Kurzskalen psychologischer Merkmale

Skalenkonzept

Einleitung

Das psychologische Konstrukt „Autoritarismus“ wurde in den 1950er Jahren in der psychologischen, soziologischen und politikwissenschaftlichen Forschung eingeführt, um konservative und menschenfeindliche Einstellungen beschreiben und Vorurteile, Diskriminierung und Intergruppenkonflikte erklären zu können (Adorno, Frenkel-Brunswik, Levinson & Sanford, 1950). Das Konstrukt Autoritarismus wurde seit dem stetig weiterentwickelt (Duckitt, 1989; Duckitt, Bizumic, Krauss & Heled, 2010; Feldman & Stenner, 1997; Kessler & Cohrs, 2008; Oesterreich, 2005; Stellmacher & Petzel, 2005) und hat sich als einer der stärksten Prädiktoren für generalisierte Vorurteile herausgestellt (z. B. Asbrock, Sibley & Duckitt, 2010; Ekehammar, Akrami, Gylje & Zakrisson, 2004; Lederer & Schmidt, 1995; McFarland, 2010; Sibley & Duckitt, 2008). Die Erklärungskraft von Autoritarismus für Vorurteile, Diskriminierung, Konservatismus und andere Einstellungen ist auch und gerade in Kombination mit weiteren, gruppenbezogenen oder strukturellen Konzepten hoch. Aktuelle Forschung konzentriert sich z. B. auf den Zusammenhang von Autoritarismus und Vorurteilen unter Berücksichtigung von objektiven Indikatoren, wie der Anzahl der Migrantinnen und Migranten oder der Kriminalität in Wohngebieten (Sibley et al., 2013) oder auf den Effekt von Autoritarismus auf die Wahrnehmung von Bedrohung (z. B. Cohrs & Ibler, 2009; Kauff, Asbrock, Thörner & Wagner, 2013; Thomsen, Green & Sidanius, 2008) oder die Wirksamkeit von Intergruppenkontakt (Hodson, Costello & MacInnis, 2013). Dadurch zeigt sich auch aktuell ein Bedarf nach einem validen und reliablen kurzen Messinstrument für Autoritarismus, das in sozialwissenschaftlichen Surveys eingesetzt werden kann. Existierende, kurze Messinstrumente (z.B. die Kurzskala im ALLBUS 1996) hatten sich als weniger geeignet erwiesen.

Theoretischer Hintergrund

Eine erste systematische Auseinandersetzung mit einem individuellen Persönlichkeitsmerkmal, das die Entstehung von Faschismus, Nationalismus und Antisemitismus erklären konnte, wurde von Adorno et al. (1950) in ihrem Werk „The Authoritarian Personality“ vorgenommen. Auf der Basis quantitativer und qualitativer Studien konzeptualisierten die Autoren eine Persönlichkeitsstruktur, die besonders anfällig sei für faschistische Ideologien und Abwertungen von Fremden. Um diese Persönlichkeitsstruktur erfassen zu können, entwickelten die Autoren unter anderem die „F-Skala“ zur quantitativen Messung der autoritären Persönlichkeit anhand von neun Dimensionen.¹ Bereits kurz nach ihrem Erscheinen wurde diese Skala aufgrund ihrer psychometrischen und inhaltlichen Mängel stark kritisiert (s. Stellmacher, 2004, für einen Überblick).

Neben einigen anderen Arbeiten (z. B. Rokeach, 1954; Oesterreich, 2005) ist vor allem die von Altemeyer (1981, 1988, 1996) entwickelte Revision der autoritären Persönlichkeit als forschungsrelevante Weiterentwicklung zu nennen. In seiner als Right-Wing-Authoritarianism (RWA)² bezeichneten Überarbeitung  reduzierte Altemeyer Autoritarismus auf drei der neun von Adorno et al. (1950) etablierten Subdimensionen: autoritäre Aggression (durch Autoritäten sanktionierte generelle Aggression gegenüber anderen), autoritäre Unterwürfigkeit (Unterwürfigkeit unter etablierte Autoritäten und generelle Akzeptanz ihrer Aussagen und Handlungen) und Konventionalismus (starkes Befolgen etablierter gesellschaftlicher Konventionen).

