Kurzskalen psychologischer Merkmale

Gütekriterien

Objektivität

Unter Objektivität wird der Grad verstanden, in dem eine Messung unabhängig vom Untersucher ist (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Diese bezieht sich auf verschiedene Phasen einer Untersuchung: Durchführung, Auswertung und Interpretation. Im Falle eines Face-to-face-Interviews z.B. hängt die Durchführungsobjektivität von dem Interviewer ab, der die Daten erhebt. Sie ist gegeben, wenn dieser sich bei der Vorgabe der Skala an die genauen Instruktionen und den Wortlaut der Items hält. Bei entsprechend geschulten Interviewern ist die Durchführungsobjektivität üblicherweise gewährleistet (Rammstedt, 2010). Auswertungsobjektivität betrifft die numerische und kategoriale Auswertung des Antwortverhaltens der Befragten nach festgelegten Regeln (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Diese ist bei der KSA-3 gegeben, da die vorliegende Skalenbeschreibung explizite Regeln zur Auswertung und zur Bildung von Messwerten (Skalenwerten) enthält. Interpretationsobjektivität ist gegeben, wenn die aus den Befragungsergebnissen gezogenen Schlüsse über verschiedene Forscher vergleichbar sind. Zur Maximierung der Interpretationsobjektivität sollte das Wissen der Forscher über die Messintention der Skala und über die Interpretation der quantitativen Messwerte vergleichbar sein (Rammstedt, 2010). Durch die Standardisierung der Auswertung und die Zuweisung eines numerischen Messwerts, der die Ausprägung der Befragungsperson in Bezug auf das Einstellungssystem Autoritarismus beschreibt (siehe Befunde zur Validität in Abschnitt Validität, siehe unten), kann auch die Interpretationsobjektivität der KSA-3 als gegeben angesehen werden.

Reliabilität

Unter der Reliabilität oder Messgenauigkeit einer Skala versteht man den Grad der Genauigkeit, mit dem ein bestimmtes Merkmal erfasst wird (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Die Reliabilität wurde separat für die drei Dimensionen der KSA-3 im Rahmen von Strukturgleichungsmodellen (SEM; Jöreskog, 1969) auf Grundlage der Ladungen und Fehlervarianzen der Messmodelle in Teilstichprobe 2 geschätzt. Als Schätzer wurde der Koeffizient ω von McDonald (1999, S. 90) verwendet (siehe auch Composite Reliability nach Raykov, 1997; Raykov & Marcoulides, 2011). Der Koeffizient gibt das Ausmaß an, in dem eine latente Variable (Konstrukt) von den Items geteilte Varianz reflektiert (Krohne & Hock, 2007). Laut Raykov und Marcoulides (2011) weist dieser Schätzer der Reliabilität gegenüber Cronbachs α bedeutsame Vorteile auf. Die Interpretation der Höhe von McDonald ω ist dabei analog zu Cronbach α. Die Schätzer der Reliabilität für die drei Dimensionen der KSA-3 wurden anhand der Ladungen der jeweils drei Items auf dem gemeinsamen Faktor ermittelt. Das Vorgehen erbrachte die folgenden Punkt- und Intervallschätzungen für die Reliabilität der drei Subdimensionen: Autoritäre Aggression, ω = .86 (CI = .81; .89); Autoritäre Unterwürfigkeit, ω = .74 (CI = .67; .79); Konventionalismus, ω = .78 (CI = .72; .83). Dies entspricht einer für Gruppenuntersuchungen ausreichenden Reliabilität. Lediglich bei der Subskala „Autoritäre Unterwürfigkeit“ umfasst das Konfidenzintervall auch Werte unterhalb der kritischen Grenze von .70.

