Kurzskalen psychologischer Merkmale

Skalenkonzept

Theoretischer Hintergrund

Physische Attraktivität ist bereits seit dem 19. Jahrhundert (Galton, 1878) Betrachtungsgegenstand der psychologischen Forschung. Vor einem meist evolutionspsychologischen Hintergrund steht dabei oftmals die Frage im Mittelpunkt, welche physischen Merkmalsausprägungen als attraktiv wahrgenommen werden, inwiefern diese Ausprägungen tatsächliche Indikatoren interindividueller Unterschiede in reproduktiver Fitness der beurteilten Person darstellen und in welchen Beziehungen Attraktivitätseinschätzungen zu menschlichem Denken, Erleben und Verhalten stehen. Die physische Attraktivität einer Person erschließt sich für einen Betrachter aus einer Vielzahl körperlicher Attribute. Neben der Körperkomposition, dem Erscheinungsbild der Haut und der Stimme, sind es vor allem die Gesichtszüge, die einer Attraktivitätseinschätzung zugrunde liegen. Im Allgemeinen beurteilen Menschen symmetrische und durchschnittliche, prototypische Gesichter als attraktiv (Fink & Penton-Voak, 2002).

Die Wahrnehmung von Attraktivität scheint ein biologisch verwurzelter, genereller und kulturübergreifender Prozess zu sein. Frauen und Männer verschiedener Kulturen und sozialer Gruppen zeigen eine hohe Übereinstimmung in Attraktivitätseinschätzungen (Langlois, Kalakanis, Rubenstein, Larson, Hallam, & Smoot, 2000; Thornhill & Gangestad, 1999) und schon bei Neugeborenen zeigt sich eine Präferenz für attraktive Gesichter (Ramsey, Langlois, Hoss, Rubenstein, & Griffin, 2004). Neurowissenschaftliche Forschung identifizierte desweiteren spezifische Hirnstrukturen, die bei der Verarbeitung attraktivitätsbezogener Reize beteiligt sind (z.B. Winston, O’Doherty, Kilner, Perrett, & Dolan, 2007).

Diese Befunde werden im Rahmen evolutionstheoretischer Ansätze damit erklärt, dass Gesichtszüge valide Informationen über die reproduktive Eignung einer Person vermitteln (vgl. Gallup & Frederick, 2010). Tatsächlich finden sich vielfältige Korrelationen von Attraktivitätseinschätzungen mit verschiedensten Domänen menschlichen Erlebens, Denkens und Sozialverhaltens. Neben der offensichtlichen Rolle bei der Partnerwahl (Rhodes, 2006) steht physische Attraktivität in positivem Zusammenhang mit der allgemeinen Gesundheit (Thornhill & Gangestad, 1999), der Anzahl der Nachkommen (Jokela, 2009), Intelligenz (Kanazawa & Kovar, 2004), dem durchschnittlichen Einkommen (Frieze, Olson & Russell, 1991; Judge, Hurst & Simon, 2009) und verschiedenen anderen Kriterien des Berufserfolgs (Hosoda, Stone-Romero & Coats, 2003). Desweiteren beeinflusst die Attraktivitätseinschätzung eine Reihe sozialer Inferenzen wie die Zuschreibung von Kompetenz und Status, prosozialer Orientierung, Integrität und sozialer Anpassung (Eagly, Makhijani, Ashmore, & Longo, 1991; Kalick, 1987).

Physische Attraktivität wird standardmäßig durch die subjektiven Einschätzungen von Beurteilern anhand bipolarer Ratingskalen mit verbalen Ankern z.B. von „gar nicht attraktiv“ bis „sehr attraktiv“ erhoben (Langlois et al., 2000). Den Beurteilern wird dabei ein Foto der zu bewertenden Person vorgelegt und das subjektive Attraktivitätsrating auf der Skala festgehalten. Die Raterübereinstimmung (Konsensus) wird über die Berechnung statistischer Kennwerte wie Kappa (Cohen, 1960; Fleiss, 1971) oder dem Intraklassenkorrelationskoeffizienten (ICC; Shrout & Fleiss, 1979) ermittelt.

