Prof. Dr. Alexia Katsanidou

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Measuring Populism

Leitung: Dr. Alexia Katsanidou (GESIS)
Wissenschaftlicher Arbeitsbereich: Inhaltliche Sozialwissenschaftliche Forschung

Projektbeschreibung

Der Begriff „Populismus“ ist allgegenwärtig, aber es besteht große Uneinigkeit wie man Populismus definieren oder messen sollte. Sind zum Beispiel Vladimir Putin oder Recep Erdogan Populisten oder nicht? Kann man Emanuel Macron oder Theresa May auch als populistisch bezeichnen? Und wie lassen sich populistische Einstellungen von Wählern erfassen, auch um das Potenzial populistischer Parteien abzuschätzen?

Ziel dieses Projekts ist eine Kooperation zwischen GESIS und dem IfW Kiel anzustoßen und einen interdisziplinären und methodisch innovativen Drittmittelantrag zu erstellen. Der Antrag soll neue Messinstrumente für Populismus hervorbringen, sowohl für die Mikro-Ebene (Wählerumfragen) als auch auf der Makro-Ebene (Regierungen, Politiker). Wir sind überzeugt: Wer die Triebkräfte und Auswirkungen des Populismus verstehen will, dem hilft es das Phänomen zu quantifizieren.

Teil 1 (GESIS) ist politikwissenschaftlich ausgerichtet und nimmt eine Mikro-Perspektive ein. Welche Bürger wählen populistische Parteien und in welchem Kontext? Gibt es ein populistisches “Mindset”? Zur Beantwortung dieser Fragen existieren nach wie vor keine standardisierten Methoden um Populismus in Umfragen zu quantifizieren. Projektteil 1 vergleicht daher die Populismus-Skalen und Messinstrumente etablierter Forscher (insb. Hawkins, Riding, Mudde, Akkerman oder Zaslove) mit der Populismus-Skala des GESIS Panels (2016), des ALLBUS (1988) und der European Value Study. Darauf aufbauend sollen standardisierte und international vergleichbare Instrumente entwickelt und der Wissenschaft frei zur Verfügung gestellt werden.

Teil 2 (IfW) ist ökonomisch ausgerichtet und soll einen neuen „konsens-basierten“ und kontinuierlichen Populismus-Index für Machthaber und Parteien weltweit erstellen. Die Grundidee dabei ist einfach: Wenn ein Großteil von Wissenschaftlern und Kommentatoren einen Machthaber als populistisch bezeichnen, so handelt es sich wohl tatsächlich um einen Populisten. Wenn hingegen nur wenige Autoren diese Bezeichnung verwenden, so hat dieser Politiker nach unserem Ansatz nur leichte populistische Tendenzen. Die Häufigkeit der Nennung von Populismus-Attributen lässt sich mit Methoden der Textanalyse heute sauber quantifizieren. Konkret soll der „Consensus-Based Index of Populism“ auf zwei Arten gemessen werden. 1) Durch die systematische und quantitative Auswertung der gesamten wissenschaftlichen Populismus-Literatur (ca. 150 Bücher und 500 Artikel). 2) Durch eine Medien-Analyse, bei der hunderttausende Presseartikel (z.B. aus Factiva) mit Methoden des maschinellen Lernens ausgewertet werden (zB. „wie oft werden der Name Berlusconi und das Wort Populismus in einem Satz genannt?“). Die Resultate beider Ansätze soll dann verglichen und so jeder Partei und jedem Machthaber eine Indexzahl (von 0 bis 100) zugewiesen werden.

Projektlaufzeit

01.05.20171-01.07.2017

Gefördert durch

  • Leibniz-Forschungsverbund "Krisen einer globalisierten Welt"

Partner

  • Prof. Dr. Christoph Trebesch (IfW)