Validität

Inhaltliche Validität

Eine Skala ist inhaltlich valide, wenn ein Item das zu messende Konstrukt wirklich bzw. hinreichend präzise abbildet (Bühner, 2011). Eine empirische Prüfung der Inhaltsvalidität ist meist nicht möglich. Um zu überprüfen, ob ein Verfahren inhaltlich valide ist, wird üblicherweise dessen Konstruktion detailliert beleuchtet (Rammstedt, 2010). Die inhaltliche Validität ist gegeben, wenn das zu messende Konstrukt a priori hinreichend definiert und die Items von einem Expertengremium im Hinblick auf ihre Gültigkeit beurteilt werden. Die inhaltliche Validität der KSA-3 wurde gewährleistet, indem die Formulierung der Items eng an den Konstruktdefinitionen der Subdimensionen orientiert war. Darüber hinaus beurteilten die  Experten für das Konstrukt Autoritarismus die Repräsentativität der ausgewählten Items als zufriedenstellend.

Faktorielle Validität

Faktorielle Validität kann als sichergestellt gelten, wenn die Annahmen über die dimensionale Struktur des zu erfassenden Konstrukts überprüfbar sind und belegt werden können. Die faktorielle Validität der KSA-3 wurde auf der Basis von Teilstichprobe 2 (n = 223) mittels konfirmatorischer Faktorenanalysen überprüft. Getestet wurde ein hierarchisches Modell, mit einem (General-)Faktor höherer Ordnung (Autoritarismus) und drei Faktoren erster Ordnung (Autoritäre Aggression, Autoritäre Unterwürfigkeit, Konventionalismus). Jeder Faktor erster Ordnung wurde mit jeweils drei Items gemessen. Es wurden keine korrelierten Fehlervarianzen zugelassen. Die Varianzen der Faktoren wurden auf 1 gesetzt. Als Schätzmethode wurde Robust Maximum Likelihood (MLR) ausgewählt. Die Ergebnisse der Konfirmatorischen Faktorenanalyse sind in Abbildung 1 dargestellt. Die Items der KSA-3 erreichten alle standardisierte Faktorladungen von .58 und höher. Gleichzeitig zeigten sich statistisch signifikante und substanzielle Ladungen der drei Faktoren erster Ordnung auf dem Generalfaktor Autoritarismus. Die globale Modellgüte kann als zufriedenstellend bewertet werden: χ² = 50.84, df = 24, p = .001; CFI = .957; TLI = .936; RMSEA = .071 (CI: .04; .099); SRMR = .045. Dies lässt auf die faktorielle Validität der Kurzskala schließen.

Tabelle 3: Validitätskoeffizienten der SOP2

Stichprobe 1

Stichprobe 2

Stichprobe 3

Optimismus-PessimismusLOT-R.68**
Soziodemogr. VariablenAlter-.03.19**-.07*
Geschlecht-.02.05.02
Einkommen.21**.18**
Bildung: Schuljahre.17**.04.16**
Bildung: Bücher.13**.19**
Einschätzung ZukunftALLBUS 2010.21**
ZufriedenheitLeben.58**.50**.46**
Arbeit.28**
Partner.26**
Gesundheit.35**
Gesundheitsstatusphysisch-.30**
psychisch-.38**
SelbstkonzeptSelbstwirksamkeit.43**
Selbstwert.55**
PersönlichkeitNeurozitismus-.42**-.43**-.38**
Extraversion.49**.33**.34**
Offenheit.32**.12**.23**
Verträglichkeit.19**.09*.25**
Gewissenhaftigkeit.26**.21**.23**

Anmerkung: LOT-R = Life Orientation Test-Revised. ALLBUS 2010 = Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften, Jahr 2010. Das verwendete Item aus dem ALLBUS wurde umkodiert. ¹ N = 539 in Welle 1, ² N = 741, ³ N = 1134. * = p < .05, ** = p < .01.

Abbildung 1: Ergebnisse der konfirmatorischen Faktorenanalyse des hierarchischen Messmodells der KSA-3 mit drei Subdimensionen von Autoritarismus (n2 = 223).

