Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung

Frauen- und Männeranteile im Qualifikationsverlauf: Analyse idealtypischer Karriereverläufe: Studienbeginn (1999) bis Berufung (2016-2018)

| Kategorien: Leaky Pipeline; Wissenschaftliches Personal; Wissenschaftliche Qualifikation; Deutschland

Diagramm

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Inhaltliche Beschreibung

Das Diagramm zeigt den idealtypischen Karriereverlauf der akademischen Laufbahn von Männern und Frauen eines Studienjahrgangs vom Studienbeginn (1999), über Studienanfänger/innen (1999-2001), Studienabschluss (2005-2007), Promotion (2008-2010), Habilitation (2015-2017) bis zur Berufung (2016-2018). Bei den Studienberechtigten liegt der Frauenanteil mit 53,3 Prozent etwas höher als der Männeranteil (46,7 Prozent). Bei Studienanfang und Studienabschluss sind Männer und Frauen etwa gleichverteilt. Beim Übergang zur Promotion gehen Frauen der Wissenschaft verloren, der Frauenanteil sinkt auf 44,1 Prozent in den Jahren 2008-2011. Auch im nächsten Karriereschritt, der Habilitation, sinkt der Frauenanteil auf 29,3 Prozent in den Jahren 2016 bis 2018. Die aktuellen Berufungszahlen zeigen, dass der Frauenanteil im Durchschnitt bei 33 Prozent liegt.

Kontext und gleichstellungspolitische Bedeutung

Das Scherendiagramm zeigt, welches Potenzial an Frauen und Männern zu Anfang der akademischen Laufbahn zur Verfügung stand und ob und wann Frauen stärker als Männer im Laufe der Qualifikation verloren gehen. So kann überprüft werden, ob die gegenwärtige Unterrepräsentanz an Frauen in der Leitungsebene (Professorinnen) darauf zurückzuführen ist, dass zu Beginn der Karriere dieser Wissenschaftlerinnen zu wenige Frauen ein Studium absolviert haben. Diese These baut auf dem Argument auf, dass ein wachsender Studentinnenanteil mit der Zeit den Frauenanteil in den höheren Qualifikationsstufen steigen lässt.

Das Diagramm macht deutlich, dass der Frauenanteil bei Studienbeginn bereits bei etwa 50 Prozent lag. Es standen Wissenschaftlerinnen zur Verfügung, doch dieses Potenzial wurde nicht genutzt. Frauen gehen der Wissenschaft ab der Promotion verloren. Dieses Bild zeigt sich auch, wenn auch weniger deutlich, bei der Betrachtung der Qualifikationsstufen innerhalb eines Jahres (vgl. Frauen- und Männeranteile im akademischen Qualifikationsverlauf).

Quelle

Statistisches Bundesamt Deutschland: Fachserie 11

https://www.destatis.de/DE/Service/Bibliothek/_publikationen-fachserienliste-11.html?nn=206136
Reihe 1 Allgemeinbildende Schulen: Schulabgängern mit Studienberechtigung
Reihe 4.1 Studierende an Hochschulen: Studienanfänger/innen
Reihe 4.2 Prüfungen an Hochschulen: Abschlussprüfungen und Promotionen
Reihe 4.4 Personal an Hochschulen: Habilitationen

 

GWK Bericht „Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung, 23. Fortschreibung

des Datenmaterials (2017/2018)“: Daten zu den Berufungen
https://www.gwk-bonn.de/dokumente/materialien-der-gwk/

Daten als Excel-Datei: hier (120 kB)

Datenqualität

Art der Datenerhebung

Statistisches Bundesamt: Sekundärerhebung (Vollerhebung) auf Basis der Verwaltungsdaten der Hochschulen

Berufungsdaten der GWK: Abfrage der GWK-Geschäftsstelle bei den Landesministerien

Erhebungstermin

Statistisches Bundesamt: Reihe 1: Beginn des Schuljahres; Reihe 4.1: Daten aus den Immatrikulations- und Rückmeldefristen der Hochschulen; Reihe 4.2: Prüfungsjahr (01.10.-30.09.); Reihe 4.4: Stichtag 01.12.

Berufungsdaten der GWK: Stichtag 31.12.

Periodizität

Jährlich

Erhebungseinheiten

Schulabgänger mit Studienberechtigung
Studienanfänger/innen
Abschlussprüfungen
Promotionen
Habilitationen
Berufungen

Berechnung

Um Verzerrungen aufgrund geringer Fallzahlen entgegenzuwirken, wird bei allen Erhebungseinheiten (außer den Studienberechtigten Schulabgängern) der Frauenanteil als Durchschnitt der letzten drei Jahre berechnet. 
Z.B. Frauenanteil Berufungen 2015-2017 = ((Berufungen Frauen 2015 + 2016 + 2017) / (Berufungen insgesamt 2015 + 2016 + 2017))*100

Ähnliche Datensätze

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Weiterführende Literatur

Dubois-Shaik, Farah; Fusulier, Bernard (2015): Academic Careers and Gender Inequality. Leaky Pipeline and Interrelated Phenomena in Seven European Countries. University of Trento: Trento (GARCIA working papers, 5). (URL: http://garciaproject.eu/wp-content/uploads/2015/12/GARCIA_working_paper_5.pdf).

Connolly, Sara; Fuchs, Stefan (2009): Analysing the leaky pipeline in academia. In: European Commission (Hg.): Women in science and technology. Creating sustainable careers. Brüssel: European Commission, S. 59–68 (http://ec.europa.eu/research/science-society/document_library/pdf_06/wist2_sustainable-careers-report_en.pdf).

Lind, Inken; Löther, Andrea (2007): Chancen für Frauen in der Wissenschaft - eine Frage der Fachkultur? Retrospektive Verlaufsanalysen und aktuelle Forschungsergebnisse. In: Schweizerische Zeitschrift für Bildungswissenschaften 29 (2), S. 249–271. Online verfügbar, zuletzt geprüft am 11.10.2019.

Schlagworte

Statistik und statistische Daten; Studium; Studierende; Studienabschluss; Promotion; Habilitation; Berufung; Wissenschaft als Beruf; Berufsbiographie

Kategorien: Leaky Pipeline; Wissenschaftliches Personal; Wissenschaftliche Qualifikation; Deutschland