German Microdata Lab

Forschungspotentiale amtlicher Mikrodaten

Der Beitrag gibt einen kurzen Überblick über Daten der amtlichen Statistik in Deutschland und Europa, die für die empirische Sozialforschung von Interesse sind. Für Deutschland wird der Mikrozensus eingehender dargestellt. Neben der Erhebungsmethode werden die Inhalte des Mikrozensus beschrieben, und es wird auf seine Vorteile gegenüber Umfragedaten sowie auf Probleme und Nachteile eingegangen. Auch über den Zugang zu amtlichen Mikrodaten wird informiert.

Hartmann, Peter H.; Lengerer, Andrea (2014): Verwaltungsdaten und Daten der amtlichen Statistik. In: Nina Baur, Jörg Blasius (Hg.): Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung. Wiesbaden: Springer VS. S. 907-914.


In diesem Beitrag wird das GESIS Mikrozensus-Trendfile vorgestellt. Dabei handelt es sich um ein harmonisiertes und kumuliertes File aller verfügbaren Mikrozensus Scientific Use Files der Jahre 1962 bis 2006. Sowohl die Erstellung des Trendfiles als auch die dabei auftretenden Probleme sowie Strategien zu ihrer Lösung werden beschrieben. Daneben werden die Inhalte und Analysepotenziale des harmonisierten Datensatzes an konkreten Beispielen aufgezeigt.

Lengerer, Andrea; Schroedter, Julia H.; Boehle, Mara; Wolf, Christof (2012): The GESIS Microcensus-Trendfile. A New Database for the Study of Social Change. In: Schmol­lers Jahrbuch – Journal of Applied Social Science Studies / Zeitschrift für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, 132, S. 419-432.


Als Haushaltsstichprobe enthält der Mikrozensus Informationen über die Größe und Zusammensetzung von Haushalten sowie über Beziehungen der Haushaltsmitglieder untereinander. Neben Haushalten und Familien werden seit 1996 auch Lebensformen als soziale Einheiten in den Daten abgegrenzt. Im Mittelpunkt dieses Konzeptes steht die Berücksichtigung unverheiratet zusammenlebender Paare, wodurch sich das familienwissenschaftliche Analysepotenzial des Mikrozensus beträchtlich erweitert hat. In diesem Beitrag werden die Konzepte und Definitionen der amtlichen Statistik sowie ihre Umsetzung im Mikrozensus vorgestellt. Dabei werden neben den Möglichkeiten des Mikrozensus für die empirisch arbeitende Familienforschung auch die Grenzen und Restriktionen des Arbeitens mit den Daten sowie die Neuerungen des veränderten Erhebungsdesigns des Mikrozensus ab 2005 dargestellt.

Lengerer, Andrea; Janßen, Andrea; Bohr, Jeanette (2007): Familiensoziologische Analysepotenziale des Mikrozensus. In: Zeitschrift für Familienforschung, 19, S. 186-209.


Anhand ausgewählter Fragestellungen aus den Bereichen Haushalt und Familie, Bildungsbeteiligung, Einkommen, Migration und sozio - ökonomische Lagen werden in diesem Beitrag die Auswertungsmöglichkeiten der Mikrozensus - Scientific Use Files von 1989 bis 1997 beispielhaft dargestellt und Verbesserungsvorschläge zum Erhebungsprogramm und der Datenbereitstellung zusammengefasst.

Schimpl-Neimanns, Bernhard (2002): Anwendungen und Erfahrungen mit dem Scientific Use File des Mikrozensus. ZUMA - Arbeitsbericht 2002/01 (363 kB)


Um die Nutzungsmöglichkeiten von anonymisierten Mikrodaten durch die Forschung zu erleichtern und langfristig tragfähige Lösungen zu entwickeln, läuft seit Ende 1996 ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziertes Pilotprojekt. Es wurde vom Statistischen Bundesamt in Kooperation mit der GESIS entwickelt. Der Beitrag beschreibt den aktuellen Sachstand des bis Ende 2002 bzw. 2003 befristeten Projektes, geht insbesondere auf die Erfahrungen beim Mikrozensus ein und beleuchtet Zukunftsperspektiven.