 

Konstruktvalidität

Konstruktvalidität ist gegeben, wenn sich der Messwert einer Skala als Indikator für das Merkmal eignet, das mit der Skala gemessen werden soll. Die Eignung wird daran beurteilt, wie gut sich die Skala im Hinblick auf Hypothesen, die sich aus dem Modell des zu erfassenden Merkmals ableiten lassen, empirisch bewährt. Bei der Konstruktvalidierung werden anhand theoretischer Überlegungen positive, negative und Nullbeziehungen einer zu validierenden Skala mit anderen empirischen Indikatoren postuliert (nomologisches Netzwerk) und getestet, ob sich das vorhergesagte Muster empirisch belegen lässt (Krohne & Hock, 2007. Um Hinweise auf die Konstruktvalidität der KSA-3 zu erhalten, wurden Korrelationen mit solchen Konstrukten berechnet, welche im nomologischen Netzwerk mit Autoritarismus theoretisch in Beziehung stehen. In Tabelle 4 sind die über Produkt-Moment-Korrelationsanalysen ermittelten Validitätskoeffizienten der KSA-3 aufgeführt. Die praktische Bedeutsamkeit der im Folgenden berichteten empirisch ermittelten Validitätskoeffizienten aus Teilstichprobe 2 wird nach den Richtlinien von Cohen (1992) vorgenommen: kleiner Effekt (r = .10), mittlere Effekt (r = .30), starker Effekt (r = .50).

Tabelle 4: Validitätskoeffizienten der KSA-3 (Teilstichprobe 2; n2 = 223)
Autoritarismus

KSA-3

Autoritäre AggressionAutoritäre UnterwürfigkeitKonventionalismus
Autoritarismus (KSA-3)

Autoritäre Aggression.82**-.38**.40**
Autoritäre Unterwerfung.73**.38**-.41**
Konventionalismus.77**.40**.41**-
Persönlichkeit



Neurotizismus
Extraversion
Offenheit
Verträglichkeit
Gewissenhaftigkeit
Politische Orientierung¹Links-Rechts-Selbsteinstufung.37**.40**.22**.21**
Soziale Dominanzorientierung²Dominanz.30**.30**.28**.11
(Anti-)Egalitarismus.34**.29**.26**.24**
Schwartz Werte




Konformität.58**.40**.48**.49**
Tradition.49**.31**.29**.54**
Sicherheit.65**.54**.44**.52**
Universalismus-.19**-.17*-.14*-.12
Macht.15*.18**.16*-.02
Leistung.18**.17*.15*.09
Selbstberichtete Religiosität.27**.15*.27**.24**
Einstellung zu Religion.18**.06.22**.18**
Einstellung zu Militärgesetzen.22**.17*.20**.15*
Vorurteile gegenüber Migrant/-innen.52**.54**.29**.34**
Vorurteile gegenüber Homosexuellen.48**.48**.27**.34**

Anmerkung:  *p < .05; ** p < .01. Die Validitätskoeffizienten stellen bivariate Korrelationen der Variablen auf manifester Ebene dar. ¹Diese Daten basieren auf der Erhebung in Welle U20 des GESIS Online Panel Pilot (September 2014); ²Diese Daten auf der Erhebung in Welle U21 des GESIS Online Panel Pilot (November 2014).

 

Zunächst wurden die Korrelationen der drei Subdimensionen untersucht. Hier zeigte sich erwartungsgemäß, dass alle drei Subdimensionen statistisch signifikant und in mittlerer Stärke miteinander korreliert waren (r = .38 bis r = .41; siehe Tabelle 4, sowie Abschnitt zur Faktoriellen Validität oben). Autoritarismus wird häufig herangezogen, um konservative politische Orientierungen zu beschreiben (z.B. Jost, Glaser, Kruglanski & Sulloway, 2003). In Übereinstimmung mit dieser Annahme und im Sinne der konvergenten Validität der KSA-3 zeigten sich positive Korrelationen mit der Links-Rechts-Selbsteinstufung. Dies galt sowohl für die Gesamtskala (r = .37, p <.01) als auch für die drei Subdimensionen (Autoritäre Aggression: r = .40, p <.01; Autoritäre Unterwürfigkeit: r = .22, p <.01, Konventionalismus: r = .20, p <.01). Der Vergleich der Fischer-Z transfomierten Korrelationskoeffzienten aus einer abhängigen Stichprobe (vgl. Eid, Gollwitzer & Schmitt, 2013, S. 548f.) ergab, dass die Korrelation der Subskala Autoritäre Aggression mit der Links-Rechts-Skala statistisch signifikant stärker ausfiel als die Korrelation der Subdimension Autoritäre Unterwürfigkeit(z = 2.575, p = .005) bzw. Konventionalismus (z = 2.757, p = .003) mit dem Validitätskriterium.

