Umfragedaten vs. administrative Daten: Wie beeinflussen Item-Nonresponse, ungenaue Angaben und Erhebungsmodus Schlussfolgerungen zur Ungleichheit von Brutto-Einkommen? (Talk in German)

December 4th, 2017, 1pm

GESIS, Mannheim, B2,8 (right)

Peter Valet

Abstract

Das Ausmaß der Einkommensungleichheit wird gewöhnlich auf Basis von Umfragedaten bestimmt. Forschung zur Genauigkeiten von Einkommensangaben zeigt jedoch, dass bestimmte Befragtengruppen ihre Brutto-Einkommen häufiger nicht angeben und andere ihre Brutto-Einkommen unter- bzw. überschätzen. Darüber hinaus weist die Umfrageforschung darauf hin, dass die Anwesenheit eines Interviewers das Antwortverhalten zu sensiblen Themen beeinflussen kann. Entsprechend können diese Prozesse zu einer Unter- bzw. Überschätzung der tatsächlichen Einkommensungleichheit führen. Auf Basis von verknüpften Umfragedaten werden in diesem Vortrag folgende Fragen adressiert: (1) Welche Befragten haben eine höhere Wahrscheinlichkeit ihre Brutto-Einkommen nicht anzugeben? (2) Welche Befragten unter- bzw. überschätzen ihre Brutto-Einkommen? (3) Wie beeinflusst der Erhebungsmodus (mit Interviewer/ohne Interviewer) das Antwortverhalten? Und (4) wie beeinflussen diese Prozesse Schlussfolgerungen zum Ausmaß der Ungleichheit von Brutto-Einkommen? Zur Beantwortung dieser Fragen wurden Daten des Beschäftigtensurveys „Legitimation of Inequality Over the Life-Span“ (LINOS) analysiert, die mit den vom IAB bereitgestellten Daten der „Integrierten Erwerbsbiographien“ (IEB) verknüpft werden konnten (N=2282). Im Ergebnis zeigen sich teils deutliche Unterschiede zwischen Umfragedaten und administrativen Daten, die dazu führen, dass das Ausmaß der tatsächlichen Einkommensungleichheit auf Basis der Umfragedaten unterschätzt wird. 

 

About the speaker

Peter Valet studierte Sozialwissenschaften an der Universität Duisburg-Essen und promovierte in Soziologie an der Universität Bielefeld. Derzeit ist er als Postdoc im DFG Projekt “Strukturelle Bedingungen von Gerechtigkeitseinstellungen über den Lebensverlauf“ an der Universität Bielefeld beschäftigt. Im Rahmen dieses Projekts betreut er unter anderem die Durchführung der zweiten Welle der Längsschnittstudie „Legitimation of Inequaltiy Over the Life-Span“ (LINOS). Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Arbeitsmarkt- und Ungleichheitsforschung, empirische Gerechtigkeitsforschung und quantitative Methoden. Aktuell beschäftigt er sich vor allem mit den Fragen inwieweit Beschäftigte unterschiedliche Gründe, die zu Einkommensungleichheit führen als legitim erachten und welche Konsequenzen individuelle Ungerechtigkeitswahrnehmungen nach sich ziehen?