Stimmungs-Check 2025: Was bewegt Deutschland?

Stimmungs-Check: Erste Ergebnisse

Liebe Studieninteressierte,

wir möchten uns ein weiteres Mal bei Ihnen für Ihre Teilnahme bedanken. Wir freuen uns, dass unsere Studie auf großes Interesse bei Ihnen gestoßen ist. Uns haben viele Anfragen zu den Studienergebnissen erreicht, weswegen wir Ihnen gerne mit dieser Übersichtsseite einen transparenten Einblick in die Prozesse der Studie geben möchten.

Bei GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften handelt es sich in erster Linie um eine Infrastruktureinrichtung. Das bedeutet: wir führen groß angelegte Umfragen durch, damit Forschende aus den Sozialwissenschaften mit den erhobenen Daten arbeiten können. Das Ziel des Stimmungs-Checks war es daher, eine möglichst große und „repräsentative“ Stichprobe zu ziehen. Repräsentativ bedeutet, dass alle Wahlberechtigten in Deutschland theoretisch hätten ausgewählt werden können und der Zufall entschied, wer letzten Endes als Teilnehmende ausgewählt wurde. Dieses Vorgehen soll sicherstellen, dass alle Meinungsspektren und sozialen Gruppen die gleiche Chance zur Meinungsäußerung haben.

Praktisch bedeutete das, dass wir aus 300 zufällig ausgewählten Gemeinden in Deutschland die dortigen Einwohnermeldeämter um die Adressen einer Anzahl an Bewohner*innen (gemäß §46 Bundesmeldegesetz (BMG)) baten. Insgesamt 28.780 Anschreiben wurden am 24. Februar, dem Tag nach der Bundestagswahl verschickt.

Um möglichst viele Meinungen abbilden zu können, haben wir in den Folgewochen zwei sogenannte Reminder verschickt. Den ersten Mitte März und den zweiten Ende März – vier Wochen nach der Wahl. Mit dem zweiten Reminder schickten wir allen kontaktierten Personen auch noch einen Papierfragebogen, damit auch Menschen ohne Internetzugang oder einer Präferenz für Zettel und Stift teilnehmen konnten. Die Abbildung zeigt, an welchem Tag, wie viele Befragte an der Studie teilnahmen. Insgesamt bedanken wir uns bei fast 7.500 Menschen für Ihre Teilnahme an der Befragung.

Mitte April war die Befragung offiziell beendet. Seitdem werden die erhobenen Daten aufbereitet. Das bedeutet, dass die Daten in ein Format gebracht werden, mit dem die Forschenden nach Erhalt sofort loslegen können. So müssen Papierfragebögen digitalisiert, sensible Informationen (wie zum Beispiel der Geburtstag und -monat) aussortiert und alle Angaben in eine einheitliche Form gebracht werden. Die endgültigen Daten werden für Forschende Mitte Juni zugänglich gemacht.

Doch als Vorgeschmack und Einblick in die Vielfalt der Daten möchten wir in den kommenden Wochen zumindest einige Verteilungen und Ergebnisse präsentieren.

Wie zufrieden waren Sie mit der Ampel-Regierung?

Wahlausgang vs. Ergebnis Stichprobe

Bevor wir uns Ihre konkrete Einschätzung zur Ampel-Regierung anschauen, möchten wir Ihnen zunächst einen Einblick zur Wahlentscheidung geben. Beim Stimmungscheck 2025 haben wir Sie gefragt, wie Sie bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 abgestimmt haben. Die Angaben weichen in Teilen vom amtlichen Wahlergebnis ab. Besonders auffällig ist der hohe Anteil an Grünen-Wähler:innen in unsere Umfrage, die deutlich überrepräsentiert sind, und der geringe Anteil der AfD-Wähler:innen, welche im Vergleich zum amtlichen Ergebnis deutlich unterrepräsentiert sind.

Kanzlerpräferenz

Außerdem haben wir Sie auch nach Ihrer persönlichen Kanzlerpräferenz bei der Bundestagswahl 2025 gefragt. Mit 22 % lag Friedrich Merz knapp vor dem Kandidaten der Grünen Robert Habeck (21 %) und war damit der meistgenannte unter den namentlich genannten Kandidierenden. Der ehemalige Kanzler Olaf Scholz erzielte nur 8,6 %, die Kandidatin der AfD Alice Weidel kam auf 11,8 %. Bemerkenswert ist, dass sich mit 36,8 % ein erheblicher Anteil der Befragten explizit für keine der vorgeschlagenen Personen aussprach, dieser Wert übertraf jede einzelne Kandidatur.

