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Deutschland-Monitor 2023 zeigt neue Sicht auf die Einstellungen der Bevölkerung zu Politik und Gesellschaft


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In der Bewertung der Lebensqualität unterscheiden sich Menschen in Ost- und Westdeutschland oder Menschen auf dem Land und aus der Stadt kaum. Dieses überraschende Ergebnis ist einer der Hauptbefunde des Deutschland-Monitors 2023, einer neu entwickelten jährlichen wissenschaftlichen Studie, die eine neue Sicht auf gesellschaftliche und politische Einstellungen und Bewertungen der deutschen Bevölkerung ermöglicht.

Der Fokus des neuen Deutschland-Monitors zeigt: Für die Entwicklung politischer Einstellungen sind individuelle Merkmale und gleichzeitig auch das Wohn- und Lebensumfeld entscheidend. Menschen in Ostdeutschland fühlen sich doppelt so häufig abgehängt wie Menschen in Westdeutschland (19 % zu 8 %). Damit einhergehend haben in Ostdeutschland mehr Menschen den Eindruck, dass sich die Politik nicht ausreichend für ihre Region interessiere und sich zu wenig für deren wirtschaftliche Entwicklung einsetze. Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland können aber zum Teil auf objektive Faktoren zurückgeführt werden. Menschen in strukturschwachen Regionen in Ost und West fühlen sich stärker abgehängt als Menschen in strukturstarken Regionen. Das „Gefühl des Abgehängtseins“ ist in jenen ostdeutschen und strukturschwachen Gegenden besonders stark verbreitet, die stärker von Überalterung und Abwanderung betroffen sind.

Der Deutschland-Monitor findet einen stabilen wohlfahrtsstaatlichen Konsens: Eine breite Mehrheit ist der Ansicht, dass der Staat für allgemeine Lebensrisiken Verantwortung übernehmen sollte. Dabei wächst die Offenheit für einen handlungsfähigen Staat bei wirtschaftlichen Herausforderungen und sozialen Risiken. „Die Ost-West-Unterschiede schmelzen, weil sich die entsprechenden Einstellungen der Westdeutschen an die der Ostdeutschen annähern“, so Reinhard Pollak, Soziologe bei GESIS in Mannheim.