Demokratie in Gefahr? Verschwörungstheorien und ihr Einfluss auf das Wahlverhalten/ DemThreat

Bearbeitung: Prof. Dr. Reinhard Pollak, Dr. Manuela Blumenberg, Dr. Ina Bieber, Anne-Kathrin Stroppe
Leitung: Dr. Ina Bieber
Wissenschaftlicher Arbeitsbereich: Dauerbeobachtungen der Gesellschaft (DBG)

Projektbeschreibung

Pandemien können nicht nur die Gesundheit vieler Menschen schwächen und zu hohen Sterblichkeitsraten führen, sondern auch einen entscheidenden Einfluss auf die Destabilisierung und den Zusammenbruch von Demokratien haben. Nach den Erkenntnissen verschiedener Forscher*innen führte beispielsweise die Spanische Grippe Anfang der 1920er Jahre dazu, dass die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen, und es hat sich allgemein gezeigt, dass plötzliche negative Schocks und extreme Ereignisse schwerwiegende negative Folgen für die Demokratie haben können.

Während frühere Pandemien Demokratien in erster Linie mit negativen wirtschaftlichen Auswirkungen im Nachgang der Krise bedrohten, gibt COVID-19 bereits im Anfangsstadium Anlass zur Sorge bezüglich der Stabilität politischer Systeme. Fast so schnell wie die Ausbreitung des eigentlichen Virus, begannen sich in den (on- und offline) Netzwerken Verschwörungstheorien zu verbreiten, die von der Leugnung der Existenz der Pandemie bis hin zur Behauptung reichten, das Virus sei in chinesischen Laboren entwickelt worden. Diese Überzeugungen scheinen so ansteckend zu sein, dass sie in ständig wachsenden Protesten auf den Straßen gedeihen, wo die Verschwörungstheoretiker von Impfgegner*innenn und Rechtspopulist*innen sowie von einer wachsenden Zahl von Menschen aus der Mitte der Gesellschaft begleitet werden. Bei allen Unterschieden haben diese Gruppen eines gemeinsam: die Unzufriedenheit mit den aktuellen Einschränkungen im Zusammenhang mit Corona und die damit verbundene Kritik an der Machtausübung durch die Eliten. Vor diesem Hintergrund ist derzeit nicht klar, ob die Verschwörungstheorien die Elitenskepsis verursachen oder ob sie eher als Katalysator für bereits vorhandene Elitenskepsis wirken und damit Öl ins Feuer gießen.

Im Projekt wird erforscht, wie Verschwörungstheorien um COVID-19 die Demokratie gefährden. Das experimentelle Paneldesign mit Nullmessung vor der massiven Verbreitung von COVID-19 untersucht, ob und inwieweit sich bestimmte Bevölkerungsgruppen von Verschwörungstheorien anstecken lassen und dadurch ihr Wahlverhalten durch Nicht- oder Extremwahlen verändern. Da Verschwörungstheorien derzeit auf dem Vormarsch sind, ist dieses Projekt ein wichtiger Beitrag, um die zugrundeliegenden Mechanismen und die daraus resultierenden Bedrohungen für die Demokratie zu beurteilen.

Projektlaufzeit

01.02.2021-31.07.2022

Gefördert durch