Bewertung der alten Ampel-Regierung

Bis zu ihrem Zerbrechen wurde die Regierungsarbeit der Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP von den Teilnehmenden überwiegend kritisch bewertet. Unter 1 % bescheinigten der Koalition eine sehr gute Arbeit, ungefähr ein Drittel immerhin noch eine gute Arbeit. Demgegenüber standen jedoch insgesamt über zwei Drittel die die Arbeit als schlecht (47,9 %) oder als sehr schlecht (24,2 %) einstuften. Diese Einschätzungen spiegeln insgesamt eine verbreitete Unzufriedenheit mit der Regierung wider.

Zufriedenheit mit Olaf Scholz

Wie auch die Arbeit der Bundesregierung beurteilten die Befragten die Regierungsleistung von Bundeskanzler Olaf Scholz größtenteils negativ. Auf einer Skala von -5 bis +5 gaben über 60% der Befragten an eher unzufrieden (-5 bis -1) mit der Arbeit von Olaf Scholz zu sein. Davon gaben ungefähr 20 % Olaf Scholz die schlechteste Bewertung von -5 und waren somit völlig unzufrieden mit der Leistung des ehemaligen Kanzlers. Dem gegenüber standen ca. ein Viertel  der Befragten, die mit der Arbeit von Olaf Scholz eher zufrieden (+1 bis +5) waren. Dabei gaben gerade einmal knapp 1% der Teilnehmenden mit einer Bewertung von +5 an völlig zufrieden gewesen zu sein. Die restlichen Befragten (10,29 %) gaben mit 0 an weder unzufrieden noch zufrieden mit der Arbeit von Bundeskanzler Scholz gewesen zu sein.

Ampel-Koalition: Gewünscht?

An die schlechte Bewertung der ehemaligen Ampel-Regierung knüpft hierbei auch an, dass eine zukünftige Regierung aus SPD, Grünen und FDP von den Befragten als nicht wünschenswert eingestuft wurde. Bei der Frage wie wünschenswert eine solche Koalition wäre gaben insgesamt knapp unter 90% der Befragten an das eine erneute Ampel Koalition eher nicht wünschenswert wäre (-5 bis -1). Von diesen gaben über die Hälfte an das sie eine solche Koalition für überhaupt nicht wünschenswert (-5) finden würden. Ein sehr geringer Anteil der Befragten gab an, dass sie eine weitere Ampel Koalition eher begrüßen würden (+1 bis +5), mit einer verschwindend geringen Beurteilung unter 1% als äußerst wünschenswert. Knapp 5 % der Befragten äußerten sich neutral.

Beurteilung Ampel-Koalition vs. neue Regierung nach Wahlentscheidung

Abschließend haben wir die Ampel-Regierung der aktuellen Regierung aus Union und SPD gegenübergestellt und die Bewertung nach Wahlentscheidung aufgeschlüsselt. Dargestellt sind hier die Mittelwerte. Die roten Dreiecke markieren dabei die durchschnittliche Bewertung für eine Ampel-Koalition und die blauen Punkte markieren die durchschnittliche Bewertung einer Koalition aus CDU/CSU und SPD. Die Linien rechts und links von den Mittelwerten stellen die Schwankungsbreite dar innerhalb dessen sich die Mittelwerte mit einer 95% Wahrscheinlichkeit befinden. Zu sehen ist hier, dass eine erneute Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP im Durchschnitt bei Wählenden aller Parteien auf breite Ablehnung stößt. Von den Wählenden der an der letzten Ampel Regierung teilhabenden Parteien sehen die Wählenden der FDP im Durschnitt eine Neuauflage am negativsten, die Wählenden der Grünen noch am wenigsten negativ. Über die Wählenden aller Parteien hinweg kommt die am wenigsten schlechte Beurteilung im Durschnitt von den Wählenden der Linken, die schlechteste von den Wählenden der AfD.

Im Gegensatz dazu wird eine Große Koalition aus Union (CDU/CSU) und SPD über die meisten Gruppen von Wählenden hinweg durchschnittlich eher neutraler oder sogar positiv bewertet. Die positivste Beurteilung der teilhabenden Parteien, und in diesem Fall auch über alle Parteien hinweg, kommt von den Wählenden der SPD. Darauf folgen relativ dicht die Wählenden der anderen teilhabenden Parteien, CDU/CSU. Die negativste Beurteilung kommt auch bei dieser Koalition von den Wählenden der AfD.