Systematische Beziehungen der KSA-3 ergaben sich auch auf Werteprioritäten der Befragten. Im Wertemodell von Schwartz (1992, 1994; Schwartz & Boehnke, 2004) werden häufig die Werte Konformität, Tradition und Sicherheit als Conservation-Werte zusammengefasst. Die drei Werte drücken alle das motivationale Ziel aus, Bestehendes zu bewahren und die Bedürfnisse des Einzelnen den Bedürfnissen der Eigengruppe unterzuordnen (Schwartz & Boehnke, 2004; Schwartz et al., 2012). Diese grundlegende Motivation stimmt mit konservativen politischen Überzeugungen überein. Auch im Hinblick auf die Conservation-Werte zeigten sich die erwarteten Beziehungen mit der KSA-3. Die Gesamtskala war stark mit der persönlichen Priorität von Sicherheits-, Konformitäts- und Traditionswerten assoziiert (r = .65, .68 bzw. 49, alle p <.01). In Übereinstimmung mit den theoretischen Annahmen korrelierte die Subskala „Konventionalismus“ im Vergleich zu den beiden anderen Subdimensionen am stärksten mit Traditionswerten nach Schwartz (r = .54, p <.01; z [Autoritäre Unterwürfigkeit] = 3.918, p < .001; z [Autoritäre Aggression] = 3.597, p < .001). Traditionswerte teilen mit Konventionalismus die Betonung, dass das Individuum ein Verpflichtungsgefühl gegenüber gesellschaftlichen, kulturellen bzw. religiösen Bräuchen und Gepflogenheiten verspürt.

Im Hinblick auf die diskriminante Validität der Skala zeigte sich, dass die Korrelationen der Gesamtskala und der Subskalen mit den Werten Universalismus bzw. Leistung und Macht deutlich geringere Effektstärke aufwiesen im Vergleich zu Korrelationen mit den Conservation-Werten (siehe Tabelle 4). Universalismus-Werte, welche die Orientierung am Gemeinsinn und die Förderung des Wohlbefindens anderer Menschen betonen, bilden eine andere, unabhängige Wertedimension ab als die Conservation-Werte und waren (außer mit Konventionalismus) systematisch negativ mit Autoritarismus korreliert. Einzelne, schwach positive Korrelationen zeigten sich zwischen der KSA-3 und den Werten Leistung und Macht (siehe Tabelle 4). Diese differenziellen Befunde zu den Beziehungen mit den Schwartz-Werten stimmen mit den Annahmen des Dual-Process-Modells von Duckitt (2001) überein. Danach sagen sowohl Autoritarismus als auch Soziale Dominanzorientierung negative Einstellungen zu Fremdgruppenmitgliedern vorher, allerdings liegen den beiden Einstellungssystemen unterschiedliche Motivationen zugrunde. Autoritarismus wird dabei, wie beschrieben, stärker mit Conservation-Werten in Verbindung gebracht, wohingegen die soziale Dominanzorientierung mit dem Wunsch nach sozialer Anerkennung über Machtbesitz und Leistungsdemonstration korreliert. Diese Werte schließen das Bedürfnis nach hierarchischen Beziehungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen in der Gesellschaft mit ein (Cohrs, Moschner, Maes & Kielmann, 2005).  Ähnlich wie in Schwartz Wertekreismodell sind auch die beiden Einstellungssysteme als theoretisch weitgehend unabhängig voneinander konzeptualisiert. Im Rahmen der vorliegenden Studie wurde deshalb überprüft, inwiefern die neue Kurzskala zu Autoritarismus gemeinsame Varianz mit einer SDO-Skala teilt. In der Studie ergaben sich mittelstarke positive Korrelation der Gesamtskala KSA-3 sowie deren Subskalen mit zwei Aspekten der Sozialen Dominanzorientierung (Dominanz und [Anti]-Egalitarismus, Beierlein et al., 2014, siehe auch Tabelle 4). Eine Ausnahme bildete lediglich die Korrelation von Konventionalismus und sozialer Dominanzorientierung, die nicht statistisch signifikant wurde (r = .11, p = .12).Diese Befunde überraschen insofern, da die wenigen vorherigen Studien zum Zusammenhang von Autoritarismus und den Subdimensionen der sozialen Dominanzorientierung höhere Korrelationen zwischen Autoritarismus und Dominanz fanden als zwischen Autoritarismus und Egalitarismus (Cohrs et al., 2005; Kugler, Cooper & Nosek, 2010).

