaftler*innen-Team die Progammentwicklung und -umsetzung (Bovill und White 2020).

Das Projekt „USVreact“ (Universities Supporting Victims of Sexual Violence) unter Beteiligung der Brunel University London entwickelte in Zusammenarbeit mit mehreren europäischen Partner*innen Trainingsprogramme zum Umgang mit sexueller Gewalt. Die Trainings, welche „USVreact“ an verschiedenen europäischen Hochschulen durchgeführt hat, richten sich an die Beschäftigten der Universitäten, die mit Studierenden arbeiten, die von geschlechtsbezogener Gewalt oder Belästigung betroffen sind. Die dabei erarbeiteten und verwendeten Materialien sind kostenlos und in mehreren Sprachen abrufbar.

  • Das Programm der Sussex University beinhaltet ein 1,5 Stunden andauerndes Training für interessierte Mitarbeitende und ein 3,5 Stunden umfassendes Training, speziell für Personen, die explizit mit der Thematik in Berührung kommen und beispielsweise in Beratungsstellen der Hochschule arbeiten.
  • Das Training der York University gliedert sich in zwei Themenbereiche. Der erste Teil legt den Fokus auf die Wissensebene und vermittelt durch Definitionen ein Grundverständnis des Themas. Teil zwei dient dazu zu lernen, wie betroffene Personen unterstützt werden können.
  • Die Brunel University bietet ebenfalls ihre Trainingsunterlagen zum Umgang mit sexueller Gewalt innerhalb der Hochschule an. Diese beinhalten eine Powerpoint-Präsentation und ausformulierte Handlungsschritte für die Schulungsleiter*innen, um einen zweitägigen Kurs an der eigenen Hochschule zu durchzuführen. Hier finden sich die Unterlagen zu Tag eins und Tag zwei.

Ein weiterer englischsprachiger Kurs „Responding to Disclosures of Sexual Violence“ der britischen Hochschulservicestelle EPIGEUM unterstützt Anlauf- und Beschwerdestellen für geschlechtsbezogene und sexualisierte Gewalt an Hochschulen. Ziel des Kurses ist es, das Verständnis für die Beschwerdesituation und die Beteiligten zu verbessern und Handlungssicherheit für die einzuleitenden Schritte innerhalb und außerhalb der Hochschule zu gewinnen.

Eine Auswahl qualitätsgeprüfter Maßnahmen von Hochschulen in Deutschland sind durch die Datenbank INKA zugänglich gemacht. Mithilfe des Vorschlagsformulars können Sie Maßnahmen zur Aufnahme in die Datenbank vorschlagen.