Leibniz-Wettbewerb: Start des Projekts „Digital Dehumanization“

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Gefördert im Rahmen des Leibniz-Wettbewerbs startete zum 01.01.2021 das Forschungsvorhaben „Digital Dehumanization: Measurement, Exposure and Prevalence“ unter der Leitung von GESIS-Wissenschaftlerin Prof. Claudia Wagner. Das Projekt widmet sich dem Phänomen der Dehumanisierung, sprich der extremen Abwertung bestimmter sozialer Gruppen, auf digitalen Plattformen. Ziel ist die Entwicklung neuer Methoden zur Erfassung der Problematik, auf deren Basis sich ein genaueres Bild der Betroffenen, Urheber*innen und genutzten Kanäle zeichnen lässt. Die Ergebnisse sollen einen wichtigen Beitrag zur Debatte um die Regulierung Sozialer Medien leisten.

Die Entmenschlichung marginalisierter sozialer Gruppen ist kein neues Phänomen, erfährt jedoch im Kontext Sozialer Medien und anderer digitaler Plattformen in den letzten Jahren eine deutliche Verschärfung. Von Dehumanisierung spricht man, wenn Menschen – beispielsweise aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Lebensstils – eine so weitgehende Abwertung erfahren, dass ihnen durch andere ihre Menschlichkeit abgesprochen wird. Im Digitalen äußert sich das vor allem in steigenden Fällen von Hassrede; aber auch Gewalt, Hassverbrechen und Terrorismus sind Resultate einer zunehmenden Dehumanisierung. Daher werden auch zunehmend Forderungen nach besseren Bewältigungsstrategien seitens Politik und Plattformbetreibern laut.

Das nun gestartete Forschungsvorhaben verbindet Informatik und Sozialwissenschaften, um im ersten Schritt neue Methoden der automatisierten Texterkennung zu entwickeln, mit denen sich das Ausmaß der Dehumanisierung im Cyberspace zutreffend messen und beschreiben lässt. Im zweiten Schritt soll mithilfe dieser Methoden analysiert werden, welche Rolle verschiedene digitale Kanäle, sowohl im Bereich Sozialer als auch traditioneller Massenmedien, bei der Verbreitung entmenschlichender Inhalte spielen, wie sich deren Konsument*innen und Produzent*innen charakterisieren lassen, und welche Gruppen besonders betroffen sind.

Das Projekt wird im Rahmen des Leibniz-Wettbewerbs durch die Leibniz-Gemeinschaft unterstützt. Der Leibniz-Wettbewerb fördert innovative Forschung und Forschungsinfrastrukturen auf höchstem Niveau. Er trägt damit auch zur Sichtbarmachung von Erfolgen bei und setzt Anreize für zukunftsweisende Forschung. Das Projekt „Digital Dehumanization“ wird in Kooperation mit Prof. Strohmaier (RWTH Aachen), Prof. Jürgens (Univ. Michigan), Prof. Adams (Uni Bern) und Prof. Maier (Uni Koblenz-Landau) realisiert.

Ansprechpartnerinnen bei GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften:

Prof. Claudia Wagner
claudia.wagner@gesis.org

Dr. Sophie Zervos
sophie.zervos@gesis.org