Kriteriumsvalidität

Zunächst wurde der Zusammenhang zwischen den soziodemographischen Variablen Geschlecht, Bildung und Alter und der KSA-3 überprüft. Hierzu wurde eine MANOVA gerechnet, in der die drei soziodemographischen Variablen als Unabhängige Variablen und die drei Autoritarismus-Subdimensionen als Abhängige Variablen aufgenommen wurden. Unter Verwendung von Hotellings Spur Statistik zeigte sich, dass die Variablen Bildung (d.h. Anzahl der Schuljahre) und Alter einen statistisch signifikanten Effekt auf die Ausprägungen in den drei Variablen hatten (T Bildung = 0.223, F [6, 396] = 7.346, p < .001, η²partiell = .069; T Alter = 0.074, F [3, 199] = 4.894, p = .003, η²partiell = .10). Die Höhe der Bildung wirkte sich dabei auf alle Subdimensionen von Autoritarismus aus (Autoritäre Aggression: F [2, 201] = 9.463, p < .001; Autoritäre Unterwürfigkeit: F [2, 201] = 13.907, p < .001; Konventionalismus: F [2, 201] = 9.964, p < .001). Mit steigendem Bildungsniveau nimmt die Neigung zu autoritären Einstellungen ab.  Demgegenüber hatte das Alter lediglich einen statistisch signifikanten Effekt auf die Höhe zweier Subdimensionen (Autoritäre Aggression: F [1, 201] = 0.002, p = .965; Autoritäre Unterwürfigkeit: F [1, 201] = 4.275, p = .04; Konventionalismus: F [1, 201] = 9.964, p < .001). Ein höheres Alter ging demnach mit einer stärkeren Konventionalismus-Neigung und einer geringeren Neigung zu Autoritärer Unterwürfigkeit einher. Die Ergebnisse hinsichtlich Konventionalismus als Teilaspekt von Autoritarismus entsprechen den bisherigen Befunden (Cornelis, van Hiel, Roet & Kossowska, 2009; Schmidt & Heyder, 2000).Studien zum Zusammenhang der Subdimensionen mit demographischen Variablen fehlen allerdings nach Kenntnis der Autoren bisher. 

Systematische Beziehungen der KSA-3 bzw. ihrer Subdimensionen konnten auch zu sozialwissenschaftlichen Inhaltsvariablen nachgewiesen werden. Dies gilt zum Beispiel für Korrelationen der KSA-3 und ihrer Subdimensionen mit der selbstberichteten Religiosität (r = .27, p <.01) und der Einstellung zur eigenen Religion als die „wahre“ Religion (r = .18, p <.01). Hier zeigte sich, dass die KSA-3 schwach bis mittelstark mit beiden Variablen korreliert war. Dies bedeutet, dass Personen, die sich selbst als religiöser beschrieben und ihre eigene Religion eher als „die wahre“ Religion ansahen, gleichzeitig eher autoritäre Einstellungen aufwiesen. Ausschlaggebend für die Zusammenhänge der KSA-3 mit diesen beiden Variablen waren insbesondere die Höhe der Messwerte auf den beiden Subskalen Autoritäre Unterwürfigkeit und Konventionalismus. Dies entspricht weitgehend früheren Befunden (vgl. Mavor et al., 2011).