Altemeyer (1981, 1996) zufolge genügten diese drei Dimensionen, um das Persönlichkeitsmerkmal RWA zufriedenstellend beschreiben und messen zu können. Im Gegensatz zum psychodynamischen Ansatz von Adorno et al. (1950), demzufolge die Ursache für die autoritäre Persönlichkeit in der frühen Kindheit liegt, versteht Altemeyer RWA als ein in der frühen Jugend sozialisiertes Persönlichkeitsmerkmal. Die von Altemeyer entwickelte RWA-Skala wurde nicht nur von ihm selbst in umfangreichen empirischen Studien eingesetzt (Altemeyer, 1981, 1988, 1996, 1998), sondern hat sich als Messinstrument für Autoritarismus etabliert (Duckitt et al., 2010).

Anhand der RWA-Skala konnte gezeigt werden, dass Autoritarismus ein deutlicher Prädiktor für Vorurteile ist (z. B. McFarland, 2010; Sibley & Duckitt, 2008). Darüber hinaus konnte belegt werden, dass Personen mit steigender Autoritarismusneigung Bedrohungen ihrer Gruppe oder Kultur stärker wahrnehmen und daraufhin Vorurteile zeigen (z. B. Altemeyer, 1998; Cohrs & Asbrock, 2009; Cohrs & Ibler, 2009; Duckitt & Sibley, 2010). Experimentelle Studien ergaben, dass Autoritarismus durch Bedrohung ansteigen kann (z. B. Asbrock & Fritsche, 2013; Duckitt & Fisher, 2003), was auch durch Analysen von Archivdaten in den USA bestätigt wurde, die in Zeiten größerer Bedrohung stärkere Hinweise auf Autoritarismus fanden (z. B. Statistiken über antisemitische Vorfälle, Erhöhung der Ausgaben für Polizei, Wahlerfolge konservativer Politiker) (Doty, Petersen & Winter, 1991). Diese Flexibilität stellt aber nicht Autoritarismus in Frage, sondern lediglich die Konzeptualisierung als ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal. Diese Ergebnisse entsprechen auch dem Ansatz von Feldman und Stenner (1997; Stenner, 2005), nach dem Autoritarismus zunächst nur als autoritäre Prädisposition in Form von Unterwürfigkeit gegenüber Konventionen und Führungspersonen vorliegt und sich erst durch das Auftreten einer kollektiven Bedrohung in einer autoritären Reaktion manifestiert.

Vor diesem Hintergrund wird Autoritarismus in der Sozialpsychologie heute als stabile ideologische Einstellung verstanden, die zwar auf Persönlichkeitsfaktoren basiert, aber selbst kein Persönlichkeitsmerkmal darstellt. Autoritarismus wird hierbei definiert als „ein System sozialer Einstellungen oder ein ideologischer Ausdruck grundlegender sozialer Werte oder motivationaler Ziele, das bzw. der unterschiedliche, aber miteinander verbundene Strategien für das Erreichen kollektiver Sicherheit auf Kosten individueller Autonomie repräsentiert“ (Duckitt & Bizumic, 2013, S. 842; vgl. Duckitt et al., 2010; Übersetzung durch die Verf.). Sibley und Duckitt (2008) konnten in einer Metaanalyse zeigen, dass RWA negativ mit Offenheit für Erfahrungen und positiv mit Gewissenhaftigkeit korreliert. Zur theoretischen Entwicklung von Autoritarismus trugen weiterhin besonders die gruppenbasierten Modelle von Duckitt (1989) sowie Stellmacher und Petzel (2005) bei. In beiden Ansätzen wird betont, dass Autoritarismus vor allem zur Abwehr von Bedrohungen gegen die Eigengruppe dient. Das primäre Ziel von Autoritären ist demnach der Erhalt der Gruppenkohäsion. Noch weiter geht die Konzeptualisierung von Kessler und Cohrs (2008), die eine evolutionäre Perspektive einnehmen: Unterwürfigkeit gegenüber Gruppenführern, die Orientierung an Werten und Traditionen der Gruppe und Aggression gegenüber denen, die diese Gruppe gefährden, werden als hilfreich für den Erhalt von Gruppen ansehen.