Köhler, Sabine; Schimpl-Neimanns, Bernhard; Schwarz, Norbert (2000): Pilotprojekt zur Erleichterung der Nutzungsmöglichkeiten von faktisch anonymisierten Mikrodaten. Wirtschaft und Statistik 1: 30-37.


Der kritische Rückblick skizziert die wichtigsten Ergebnisse der Beiratsarbeit von 1989, die teilweise umgesetzt worden sind. Jedoch sind manche Empfehlungen, die auch heute noch für den Mikrozensus als richtungsweisend gelten können, vom Gesetzgeber nicht aufgegriffen worden. Die Ursachen für die Diskrepanz zwischen den Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirat und und der Umsetzung können in den derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen gesehen werden, die nicht nur zur Inflexibilität der amtlichen Statistik in Deutschland beitragen, sondern für die Forschung auch kaum Partizipationsmöglichkeiten an Entscheidungen über das Programm der Bundesstatistik bieten.

Schimpl-Neimanns, Bernhard (1999): Zur Umsetzung von Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirats für die methodische und inhaltliche Weiterentwicklung des Mikrozensus - ein Rückblick. S. 47-51 in: Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Kooperation zwischen Wissenschaft und amtlicher Statistik - Praxis und Perspektiven. Beiträge zum Symposium am 31. Mai/1. Juni 1999 in Wiesbaden. Schriftenreihe Forum der Bundesstatistik, Band 34. Stuttgart: Metzler-Poeschel.


Anhand von Beispielen werden in einem weiteren Aufsatz die Auswertungsmöglichkeiten des Mikrozensus 1995 praxisbezogen und methodenkritisch dargestellt. Die inhaltlichen Fragestellungen, zu denen Hinweise auf Operationalisierungsprobleme gegeben werden, konzentrieren sich auf die Bereiche Arbeitsmarkt, Haushalte, Familien und Sozialstruktur. Unter methodischen Gesichtspunkten werden die Punkte Nonresponse, Varianzschätzung und Gewichtung bzw. Hochrechnung diskutiert.

Schimpl-Neimanns, Bernhard (1998):Analysemöglichkeiten des Mikrozensus. ZUMA-Nachrichten 42: 91-119. PDF-Datei (405KB) (202 kB)


Seit Ende der achtziger Jahre haben sich beim Mikrozensus gravierende Änderungen ergeben (Erfassung der neuen Bundesländer; neuer Stichprobenplan; Umstellen von einzelnen Fragen auf freiwillige Beantwortung; neues Mikrozensusgesetz ab 1996 etc.). Diese Änderungen sowie die Tatsache, dass der Datenzugang beim Mikrozensus 95 erheblich erleichtert wurde, machten es notwendig, in einem Beitrag sowohl die Neuerungen der letzten Jahre aufzuzeigen als auch zukünftige Entwicklungen zu diskutieren, und damit die Nutzbarkeit des Mikrozensus ("Forschungspotential") einer breiteren wissenschaftlichen Öffentlichkeit darzulegen.

Lüttinger, Paul; Riede, Thomas (1997):Der Mikrozensus: amtliche Daten für die Sozialforschung. ZUMA-Nachrichten 41: 19-43. PDF-Datei (413KB) (215 kB)