Die Nutzung solcher subjektiver Urteile hat sich jedoch als fehleranfällig bzw. sensibel für Charakteristika des Interviewers / Beurteilers erwiesen (Henss, 1991; Hönekopp, 2006; Nedelec & Beaver, 2011). So unterscheiden sich beispielsweise weibliche und männliche Beurteiler in der Attraktivitätseinschätzung von Männern (Nedelec & Beaver, 2011). Während Männer eher zu mittleren Urteilen neigen, beurteilen Frauen Männer im Vergleich öfter als sehr attraktiv oder sehr unattraktiv. Der generell negative Zusammenhang zwischen Alter und Attraktivität bei Attraktivitätseinschätzungen wird ebenfalls durch das Geschlecht und das Alter des Beurteilers beeinflusst (Henss, 1991). Bei Beurteilung von Personen des eigenen Geschlechts oder der eigenen Altersgruppe fällt der Zusammenhang zwischen Alter und Attraktivität signifikant niedriger aus. Kognitionspsychologische Untersuchungen unterstützen die Rolle des Alters und Geschlechts des Beurteilers bei der Verarbeitung und Erinnerung von Gesichtszügen (Anastasi & Rhodes, 2006; Brigham & Barkowitz,1978). Als own-age bias wird der Effekt bezeichnet, dass Gesichter von Personen der eigenen Altersgruppe besser wiedererkannt werden als Gesichter von älteren oder jüngeren Menschen. Dies wird mit der Häufigkeit erklärt, mit der Menschen mit bestimmten Gesichtern konfrontiert werden (Bartlett & Fulton, 1991). Gesichter, die dem eigenen ähnlich sind, z.B. der gleichen Altersgruppe, werden häufiger betrachtet und durch die resultierende Gewöhnung leichter wiedererkannt.

Diese Befunde verdeutlichen die Beeinflussbarkeit von Attraktivitätseinschätzungen durch individuelle Charakteristika der Beurteiler. Besonders das Geschlecht und das Alter der Rater können zu einer Verzerrung der Ergebnisse auf häufig genutzten Standardratingskalen führen. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde eine alternative Ratingskala zur Einschätzung von Attraktivität (Attraktivitätsrating-1, AR1) mit dem Ziel konstruiert, die oben beschriebenen Fehlerquellen zu minimieren. Zu diesem Zweck wird ein nach Alter und Geschlecht der zu beurteilenden Person gematchtes Bild als Anker des Attraktivitätsratings benutzt.

Aufbau

Das AR1 zur Einschätzung der Attraktivität besteht aus einem Item. Als Anker für die Attraktivitätseinschätzung wird zusammen mit der elfstufigen Antwortskala das Bild einer durchschnittlich attraktiven Person des gleichen Geschlechts und der gleichen Altersgruppe wie die zu beurteilende Person dargeboten. Die Einschätzung der Attraktivität erfolgt relativ zu diesem Vergleichsmaßstab, dem Ankerbild. Die elf Antwortkategorien des AR1 reichen von „viel unattraktiver“ (-5) bis „viel attraktiver“ (5) mit einer neutralen Mittelkategorie „gleich attraktiv“ (0), über der das Ankerbild dargeboten wird. Insgesamt gibt es sechs Skalenvarianten, die sich nur im Ankerbild unterscheiden. Jede enthält ein Ankerbild, das dem Geschlecht (männlich oder weiblich) und dem Alter (junges, mittleres oder hohes Alter) der zu beurteilenden Person (annähernd) entsprecht.

Auswertung

Da das AR1 aus nur einem Item besteht, stellt die Antwort des Beurteilers auf das Item gleichzeitig den Skalenwert dar. Der Wertebereich des Skalenwerts liegt zwischen -5 und 5 (für Details siehe Appendix A).

