German Microdata Lab

Informationen zu den Daten, Person

Die EKS war neben der Volkszählung, der Statistik des Haushaltsbudgets und der Zeitbudgeterhebung eine der wichtigsten Bevölkerungserhebung der DDR. Sie wurde seit 1959 regelmäßig alle zwei bis drei Jahre erhoben. Die letzte Erhebung war im September 1988. Die EKS war als repräsentative Stichprobenerhebung angelegt, bei der die Haushalte an ihrem Arbeitsplatz erhoben wurden (vgl. hierzu 1.2). Die Befragung wurde durch sogenannte Betriebsverantwortliche in Form eines Interviews durchgeführt. Die nach einer eingeschränkten Zufallsauswahl ausgewählten Befragungspersonen machten hierbei Angaben zur eigenen Personen und zu den übrigen Haushaltsmitgliedern. Die Teilnahme an der Erhebung war freiwillig.

Mit der EKS wurde das Ziel verfolgt, aussagefähige Informationen über das Einkommensniveau, die Einkommensbestandteile, die Einkommensentwicklung in Arbeiter- und Angestelltenhaushalten, differenziert nach verschiedenen sozialen Kriterien (z.B. Haushaltsgröße, Familienstand, Ausbildung) zu gewinnen. Zusätzlich wurde der Ausstattungsbestand mit langlebigen Konsumgütern, der Besitz/die Nutzung von Garten und Wochenendgrundstücken erhoben (Statistisches Amt der DDR 1990). In der EKS 1988 wurden circa 30.000 Haushalte mit etwa 80.000 Personen befragt, was nach Angaben des ehemaligen Statistischen Amts der DDR circa 0,75 Prozent der damaligen Arbeiter- und Angestelltenhaushalte entspricht. Die Befragung beinhaltete drei Hauptgruppen von Erhebungsmerkmalen:

 

  • allgemeine demographische Merkmale zur befragten Person sowie allen anderen Haushaltsmitgliedern (Geschlecht, Familienstand, soziale Stellung, Berufsausbildung, Beschäftigungsgrad, Weiterbildung etc.)
  • Angaben zum Haushaltseinkommen (Geldeinnahmen aller im Haushalt lebenden und gemeinsam wirtschaftenden Personen aus Berufstätigkeit, Transferzahlungen, etc.) Alle erhobenen Geldeinnahmen bezogen sich auf den Monat August. Einmalige nicht im August anfallenden Einnahmen wurden ebenfalls erhoben und anteilig in die Ermittlung des durchschnittlichen monatlichen Haushaltsnettoeinkommens einbezogen.
  • Angaben zur Ausstattung des Haushaltes mit langlebigen Gebrauchsgütern, wie Fernsehgeräte, PKW, Kühl- und Gefrierschränke etc.

Die Einkommensstichprobe war ausschließlich auf die Arbeiter- und Angestelltenhaushalte (Zielpopulation) beschränkt. Andere soziale Gruppen wurden nicht einbezogen. Bei einer Analyse der EKS ist aber zu beachten, daß die in der Bezeichnung Arbeiter- und Angestelltenhaushalte zum Ausdruck kommende Repräsentativität nicht in diesem Umfang gegeben ist. Die Anlage der EKS weist vielmehr einige - DDR-typische - Besonderheiten auf, die u.a. eine systematische Ausgrenzung spezifischer Personengruppen beinhalten. Die sich hieraus ergebende Differenz zwischen Zielpopulation und Auswahlpopulation sollte bei der Interpretation von Ergebnisse berücksichtigen werden (Krause/Schwarz 1990). Die Beobachtungseinheiten der EKS sind zwar die Haushalte von Arbeitern und Angestellten einschließlich der Haushalte von berufstätigen Rentnern, die Auswahl der zu befragenden Haushalte erfolgte jedoch über die Betriebe. Diese Vorgehensweise ist nicht ganz unproblematisch, da die Auswahlwahrscheinlichkeit einzelner Haushalte in Abhängigkeit der Zahl der als Angestellte/Arbeitertätigen Haushaltsmitglieder variiert. Bei einer repräsentativen Haushaltsstichprobe, die Haushalte an ihrem Wohnsitz nach einem Zufallsprinzip auswählt, hat jeder Haushalt -unabhängig von der Zahl der Haushaltsmitglieder - die gleiche Auswahlchance. Werden die Haushalte dagegen wie bei der EKS am Arbeitsplatz erfasst, wird die Auswahlwahrscheinlichkeit eines Haushalt um so größer, je mehr Arbeiter/Angestellte Mitglieder des Haushaltes sind (Krause/Schwarz 1990). Inwieweit diese Vorgehensweise zu einer Unter- oder Überrepräsentation spezifischer Haushaltsformen führt ist zur Zeit nicht abschätzbar, da noch keine Eckdaten vorliegen, die einen Vergleich ermöglichen würden.