Die Aussagefähigkeit oder Validität der Daten der amtlichen Statistik der DDR für Analysen des Transformationsprozesses wurde häufig in Zweifel gestellt. Einwände bezogen sich vor allem auf die Veröffentlichungen zur Bildungs- und Einkommensungleichheit. Mit Hinweisen auf die politische Selektivität in veröffentlichten Statistiken wurde nach der Vereinigung teilweise der Schluss gezogen, man solle auf Rekonstruktionsversuche der DDR-Sozialstruktur auf Basis von amtlichen DDR-Daten lieber verzichten. Hierbei wird jedoch leicht übersehen, dass die Erklärung von Veränderungen auf der Kenntnis des Ausgangszustandes vor 1990 aufbauen muss. Das DDR-Mikrodatenprojekt hat sich deshalb damit beschäftigt, die vorhandenen amtlichen Mikrodaten kritisch u.a. auf Validität zu untersuchen. Im Rahmen dieses Projektes wurden zu den Themen Bildungs- und Einkommensungleichheit der Forschungsstand und die Fragestellungen der Transformationsforschung dargestellt. Vor diesem Hintergrund wurden dann die Analysemöglichkeiten und -grenzen der noch als Einzeldaten zugänglichen Erhebungen der DDR-Statistik diskutiert und auf Probleme von Ost-West-Vergleichen hingewiesen.

Schimpl-Neimanns, Bernhard; Wirth, Heike (1994): Bestandsaufnahme und Nutzungsmöglichkeiten amtlicher Mikrodaten der DDR für Sekundäranalysen zur Bildungs- und Einkommensungleichheit. ZUMA-Arbeitsbericht Nr. 94/06.


Die Sekundäranalyse amtlicher Daten hat in der Sozialforschung eine lange Tradition, die bis in die Anfänge der Soziologie zurückreicht. Mit der Einführung von Stichproben in der amtlichen Statistik einerseits und der Revolution in der Computertechnologie andererseits begann eine neue Phase der Sekundäranalyse amtlicher Daten, deren Verarbeitung nun auch für einzelne Forscher möglich geworden ist und somit die gleichen Möglichkeiten einer flexiblen, möglichst passend an einer theoretischen Fragestellung ausgerichteten Analyse gegeben sind, wie bei einer von der Wissenschaft selbst verantworteten Datenerhebung. Der Beitrag gibt einen Überblick zur Situation in den USA, wo die Sekundäranalyse amtlicher Mikrodaten ein etabliertes Instrument der empirischen Sozialforschung ist, und beschreibt das in Deutschland aus verschiedenen Gründen viel reserviertere Verhältnis zwischen amtlicher Statistik und Forschung. Im Überblick wird die Gesamtheit der gegenwärtig in Deutschland verfügbaren Mikrodaten dargestellt. Ausführlicher wird das Potential amtlicher deutscher Mikrodaten als Quellen sozialwissenschaftlicher Forschung anhand der Beschäftigtenstatistik, der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe und dem Mikrozensus beschrieben.

Alba, Richard; Müller, Walter; Schimpl-Neimanns, Bernhard (1994):Secondary Analysis of Official Microdata. In Borg, I. & Mohler, P.Ph. (Eds.), Trends and Perspectives in Empirical Social Research (pp. 57-78). New York: de Gruyter.


The paper provides an elaborated description of the work that is done in one of the various departments within the Center for Survey, Research and Methodology (ZUMA), the Department of Microdata. The first project deals with the identification risk of microdata; the second describes some results dealing with the representativity of surveys.

Lüttinger, Paul; Wirth, Heike; Hippler, Hans-J. (1993): Different Aspects in Using Microdata: Data Anonymity and Non-response Bias. Journal of Official Statistics 9 (1): 217-233


In diesem Beitrag werden Stichprobenplan, Geschichte und Merkmalsumfang des Mikrozensus vorgestellt, die Nutzungsmöglichkeiten für die Sozialforschung einer kritischen Analyse unterzogen und Zugangsmöglichkeiten zu den amtlichen Daten beschrieben.

Hartmann, Peter (1989): Der Mikrozensus als Datenquelle für die Sozialwissenschaften, ZUMA-Nachrichten 24: 6-25 (5,60 MB).