Items

In Tabelle 1 sind Itemformulierung und deskriptive Statistiken des AR1 dargestellt. Sie basie-ren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3, siehe Tabelle 2).

Tabelle 1: Itemformulierung und deskriptive Statistiken des AR1 aus Stichprobe 3
Item

M

SD

Sch

Kurt

Geben Sie an, wie attraktiv oder unattraktiv die Befragungsperson im Vergleich zu der unten abgebildeten Person ist.

1.7

2.1

-.28

-.30

Anmerkungen: M = Mittelwert, SD = Standardabweichung, Sch = Schiefe, Kurt = Kurtosis, N = 1134

 

Skalenkonzept (Kopie 1)

Theoretischer Hintergrund

Das Konstrukt der Selbstwirksamkeit (engl.: Self-Efficacy) bezieht sich auf die Einschätzung eigener Kompetenzen, Handlungen erfolgreich ausführen zu können. Vor diesem Hintergrund dient die vorliegende Kurzskala (ASKU) der Erfassung der „persönliche[n] Einschätzung der eigenen Kompetenzen, allgemein im täglichen Leben mit Schwierigkeiten und Barrieren zu Recht zu kommen und kritische Anforderungssituationen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können“ (Hinz, Schumacher, Albani, Schmid & Brähler, 2006, S. 26). Das zu erfassende Konstrukt der Self-Efficacy geht auf Bandura (1977) zurück und wird als eindimensional konzipiert. Selbstwirksamkeitserwartungen beeinflussen zahlreiche Aspekte menschlicher Tätigkeit, wie z. B. Ziele, Ausdauer, Strategienutzung und Umgang mit Misserfolg (Bandura, 1997; Pajares, 1997; Schunk, 1991). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung spiegelt dabei eine über Situationen und Handlungsfelder generalisierte Kompe-tenzerwartung wider (Bandura, 2006). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wurde bisher vorwiegend in pädagogisch-psychologischen, gesundheits- und sozialpsychologischen Studien erhoben. Die allgemeine Selbstwirksamkeit bezieht sich dabei nicht auf ein spezifisches Handlungs- oder Funktionsfeld (vgl. Bandura, 2006, S. 307). Stattdessen spiegelt die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wider, dass Menschen ihre Erfahrungen zu Erfolgen und Misserfolgen über Situationen hinweg generalisieren (Jerusalem & Schwarzer, 1999). Mehrere Studien zeigen, dass Kompetenzerwartungen in unterschiedlichen Lebensbereichen positive Auswirkungen haben (z.B. Bandura, 1997; Luszczynska, Gutiérrez-Dona & Schwarzer, 2005). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung weist Beziehungen zu verwandten Konstrukten wie Selbstwert, Kontrollüberzeugungen und Ergebniserwartungen auf (Judge, Erez, Bono & Thoresen, 2002). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung kann dabei als persönliche Bewältigungsressource aufgefasst werden (Schwarzer, 1994): Sie weist positive Zusammenhänge mit Optimismus und Arbeitszufriedenheit auf; negative Zusammenhänge zeigten sich unter anderem mit Ängstlichkeit und Arbeitsstress (Lus-zczynska et al., 2005).

Aufbau

Die ASKU ist mit drei Items als eindimensionale Skala konzipiert (siehe Abschnitt 2.4 und Appendix B). Das Format für die Beantwortung der Items ist fünfstufig. Die Antwortkategorien sind die folgenden: „trifft gar nicht zu“ (1), „trifft wenig zu“ (2), „trifft etwas zu“ (3), „trifft ziemlich zu“ (4), „trifft voll und ganz zu“ (5).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson zu erhalten, werden die Antworten auf den einzelnen Items gemittelt. Der mittlere Skalenwert variiert zwischen 1 und 5 (für Referenzwerte siehe Abschnitt 5.4 und Appendix A).

