Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung

Frauenanteile an Habilitationen, Berufungen, Professuren und C4/W3-Professuren, 1980 - 2018

| Kategorien: Wissenschaftliches Personal; Wissenschaftliche Qualifikation; Deutschland

Diagramm

Diagramm

Inhaltliche Beschreibung

Das Diagramm zeigt die Frauenanteile an Habilitationen, Berufungen, Professuren und C4-/W3-Professuren von 1980 bis 2018. W3 ist die höchste Besoldungsstufe für Professuren. Vor der Einführung der W-Besoldung (2002) erfolgte die Bezahlung der Professor*innen der Besoldungsordnung C mit C4 als höchster Besoldungsstufe.

Der Frauenanteil an den Habilitationen steigt seit 1980 kontinuierlich. Zwischen 1980 und 1989 verdoppelte sich der Anteil von 4,5 auf 9,2 Prozent. Mit 31,6 Prozent im Jahr 2018 hat sich der Frauenanteil seit 1980 mehr als versechsfacht.

Geschlechterspezifische Daten zu Neu-Berufungen werden seit 1997 erhoben. Bis 2004 war der Frauenanteil an den Berufungen niedriger als ihr Anteil an den Habilitationen; seit 2008 liegt der Frauenanteil an den Berufungen um rund 3 Prozentpunkte über den Frauenanteil an den Habilitationen des gleichen Jahres. Aktuell sind 34 Prozent der neu berufenen Professor*innen Frauen.

In den Daten sind Professuren und Berufungen an Fachhochschulen und künstlerischen Hochschulen enthalten. Zu beachten ist, dass die kleinen Fallzahlen bei Habilitationen und Berufungen zu Ausschlägen für einzelne Jahre führen können. Gleichwohl ist für beide Bereiche der steigende Trend deutlich erkennbar.

Bei den Professuren insgesamt und bei den C4/W3 Professuren steigt der Frauenanteil erst seit 1990 kontinuierlich an. 2018 waren 24,7 Prozent aller Professuren (einschließlich W1-Professuren) und 20,5 Prozent der C4/W3-Professuren mit Frauen besetzt. Damit hat sich der Frauenanteil seit 1990 mehr als vervierfacht.

Kontext und gleichstellungspolitische Bedeutung

Daten zu Habilitationen, Berufungen und Professuren zeigen den Zugang von Frauen zu den Führungspositionen in der Wissenschaft. Eine kontinuierliche Steigerung des Frauenanteils, insbesondere des Professorinnenanteils, begann erst mit dem Beginn gleichstellungspolitischer Aktivitäten an den Hochschulen seit den 1990er Jahren. Trotz dieser sind Frauen in den höchsten Positionen der Wissenschaft immer noch unterrepräsentiert. Wenn sich die lineare Steigerung der letzten 20 Jahre in gleicher Weise fortsetzt, wäre eine Geschlechterparität bei den W3-Professuren erst in 50 Jahren erreicht.

In den letzten 15 Jahren veränderten sich die Zugangswege zu Professuren an Universitäten. Die Qualifikation für eine Professur kann auch über eine Juniorprofessur oder die Leitung einer Nachwuchsgruppe erfolgen; eine Habilitation ist nicht mehr die ausschließliche Qualifikation für eine Professur. Die Daten zu den Habilitationen geben damit nicht mehr umfassend das Potenzial für Berufungen auf Universitätsprofessuren an, sind jedoch gleichwohl ein wichtiger Indikator für den Übergang in die wissenschaftliche Weiterqualifikation nach der Professur.

Voraussetzung für eine Professur an einer Fachhochschule sind eine Promotion und Berufspraxis außerhalb der Hochschule. Der Frauenanteil an den Berufungen an Fachhochschulen ist niedriger als an Universitäten, auch wenn das fächerspezifische Profil berücksichtigt wird. Eine Ursache hierfür ist der geringere Frauenanteil an den Bewerbungen.