Obwohl jeder dieser Ansätze von Altemeyers (1981) Konzeptualisierung von Autoritarismus mit drei Subdimensionen ausgeht und entsprechende Messinstrumente zum Teil sogar konstruiert werden, um diese differenziert zu erfassen (Stellmacher & Petzel, 2005; Funke, 2005), wird Autoritarismus in der Regel als ein Gesamtkonstrukt behandelt. In der Forschung häufen sich die Belege dafür, dass die Konzentration auf ein übergeordnetes Konstrukt Besonderheiten der Subdimensionen übersehen kann (z.B. Duckitt et al., 2010; Duckitt & Bizumik, 2013; Feldman, 2003). Auch theoretisch lassen sich  Unterschiede feststellen und unterschiedliche Zusammenhänge mit anderen Konstrukten postulieren. So zeigt beispielsweise die Subdimension Konventionalismus kaum Zusammenhänge zu Vorurteilen (Duckitt & Bizumik, 2013; Feldman, 2003), während autoritäre Aggression sehr deutliche Zusammenhänge zeigt (z.B. Asbrock & Kauff, 2014). Dies geht einher mit Feldmans (2003) Verständnis, nach dem sich Autoritarismus vor allem in den Dimension autoritäre Unterwürfigkeit (als Prädisposition) und autoritärer Aggression (als Reaktion auf Bedrohungswahrnehmung) ausdrückt. Duckitt und Bizumic (2013) zeigen, dass unterwürfige Verhaltensintentionen und Respekt vor Autoritäten nur mit autoritärer Unterwürfigkeit korrelieren, während konformes Verhalten mit Konventionalismus einhergeht. Die Befürwortung von Militäreinsätzen hängt am stärksten mit autoritärer Aggression zusammen (Funke, 2003), religiöser Fundamentalismus am deutlichsten mit Konventionalismus (Mavor, Louis & Laythe, 2011).

Diese Forschungsergebnisse zeigen, dass die differenzierte Erfassung der drei Subdimensionen einen maßgeblichen Beitrag zur theoretischen Weiterentwicklung von Autoritarismus und zur spezifischeren Vorhersage sozialwissenschaftlich interessanter Variablen leisten kann. Es liegen zwar Studien zum Zusammenhang von Autoritarismus und objektiven Indikatoren, wie z.B. Bildung, Alter und Herkunft (Ost-/Westdeutschland) vor (Schmidt & Heyder, 2000; Lederer & Schmidt, 1995). Es fehlen jedoch noch empirische Studien, die objektive Indikatoren, wie z.B. sozioökonomische Merkmale, mit den Subdimensionen von Autoritarismus in Verbindung setzen. Aus diesem Grund sollte eine Kurzskala für Autoritarismus, welche für den Einsatz in sozialwissenschaftlichen Studien vorgesehen ist, auch eine Messung der drei Subdimensionen erlauben.

Aufbau

Die Kurzskala KSA-3 erfasst drei Subdimensionen von Autoritarismus (Autoritäre Aggression, Autoritäre Unterwürfigkeit, Konventionalismus) mit jeweils drei Items. Die deutsche Version der Kurzskala KSA-3 ist im Downloadbereich zu finden. Die Befragungspersonen geben ihre Antwort auf einer 5-stufigen Antwortskala mit den folgenden Antwortkategorien an: (1) stimme ganz und gar nicht zu, (2) stimme wenig zu, (3) stimme etwas zu, (4) stimme ziemlich zu, (5) stimme voll und ganz zu.

Auswertung

Für jede Subdimension von Autoritarismus wird ein separater Messwert (Skalenwert) gebildet. Hierzu werden die jeweils drei Items summiert und durch die Anzahl der Items geteilt. Die drei Messwerte können zudem zu einem Messwert für die Gesamtskala zusammengefasst werden. Hierzu werden die drei Messwerte addiert und durch drei dividiert. Der Wertebereich der Skalenwerte für die Gesamtskala sowie für die Subdimensionen liegt folglich zwischen 1 und 5.Zur Berechnung des Skalenwerts kann die SPSS-Syntaxvorlage verwendet werden.

Items

In Tabelle 1 sind die Items sowie die deskriptiven Statistiken für die Kurzskala KSA-3 bzw. für die drei Subdimensionen der KSA-3 dargestellt. Sie basieren auf den Daten einer heterogenen Gelegenheitsstichprobe (Teilstichproben 1 und 2;  siehe Abschnitt Gütekriterien). Die Datenerhebung erfolgte im Onlinemodus.

Tabelle 1: Deskriptive Statistiken der Items der KSA-3 in den Teilstichproben 1 (n1 = 228) und 2 (n2 = 223) in Welle U20 des GESIS Online Panel Pilots (Struminskaya et al., 2014)
Item

M

SD

Sch

Kurt

MinMax
Autoritäre Aggression



2.750.95-.10-.04915
2.811.060.200.6315
1

2.691.130.07-0.7515
2.681.190.31-0.7015
2

3.051.19-0.01-0.8415
3.091.19-0.11-0.7715
3

Gesellschaftliche Regeln sollten ohne Mitleid durchgesetzt werden. (A3)2.521.070.31-0.5015
2.671.220.33-0.8315
Autoritäre Unterwürfigkeit