Im Hinblick auf Einstellungen zu Militäreinsätzen befürworteten Personen mit stärkeren autoritären Einstellungen gemessen mit der KSA-3 eher Militäreinsätze als Mittel der Politik als Personen mit geringerer autoritärer Einstellung (Gesamtskala: r = .22, p < 01). Im Gegensatz zu früheren Studien zeigten sich hier jedoch keine bedeutsamen Unterschiede in den Korrelationen der drei Subdimensionen mit der Einstellung zu Militäreinsätzen (vgl. Funke, 2003). Wie erwartet ging das mit der KSA-3 erfasste Autoritarismus-Einstellungssystem auch mit Vorurteilen gegenüber Minderheiten (d.h. Migrant/-innen, Homosexuellen) einher. Dieses Ergebnis scheint insbesondere auf die Höhe der Autoritären Aggression zurückführbar zu sein: Diese Subdimension korrelierte in Teilstichprobe 2 am höchsten mit den beiden Vorurteilsmaßen (r = .54 bzw. .48, p < .01). Diese Befunde entsprechen denjenigen früherer Studien (Asbrock & Kauff, 2014; Duckitt & Bizumic, 2013; Feldman, 2003).

Tabelle 3: Validitätskoeffizienten der SOP2

Stichprobe 1
(N = 539)

Stichprobe 2
(N = 741)

Stichprobe 3
(N = 1134)

Optimismus-PessimismusLOT-R.68**
Soziodemographische VariablenAlter-.03.19**-.07*
Geschlecht-.02.05.02
Einkommen.21**.18**
Bildung: Schuljahre.17**.04.16**
Bildung: Bücher.13**.19**
Einschätzung ZukunftALLBUS 2010.21**
ZufriedenheitLeben.58**.50**.46**
Arbeit.28**
Partner.26**
Gesundheit.35**
Gesundheitsstatusphysisch-.30**
psychisch-.38**
SelbstkonzeptSelbstwirksamkeit.43**
Selbstwert.55**
PersönlichkeitNeurozitismus-.42**-.43**-.38**
Extraversion.49**.33**.34**
Offenheit.32**.12**.23**
Verträglichkeit.19**.09*.25**
Gewissenhaftigkeit.26**.21**.23**

Anmerkung: LOT-R = Life Orientation Test-Revised. ALLBUS 2010 = Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften, Jahr 2010. Das verwendete Item aus dem ALLBUS wurde umkodiert. * = p < .05, ** = p < .01.

 

Die höchste Korrelation weist die SOP2 erwartungsgemäß mit einem alternativen Maß für das Konstrukt Optimismus-Pessimismus auf, mit dem LOT-R. Ebenfalls starke Zusammenhänge (vgl. Cohen, 1992) finden sich für die globale Lebenszufriedenheit, die kognitiven und affektiven Komponenten des Selbstkonzepts, Selbstwirksamkeit und Selbstwert, und die Persönlichkeitsmerkmale Neurotizismus und Extraversion des Fünf-Faktoren-Modells. Lebenszufriedenheit und Extraversion korrelieren positiv mit (positiven) generalisierten Erwartungen. Neurotizismus weist hingegen erwartungsgemäß einen negativen Zusammenhang mit der SOP2 auf. Moderate Effekte finden sich für die spezifischen Maße der Zufriedenheit, für Indikatoren der physischen und psychischen Gesundheit und die übrigen Persönlichkeitsmerkmale aus dem Fünf-Faktoren-Modell.

Für die sozialwissenschaftliche Forschung sind insbesondere die Zusammenhänge der SOP2 mit soziodemographischen Variablen und sozioökonomischen Erfolgsvariablen von Interesse. Mit Letzteren weist die SOP2 zwar geringe, aber noch immer substantielle Effekte, auf. So finden sich zum Beispiel Zusammenhänge mit den sozioökonomischen Erfolgsvariablen Einkommen und Bildung, gemessen über die Anzahl der Schuljahre und die Anzahl der Bücher im Elternhaus. Die genannten Zusammenhänge konnten in mehreren Stichproben gesichert werden. Weiterhin korreliert die SOP2 mit einem Maß aus dem ALLBUS 2010¹, in dem Befragte ihre zukünftige wirtschaftliche Lage einschätzen sollen (r = .21, p < .01). Mit den soziodemographischen Variablen Alter und Geschlecht korreliert die SOP2 nur unwesentlich. Für das Geschlecht treten konsistent über alle Stichproben Nullkorrelationen auf. Für Alter findet sich zwar in Stichprobe 2 und 3 ein signifikanter Zusammenhang, allerdings weisen die Koeffizienten unterschiedliche Vorzeichen auf. Insgesamt sind die Befunde zum Alter demnach inkonsistent.