Die Stichprobenziehung selbst erfolgte auf Basis einer geschichteten zweistufigen (eingeschränkten) Zufallsauswahl, wobei in einer ersten Stufe die Betriebe, in einer zweiten Stufe die hierin zu befragenden Arbeiter und Angestellte ausgewählt wurden. Von einer - "eingeschränkten" Zufallsauswahl sollte deshalb gesprochen werden, weil sowohl auf Betriebs- wie auf Individualebene eine Einschränkung der Auswahlpopulation vorgenommen wurde, die im folgenden kurz skizziert werden soll (vgl. Krause/Schwarze 1990, Frick/Krause/Schwarze 1991).

Auswahlpopulation der ersten Stufe waren: alle Betriebe der volkseigenen Wirtschaft, inklusive der Land- und Forstwirtschaft, sowie Betriebe und Einrichtungen der Konsumgenossenschaften.

Zum Zeitpunkt der Erhebung waren circa 92 Prozent aller Arbeiter und Angestellte durch diesen Erhebungsbereich repräsentiert (SZS 1988a). Explizit aus der Auswahl ausgeschlossen waren sozialistische Genossenschaften sowie Parteien- und Massenorganisationen, Betriebe mit Kommissionsvertrag bzw. staatlicher Beteiligung und private Betriebe (Arbeitsrichtlinie für das Bezirkszählbüro 1988). Angehörige dieser Betriebsformen konnten daher nur indirekt zu Beobachtungseinheiten werden, sofern sie mit einer ausgewählten Person in einem Haushalt leben. Als Grundlage für die weitere Auswahl der Betriebe diente ein Befragungssoll, welches sich aus der Zielvorgabe ergab, dass circa 30.000 Haushalte in die Stichprobe eingehen sollten. Dieses Soll wurde - differenziert nach den 15 DDR-Bezirke - proportional nach Wirtschaftsbereichen/-sektoren und der Zahl der Arbeiter/Angestellten in den Betrieben ermittelt. Des weiteren wurde eine Betriebsliste erstellt, die nach Wirtschaftsbereichen/-sektoren und innerhalb dieser in aufsteigender Reihenfolge der Betriebe nach dem durchschnittlichen Bruttolohn je Arbeiter/Angestellte sortiert war. Anhand dieser beiden Listen wurden von dem jeweiligen Bezirkszählbüro Betriebe der unteren, mittleren und oberen Einkommensbereiche ausgewählt und das jeweilige Befragungssoll pro Betrieb festgelegt. Für die so gewonnene Betriebsstichprobe wurde der durchschnittliche Bruttolohn je Arbeiter und Angestellter aller ausgewählten Betriebe des Wirtschaftsbereiches/- sektors mit dem Durchschnitt des Wirtschaftsbereiches/- sektors der DDR insgesamt verglichen. Sofern der ermittelte durchschnittliche Bruttolohn außerhalb der in der Betriebsliste angegebenen Spanne lag, musste die Betriebsauswahl nochmals überprüft und eventuell ein Austausch der Betriebe vorgenommen werden (SZS 1988a). In welchem Ausmaß derartige Korrekturen tatsächlich stattfanden, ist unbekannt.

Eine weitere Einschränkung der Auswahlpopulation fand auf der Personenebene statt. Nicht in die Auswahl aufgenommen wurden: Betriebsangehörige, die nicht die Staatsbürgerschaft der DDR besaßen; Auszubildende und Heimarbeiter; Betriebsangehörige, die im Haushalt eines Angehörigen der bewaffneten Organe (mit Ausnahme der ihren aktiven Wehrdienst Leistenden) oder eines hauptamtlich in Parteien und Massenorganisationen Beschäftigten lebten (sogenannter X-Bereich). Personen die dem sogenannten X- Bereich angehörten, waren mit Ausnahme der Volkszählungen, nie Bestandteil der Auswahlpopulation.