2.260.770.28-0.4914.67
2.240.760.30-0.4414.33
1

Wir brauchen starke Führungspersonen damit wir in der Gesellschaft sicher leben können. (U1)2.921.06-0.08-0.6715
2.991.04-0.12-0.5415
2

2.070.940.680.1115
1.930.900.74-0.0515
3

1.790.820.75-0.2115
1.810.871.05-0.9615
Konventionalismus



2.580.760.24-0.1115
2.500.840.23-0.1015
1

3.270.98-0.19-0.1915
3.241.07-0.270.4115
2

2.440.990.30-0.3715
2.331.090.41-0.7415
3

Es ist immer das Beste, Dinge in der üblichen Art und Weise zu machen. (K3)2.020.860.52-0.1715
1.930.860.740.2415
Autoritarismus (Gesamtskala)

2.530.63-0.010.1614.56
2.520.690.20-0.4214.11

Anmerkungen: Die Kennwerte aus Teilstichprobe 2 sind jeweils in der zweiten Reihe dargestellt. Sch = Schiefe, Kurt = Kurtosis, Min = Minimum, Max = Maximum

 

Skalenkonzept (Kopie 1)

Theoretischer Hintergrund

Das Konstrukt der Selbstwirksamkeit (engl.: Self-Efficacy) bezieht sich auf die Einschätzung eigener Kompetenzen, Handlungen erfolgreich ausführen zu können. Vor diesem Hintergrund dient die vorliegende Kurzskala (ASKU) der Erfassung der „persönliche[n] Einschätzung der eigenen Kompetenzen, allgemein im täglichen Leben mit Schwierigkeiten und Barrieren zu Recht zu kommen und kritische Anforderungssituationen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können“ (Hinz, Schumacher, Albani, Schmid & Brähler, 2006, S. 26). Das zu erfassende Konstrukt der Self-Efficacy geht auf Bandura (1977) zurück und wird als eindimensional konzipiert. Selbstwirksamkeitserwartungen beeinflussen zahlreiche Aspekte menschlicher Tätigkeit, wie z. B. Ziele, Ausdauer, Strategienutzung und Umgang mit Misserfolg (Bandura, 1997; Pajares, 1997; Schunk, 1991). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung spiegelt dabei eine über Situationen und Handlungsfelder generalisierte Kompe-tenzerwartung wider (Bandura, 2006). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wurde bisher vorwiegend in pädagogisch-psychologischen, gesundheits- und sozialpsychologischen Studien erhoben. Die allgemeine Selbstwirksamkeit bezieht sich dabei nicht auf ein spezifisches Handlungs- oder Funktionsfeld (vgl. Bandura, 2006, S. 307). Stattdessen spiegelt die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wider, dass Menschen ihre Erfahrungen zu Erfolgen und Misserfolgen über Situationen hinweg generalisieren (Jerusalem & Schwarzer, 1999). Mehrere Studien zeigen, dass Kompetenzerwartungen in unterschiedlichen Lebensbereichen positive Auswirkungen haben (z.B. Bandura, 1997; Luszczynska, Gutiérrez-Dona & Schwarzer, 2005). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung weist Beziehungen zu verwandten Konstrukten wie Selbstwert, Kontrollüberzeugungen und Ergebniserwartungen auf (Judge, Erez, Bono & Thoresen, 2002). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung kann dabei als persönliche Bewältigungsressource aufgefasst werden (Schwarzer, 1994): Sie weist positive Zusammenhänge mit Optimismus und Arbeitszufriedenheit auf; negative Zusammenhänge zeigten sich unter anderem mit Ängstlichkeit und Arbeitsstress (Lus-zczynska et al., 2005).

Aufbau

Die ASKU ist mit drei Items als eindimensionale Skala konzipiert (siehe Abschnitt 2.4 und Appendix B). Das Format für die Beantwortung der Items ist fünfstufig. Die Antwortkategorien sind die folgenden: „trifft gar nicht zu“ (1), „trifft wenig zu“ (2), „trifft etwas zu“ (3), „trifft ziemlich zu“ (4), „trifft voll und ganz zu“ (5).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson zu erhalten, werden die Antworten auf den einzelnen Items gemittelt. Der mittlere Skalenwert variiert zwischen 1 und 5 (für Referenzwerte siehe Abschnitt 5.4 und Appendix A).

Items

Die ASKU ermöglicht die Messung des Konstrukts Allgemeine Selbstwirksamkeit mit nur drei Items. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der drei Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3, siehe Tabelle 2).