Quelle

Die Daten stammen vom Statistisches Bundesamt: Fachserie 11 Reihe 4.4 Personal an Hochschulen

 

GWK Bericht „Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung“: Daten zu den Berufungen
Daten für Neuberufungen werden seit 1997 erhoben
https://www.gwk-bonn.de/dokumente/materialien-der-gwk/

 

Daten als Excel-Datei: hier (124 kB)

Datenqualität

Art der Datenerhebung

Statistisches Bundesamt: Sekundärerhebung (Vollerhebung) auf Basis der Verwaltungsdaten der Hochschulen

Berufungsdaten der GWK: Abfrage der GWK-Geschäftsstelle bei den Landesministerien

Erhebungstermin

Statistisches Bundesamt: Reihe 1: Beginn des Schuljahres; Reihe 4.1: Daten aus den Immatrikulations- und Rückmeldefristen der Hochschulen; Reihe 4.2: Prüfungsjahr (01.10.-30.09.); Reihe 4.4: Stichtag 01.12.

 

Berufungsdaten der GWK: Stichtag 31.12.

Periodizität

Jährlich

Brüche in den Daten

Daten bis 1991 einschließlich: früheres Bundesgebiet

Erhebungseinheiten

Habilitationen
Berufungen
Hauptberufliches wissenschaftliches und künstlerisches Personal: Professuren
Hauptberufliches wissenschaftliches und künstlerisches Personal: C4 Professuren
Hauptberufliches wissenschaftliches und künstlerisches Personal: W3 Professuren

Berechnung

C4 und W3 Professuren werden zu einer Kategorie zusammengefasst.

Ähnliche Datensätze

Frauenanteile am 1. Studienabschluss, an Promotionen und Habilitationen, seit 1980
Frauenanteile an den Hochschulleitungen, seit 1996
Frauenanteile an den Führungspositionen von Forschungseinrichtungen, seit 1992
Frauenanteile am wissenschaftlichen Personal nach Personalgruppen
Frauenanteile an den W3- / C4- und vergleichbaren Professuren im internationalen Vergleich
 

Weiterführende Literatur

Löther, Andrea (2018): Gleichstellung von Frauen und Männern an Fachhochschulen. Unter Mitarbeit von Frederike Freund. In: Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung. 22. Fortschreibung des Datenmaterials (2016/2017) zu Frauen in Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen. Bonn, S. 1–27.

Auspurg, Katrin; Hinz, Thomas; Schneck, Andreas (2017): Berufungsverfahren als Turniere. Berufungschancen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. In: Zeitschrift für Soziologie 46 (4), S. 613. DOI: 10.1515/zfsoz-2017-1016.

Diallo-Ruschhaupt, Ursula; Plaumann, Susanne; Dombrowski, Eva-Maria (2017): Karrierewege zur Professur an einer Fachhochschule. 1. Auflage: Leverkusen: Budrich UniPress Ltd.

Burkhardt, Anke; Nickel, Sigrun (Hg.) (2015): Die Juniorprofessur. Neue und alte Qualifizierungswege im Vergleich. Baden-Baden: Nomos.

Winter, Martin (2016): Promovierte auf dem Weg zur Professur. Berufsbiografische Interviews mit Juniorprofessor(inn)en, Nachwuchsgruppenleiter(inne)n und habilitierenden wissenschaftlichen Mitarbeiter(inne)n. Hg. v. Hans-Böckler-Stiftung. Düsseldorf (Working Paper Studienförderung, 24). Online verfügbar, zuletzt geprüft am 21.02.2017.

Carqueville, Isabel; Keller, Andreas; Staack, Sonja (Hg.) (2014): Aufstieg oder Ausstieg? Wissenschaft zwischen Promotion und Professur. Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Bielefeld: wbv (GEW-Materialien aus Hochschule und Forschung, 122).

Jungbauer-Gans, Monika; Gross, Christiane (2013): Determinants of Success in University Careers. Findings from the German Academic Labor Market. In: Zeitschrift für Soziologie 42 (1), S. 74–92. Online verfügbar, zuletzt geprüft am 25.08.2015.

van den Brink, Marieke; Benschop, Yvonne (2012): Slaying the Seven-Headed Dragon: The Quest for Gender Change in Academia. In: Gender, Work & Organization 19 (1), S. 71–92. DOI: 10.1111/j.1468-0432.2011.00566.x.

Schubert, Frank; Engelage, Sonja (2011): Wie undicht ist die Pipeline? Wissenschaftskarrieren von promovierten Frauen. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (63), S. 431–457. Online verfügbar.

van den Brink, Marieke (2010): Behind the Scenes of Science. Gender practices in the recruitment and selection of professors in the Netherlands. Amsterdam: Pallas Publications, zuletzt geprüft am 15.10.2009.

Schlagworte

Statistik und statistische Daten; Studium; Habilitation; Berufung; Professur; Wissenschaft als Beruf; Berufsbiographie

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