Allgemein orientierte sich die Auswahl der zu Befragenden wiederum an den von der SZS vorgegebenen Sollzahlen. Als Auswahlgrundlage diente die Lohn- bzw. Gehaltskartei bzw. eine sonstige Liste der Betriebsangehörigen und ein für jeden Betrieb ermitteltes Zählintervall. Das Intervall ergab sich jeweils aus dem Quotienten der Gesamtzahl von Arbeitern/Angestellten eines Betriebes und dem spezifischen Befragungssoll des Betriebes. Hiernach wurde bspw. jeder 17. Arbeiter/Angestellte eines Betriebes befragt. Die Auswahl der Befragten beschränkte sich nicht auf bestimmte Beschäftigtengruppen. Nach Auswahl der zu Befragenden wurde überprüft, ob der durchschnittliche Bruttolohn der ausgewählten Arbeiter/Angestellten mit dem Bruttolohn je Arbeiter/Angestellten des gesamten Betriebes übereinstimmte, wobei eine Abweichung von +/- fünf Prozent als zulässig galt. Wie aufgrund der vorangegangenen Ausführungen deutlich geworden sein sollte, beschreibt die EKS nur einen Ausschnitt aller Arbeiter- und Angestelltenhaushalte in der DDR. Wie Krause/Schwarz (1990) ausführen ist dieser Ausschnitt jedoch beschreibbar und seine Effekte daher abschätzbar. Problematischer sind die internen "Kontrollen"  bei der Auswahl der Betrieben und in bezug auf die Einkommenshöhe der zu Befragenden, da hierüber keine Informationen vorliegen. Krause/Schwarze gehen davon aus, daß durch diese Korrekturen insbesondere Ausreißer ausgeklammert werden. Damit steht einer mittelwertbezogenen Analyse der EKS nichts entgegen, von einer Hochrechnung der Ergebnisse wird jedoch abgeraten (a.a.O.:7).

Ergebnisse der Einkommensstichprobe 1988 wurden bislang nur in geringem Umfang veröffentlicht, so im Statistischen Jahrbuch der DDR 1990, in der "Kennziffersammlung Sozialstatistik 1990" sowie in einer kleinen Ergebnisbroschüre "Haushaltseinkommen und Ausstattung der Haushalte von Arbeitern und Angestellten 1980-1988".

 

Literatur:

  • Krause, P./Schwarze, J. (1990): Die Einkommensstichprobe in Arbeiter- und Angestelltenhaushalten der DDR vom August 1988 - Erhebungskonzeption und Datenbankzugriff. DIW-Diskussionspapier Nr.11, Berlin.
  • Frick, J./Krause, P./Schwarze, J. (1991): Die Einkommensstichprobe in Arbeiter- und Angestelltenhaushalten der DDR vom August 1988. In: Das Sozio-Ökonomische Panel (Hg.): Lebenslagen im Wandel, Campus. S.42-56.
  • Staatliche Zentralverwaltung für Statistik (1988a): Arbeitsrichtlinie für das Bezirkszählbüro zur Vorbereitung und Durchführung der Einkommensstichprobe 1988 in Arbeiter- und Angestelltenhaushalten. Drucksache E 4. Ministerrat der DDR, Berlin.
  • Staatliche Zentralverwaltung für Statistik (1988b): Arbeitsrichtlinie für das Betriebsverantwortliche/Beauftragte der SZS zur Vorbereitung und Durchführung der Einkommensstichprobe 1988 in Arbeiter- und Angestelltenhaushalten. Drucksache E 4. Ministerrat der DDR, Berlin.
  • Hartig, K.H. (1990): Übersicht über die Datenbasis der amtlichen Statistik der ehemaligen DDR zu ausgewählten Kennziffernkomplexen aus der Sicht der sozialwissenschaftlichen Analyse und Forschung. Unveröffentlichtes Manuskript.
  • Statistisches Amt der DDR (1990): Übersicht über die regelmäßigen repräsentativen Bevölkerungsbefragungen des Statistischen Amtes der DDR. Berlin.