Referenzwerte

Im Appendix A sind Referenzwerte in Form von Gruppenmittelwerten und Standardabweichungen für die SOP2 abgedruckt. Diese wurden anhand der Zufallsstichprobe (Stichprobe 3) ermittelt und erlauben dem Anwender einen Vergleich der SOP2-Werte aus seiner Untersuchung, mit denen relevanter Subgruppen aus einer bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe, zum Beispiel von Männern oder Frauen, von Personen mit unterschiedlicher Schulbildung oder unterschiedlichem Alter. Die Altersgruppen in Appendix A wurden den Lebensphasen der bundesdeutschen Gesellschaft angepasst. Die Zeit von 18 bis 35 Jahren ist die der beruflichen Ausbildung und Familiengründung. Die Zeit der beruflichen Festigung, Karriere, Betreuung von heranwachsenden Kindern und Pflege von älteren Angehörigen fällt in die Zeit zwischen 36 und 65 Jahren. Die dritte Lebensphase beginnt im Alter von 65 Jahren, wenn die berufliche Tätigkeit in den meisten Fällen abgeschlossen ist. Die Aufteilung der Bildungsstufen wurde nach der Dauer der schulischen Allgemeinbildung vorgenommen. Dabei gilt die Dauer der schulischen Bildung bis einschließlich 9 Jahren als geringes Bildungsniveau. Bei einer Schuldauer von 10 oder 11 Jahren handelt es sich um ein mittleres Bildungsniveau und bei mehr als 11 Jahren um ein hohes Bildungsniveau.

_____

¹ Was glauben Sie, wie wird Ihre eigene wirtschaftliche Lage in einem Jahr sein? Erwarten Sie, dass Ihre wirtschaftliche Lage dann: 1) wesentlich besser sein wird als heute, 2) etwas besser sein wird als heute, 3) gleichbleibt, 4) etwas schlechter sein wird, oder 5) wesentlich schlechter sein wird als heute?

Referenzwerte

Im Appendix A sind Referenzwerte in Form von Gruppenmittelwerten und Standardabweichungen für die SOP2 abgedruckt (siehe Tabelle A). Diese wurden anhand der Zufallsstichprobe (Stichprobe 3) ermittelt und erlauben dem Anwender einen Vergleich der SOP2-Werte aus seiner Untersuchung, mit denen relevanter Subgruppen aus einer bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe, zum Beispiel von Männern oder Frauen, von Personen mit unterschiedlicher Schulbildung oder unterschiedlichen Alters. Die Altersgruppen in Tabelle A wurden den Lebensphasen der bundesdeutschen Gesellschaft angepasst. Die Zeit von 18 bis 35 Jahren ist die der beruflichen Ausbildung und Familiengründung. Die Zeit der beruflichen Festigung, Karriere, Betreuung von heranwachsenden Kindern und Pflege von älteren Angehörigen fällt in die Zeit zwischen 36 und 65 Jahren. Die dritte Lebensphase beginnt im Alter von 65 Jahren, wenn die berufliche Tätigkeit in den meisten Fällen abgeschlossen ist. Die Aufteilung der Bildungsstufen wurde nach der Dauer der schulischen Allgemeinbildung vorgenommen. Dabei gilt die Dauer der schulischen Bildung bis einschließlich 9 Jahren als geringes Bildungsniveau. Bei einer Schuldauer von 10 oder 11 Jahren handelt es sich um ein mittleres Bildungsniveau und bei mehr als 11 Jahren um ein hohes Bildungsniveau.

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¹ Was glauben Sie, wie wird Ihre eigene wirtschaftliche Lage in einem Jahr sein? Erwarten Sie, dass Ihre wirtschaftliche Lage dann: 1) wesentlich besser sein wird als heute, 2) etwas besser sein wird als heute, 3) gleichbleibt, 4) etwas schlechter sein wird, oder 5) wesentlich schlechter sein wird als heute?