Architekturwahrnehmung prägt Verbundenheitsgefühl der Dresdner mit ihrer Stadt

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Je positiver die Einwohnerinnen und Einwohner Dresdens die Gebäude aus dem historischen Bild ihrer Stadt bewerten, desto stärker fühlen sie sich mit ihrem Wohnort verbunden. Dies zeigt eine Studie zur Architekturwahrnehmung der Bevölkerung in Dresden, die gerade im Informationsdienst Soziale Indikatoren, ISI 63, des GESIS – Leibniz Instituts für Sozialwissenschaften erschienen ist. Michael Häder (Technische Universität Dresden) und Sabine Häder (GESIS) sehen in diesem Befund eine Möglichkeit, das bürgerliche Engagement und die Lebenszufriedenheit in einer Stadt durch eine aktivere Einbindung in Gestaltungsprozesse des Stadtbildes zu stärken.

Der Beitrag widmet sich zunächst der Frage, welche sozio-strukturellen Merkmale der Befragten einen Beitrag zur Erklärung der Ausprägung des Verbundenheitsgefühls mit ihrem Wohnort liefern können. Dabei stützen die Forschenden sich auf Daten aus der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) aus den Jahren 1991, 2000 und 2008. Diese Datenbasis ermöglicht Aussagen über die gesamtdeutsche Bevölkerung und die Entwicklung des Verbundenheitsgefühls über diesen Zeitraum. Ergänzend dient die repräsentative Dresdner Architekturbefragung 2018 als Datenbasis, die die Rezeption der Architektur als möglichen Erklärungsfaktor für die Verbundenheit der Bürgerinnen und Bürger mit der Stadt Dresden miteinbezieht.

Die Verbundenheit mit dem Wohnort setzt sich den Forschenden zufolge aus den Zufriedenheiten mit diversen Aspekten des Wohnumfeldes zusammen und beeinflusst wiederum die Lebenszufriedenheit insgesamt. Über den untersuchten Zeitraum hinweg zeigen die ALLBUS Daten eine hohe und leicht steigende Verbundenheit der Deutschen mit ihren Wohnorten: Im Jahr 2008 gaben 72% der Westdeutschen und 74% der Ostdeutschen an, dass sie sich stark oder ziemlich stark mit ihrer Gemeinde verbunden fühlen. Um dieses Gefühl der Verbundenheit zu erklären, ziehen Michael und Sabine Häder sozialwissenschaftliche Standardvariablen wie Alter und Wohndauer heran und kommen zu dem Ergebnis, dass sie eine relativ schwach ausgeprägte Erklärungskraft bieten. Demnach fühlen sich Menschen tendenziell stärker mit ihrer Gemeinde verbunden, je älter sie sind und je länger sie dort wohnen.

Doch welche Rolle spielt die Wahrnehmung der Architektur für das Zustandekommen eines Verbundenheitsgefühls? Für die Stadt Dresden kommen die Forschenden auf der Basis der Architekturbefragung 2018 zu dem Ergebnis, dass die Wahrnehmung einzelner Gebäude in Zusammenhang mit dem Wohlfühlen in der Stadt steht. Dabei ist besonders interessant, dass ausdrücklich auf das historische Stadtbild Bezug genommen wird. Je positiver Dresdner Bürgerinnen und Bürger das Dinglingerhaus, die Elbschlösser und das Kurländer Palais bewerten, desto stärker fühlen sie sich jeweils mit der Stadt verbunden. Eine Ausnahme bildet die Kreuzkirche, bei der ein negativer Zusammenhang besteht, der möglicherweise auf die Funktion des Gebäudes zurückzuführen ist.

Entscheidend für die beiden Autoren ist nun, dass eine stärkere Verbundenheit auch zu einem größeren gesellschaftlichen Engagement und letztendlich zu einer höheren Lebenszufriedenheit führt. „Insofern ergibt sich ein potentieller Einflussfaktor auf die Erhöhung der Lebenszufriedenheit“, so die beiden. „Wenn Stadtbilder, kulturelle Einrichtungen, Grünanalagen und andere Wohnortcharakteristika im Diskurs und Konsens mit der Bevölkerung weiterentwickelt werden, sollte dies dazu führen, dass sich deren Verbundenheit mit dem Wohnort verstärkt, sich das gesellschaftliche Engagement der Bürger erhöht und letztlich ein positiver Effekt auf die Lebenszufriedenheit zu verzeichnen ist.“

Die gesamten Beiträge des ISI 63 können Sie hier (1.18 MB) kostenfrei herunterladen.

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