_________________

Das Persönlichkeitsmerkmal Optimismus-Pessimismus wird seit mehr als drei Dekaden in der psychologischen Forschung untersucht. Am weitesten verbreitet ist die Konstruktdefinition­ von Scheier und Carver (1985), die Optimismus und Pessimismus als Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Ereignisse ansehen. Während Optimisten davon ausgehen, dass ihnen meist „Gutes“ widerfährt, neigen Pessimisten dazu „Schlechtes“ zu erwarten. Solche Erwartungen beziehen sich laut Scheier und Carver nicht auf einzelne Bereiche des Lebens, sondern betreffen alle Bereiche. Optimismus und Pessimismus können daher als generalisierte Versionen von Vertrauen und Zweifel angesehen werden (Carver, Scheier, & Segerstrom, 2010). Aufgrund ihrer Ausprägung in diesem Persönlichkeitsmerkmal unterscheiden sich Optimisten und Pessimisten grundlegend in ihrer Herangehensweise an das Leben. Empirische Befunde bestätigen, dass die interindividuellen Unterschiede in diesem Persönlichkeitsmerkmal profunde Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben können, zum Beispiel auf ihre Lebenszufriedenheit, ihr Selbstkonzept, ihre Gesundheit, auf die Art und Weise alltägliche Probleme und Herausforderungen zu bewältigen, ihren sozioökonomischen Erfolg und auf ihre Beziehungen zu anderen (für eine Übersicht siehe Carver et al., 2010; Nes & Segerstrom, 2006; Rasmussen et al., 2009; Scheier & Carver, 1992).

Aufbau

Die SOP2 zur Erfassung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus besteht aus zwei Items (siehe Tabelle 1). Für die Antworten der Befragungsperson steht eine siebenstufige Ratingskala zur Verfügung. Die Antwortkategorien der SOP2 gehen von „gar nicht optimistisch“ (1) bis „sehr optimistisch“ (7) bzw. von „gar nicht pessimistisch“ (1) bis „sehr pessimistisch“ (7).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson in dem Merkmal Optimismus-Pessimismus zu erhalten, werden deren Antworten auf den beiden Items aggregiert. Der Messwert SOP2 wird gebildet, indem die Antwort auf das Pessimismusitem rekodiert wird (für Details siehe Appendix D) und anschließend ein Mittelwert aus dem rekodierten Pessimismusitem und dem Optimismusitem gebildet wird. Der Wertebereich für SOP2 liegt dann zwischen 1 und 7 (für Referenzwerte siehe Appendix A).

Items

Die SOP2 ermöglicht eine Messung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus mit nur zwei Items, eines, das Optimismus und eines, das Pessimismus erfasst. Um sicher zu stellen, dass die Konstrukte Optimismus und Pessimismus von allen Befragten in gleicher Weise verstanden werden, werden die Items jeweils durch eine kurze Konstruktdefinition eingeleitet. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der beiden Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3).

Um die Nutzung der Skala für englischsprachige Untersuchungen zu ermöglichen, wurde diese ins Englische übersetzt. Die International Test Commission (2010) empfiehlt hierbei ein zweistufiges Verfahren. Zunächst haben zwei hauptberufliche, muttersprachliche Übersetzer die Items unabhängig voneinander übersetzt. Dabei wurden eine Übersetzung in britischem Englisch und die andere in amerikanischem Englisch angefertigt. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt, in dessen Verlauf die Übersetzungsvorschläge in einer Gruppe von Experten für die psychologischen Merkmale, den Übersetzern und einem weiteren Experten für Fragebogenübersetzung diskutiert und überarbeitet wurden. Die englische Version der Skala ist in Appendix C zu finden. Die Güte der Übersetzungen wurde bislang allerdings noch nicht geprüft.

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¹Die F-Skala erfasst die folgenden neun Dimensionen der autoritären Persönlichkeit: Konventionalismus, Autoritäre Unterwürfigkeit, Autoritäre Aggression, Anti-Intrazeption, Aberglaube und Stereotypie, Machtdenken und Kraftmeierei, Destruktivität und Zynismus, Projektivität, Sexualität.

²Altemeyer betont, dass sein Konzept sich lediglich auf rechtsgerichteten Autoritarismus bezieht und entzieht sich damit der Kritik, dass das Autoritarismuskonstrukt ideologisch voreingenommen formuliert sei (s. Stellmacher, 2004, für einen Überblick). Forschung zu einem Left-Wing Authoritarianism zeigen bislang, dass dieser nur in sehr spezifischen, extremen Gruppen nachzuweisen ist und demnach keine gesellschaftliche Relevanz besitzt, wie RWA (Altemeyer, 1996; van Hiel, Duriez, & Kossokwska, 2006).