Items

Die ASKU ermöglicht die Messung des Konstrukts Allgemeine Selbstwirksamkeit mit nur drei Items. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der drei Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3, siehe Tabelle 2).

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Das Persönlichkeitsmerkmal Optimismus-Pessimismus wird seit mehr als drei Dekaden in der psychologischen Forschung untersucht. Am weitesten verbreitet ist die Konstruktdefinition­ von Scheier und Carver (1985), die Optimismus und Pessimismus als Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Ereignisse ansehen. Während Optimisten davon ausgehen, dass ihnen meist „Gutes“ widerfährt, neigen Pessimisten dazu „Schlechtes“ zu erwarten. Solche Erwartungen beziehen sich laut Scheier und Carver nicht auf einzelne Bereiche des Lebens, sondern betreffen alle Bereiche. Optimismus und Pessimismus können daher als generalisierte Versionen von Vertrauen und Zweifel angesehen werden (Carver, Scheier, & Segerstrom, 2010). Aufgrund ihrer Ausprägung in diesem Persönlichkeitsmerkmal unterscheiden sich Optimisten und Pessimisten grundlegend in ihrer Herangehensweise an das Leben. Empirische Befunde bestätigen, dass die interindividuellen Unterschiede in diesem Persönlichkeitsmerkmal profunde Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben können, zum Beispiel auf ihre Lebenszufriedenheit, ihr Selbstkonzept, ihre Gesundheit, auf die Art und Weise alltägliche Probleme und Herausforderungen zu bewältigen, ihren sozioökonomischen Erfolg und auf ihre Beziehungen zu anderen (für eine Übersicht siehe Carver et al., 2010; Nes & Segerstrom, 2006; Rasmussen et al., 2009; Scheier & Carver, 1992).

Aufbau

Die SOP2 zur Erfassung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus besteht aus zwei Items (siehe Tabelle 1). Für die Antworten der Befragungsperson steht eine siebenstufige Ratingskala zur Verfügung. Die Antwortkategorien der SOP2 gehen von „gar nicht optimistisch“ (1) bis „sehr optimistisch“ (7) bzw. von „gar nicht pessimistisch“ (1) bis „sehr pessimistisch“ (7).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson in dem Merkmal Optimismus-Pessimismus zu erhalten, werden deren Antworten auf den beiden Items aggregiert. Der Messwert SOP2 wird gebildet, indem die Antwort auf das Pessimismusitem rekodiert wird (für Details siehe Appendix D) und anschließend ein Mittelwert aus dem rekodierten Pessimismusitem und dem Optimismusitem gebildet wird. Der Wertebereich für SOP2 liegt dann zwischen 1 und 7 (für Referenzwerte siehe Appendix A).

Items

Die SOP2 ermöglicht eine Messung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus mit nur zwei Items, eines, das Optimismus und eines, das Pessimismus erfasst. Um sicher zu stellen, dass die Konstrukte Optimismus und Pessimismus von allen Befragten in gleicher Weise verstanden werden, werden die Items jeweils durch eine kurze Konstruktdefinition eingeleitet. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der beiden Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3).

Um die Nutzung der Skala für englischsprachige Untersuchungen zu ermöglichen, wurde diese ins Englische übersetzt. Die International Test Commission (2010) empfiehlt hierbei ein zweistufiges Verfahren. Zunächst haben zwei hauptberufliche, muttersprachliche Übersetzer die Items unabhängig voneinander übersetzt. Dabei wurden eine Übersetzung in britischem Englisch und die andere in amerikanischem Englisch angefertigt. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt, in dessen Verlauf die Übersetzungsvorschläge in einer Gruppe von Experten für die psychologischen Merkmale, den Übersetzern und einem weiteren Experten für Fragebogenübersetzung diskutiert und überarbeitet wurden. Die englische Version der Skala ist in Appendix C zu finden. Die Güte der Übersetzungen wurde bislang allerdings noch nicht geprüft.