Kurzskalen psychologischer Merkmale

Tabelle 3: Validitätskoeffizienten der SOP2

Stichprobe 1

Stichprobe 2

Stichprobe 3

Optimismus-PessimismusLOT-R.68**
Soziodemogr. VariablenAlter-.03.19**-.07*
Geschlecht-.02.05.02
Einkommen.21**.18**
Bildung: Schuljahre.17**.04.16**
Bildung: Bücher.13**.19**
Einschätzung ZukunftALLBUS 2010.21**
ZufriedenheitLeben.58**.50**.46**
Arbeit.28**
Partner.26**
Gesundheit.35**
Gesundheitsstatusphysisch-.30**
psychisch-.38**
SelbstkonzeptSelbstwirksamkeit.43**
Selbstwert.55**
PersönlichkeitNeurozitismus-.42**-.43**-.38**
Extraversion.49**.33**.34**
Offenheit.32**.12**.23**
Verträglichkeit.19**.09*.25**
Gewissenhaftigkeit.26**.21**.23**

Anmerkung: LOT-R = Life Orientation Test-Revised. ALLBUS 2010 = Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften, Jahr 2010. Das verwendete Item aus dem ALLBUS wurde umkodiert. ¹ N = 539 in Welle 1, ² N = 741, ³ N = 1134. * = p < .05, ** = p < .01.

Tabelle 3: Validitätskoeffizienten der SOP2

Stichprobe 1
(N = 539)

Stichprobe 2
(N = 741)

Stichprobe 3
(N = 1134)

Optimismus-PessimismusLOT-R.68**
Soziodemographische VariablenAlter-.03.19**-.07*
Geschlecht-.02.05.02
Einkommen.21**.18**
Bildung: Schuljahre.17**.04.16**
Bildung: Bücher.13**.19**
Einschätzung ZukunftALLBUS 2010.21**
ZufriedenheitLeben.58**.50**.46**
Arbeit.28**
Partner.26**
Gesundheit.35**
Gesundheitsstatusphysisch-.30**
psychisch-.38**
SelbstkonzeptSelbstwirksamkeit.43**
Selbstwert.55**
PersönlichkeitNeurozitismus-.42**-.43**-.38**
Extraversion.49**.33**.34**
Offenheit.32**.12**.23**
Verträglichkeit.19**.09*.25**
Gewissenhaftigkeit.26**.21**.23**

Anmerkung: LOT-R = Life Orientation Test-Revised. ALLBUS 2010 = Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften, Jahr 2010. Das verwendete Item aus dem ALLBUS wurde umkodiert. * = p < .05, ** = p < .01.

 

Die höchste Korrelation weist die SOP2 erwartungsgemäß mit einem alternativen Maß für das Konstrukt Optimismus-Pessimismus auf, mit dem LOT-R. Ebenfalls starke Zusammenhänge (vgl. Cohen, 1992) finden sich für die globale Lebenszufriedenheit, die kognitiven und affektiven Komponenten des Selbstkonzepts, Selbstwirksamkeit und Selbstwert, und die Persönlichkeitsmerkmale Neurotizismus und Extraversion des Fünf-Faktoren-Modells. Lebenszufriedenheit und Extraversion korrelieren positiv mit (positiven) generalisierten Erwartungen. Neurotizismus weist hingegen erwartungsgemäß einen negativen Zusammenhang mit der SOP2 auf. Moderate Effekte finden sich für die spezifischen Maße der Zufriedenheit, für Indikatoren der physischen und psychischen Gesundheit und die übrigen Persönlichkeitsmerkmale aus dem Fünf-Faktoren-Modell.

Für die sozialwissenschaftliche Forschung sind insbesondere die Zusammenhänge der SOP2 mit soziodemographischen Variablen und sozioökonomischen Erfolgsvariablen von Interesse. Mit Letzteren weist die SOP2 zwar geringe, aber noch immer substantielle Effekte, auf. So finden sich zum Beispiel Zusammenhänge mit den sozioökonomischen Erfolgsvariablen Einkommen und Bildung, gemessen über die Anzahl der Schuljahre und die Anzahl der Bücher im Elternhaus. Die genannten Zusammenhänge konnten in mehreren Stichproben gesichert werden. Weiterhin korreliert die SOP2 mit einem Maß aus dem ALLBUS 2010¹, in dem Befragte ihre zukünftige wirtschaftliche Lage einschätzen sollen (r = .21, p < .01). Mit den soziodemographischen Variablen Alter und Geschlecht korreliert die SOP2 nur unwesentlich. Für das Geschlecht treten konsistent über alle Stichproben Nullkorrelationen auf. Für Alter findet sich zwar in Stichprobe 2 und 3 ein signifikanter Zusammenhang, allerdings weisen die Koeffizienten unterschiedliche Vorzeichen auf. Insgesamt sind die Befunde zum Alter demnach inkonsistent.

Referenzwerte

Im Appendix A sind Referenzwerte in Form von Gruppenmittelwerten und Standardabweichungen für die SOP2 abgedruckt. Diese wurden anhand der Zufallsstichprobe (Stichprobe 3) ermittelt und erlauben dem Anwender einen Vergleich der SOP2-Werte aus seiner Untersuchung, mit denen relevanter Subgruppen aus einer bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe, zum Beispiel von Männern oder Frauen, von Personen mit unterschiedlicher Schulbildung oder unterschiedlichem Alter. Die Altersgruppen in Appendix A wurden den Lebensphasen der bundesdeutschen Gesellschaft angepasst. Die Zeit von 18 bis 35 Jahren ist die der beruflichen Ausbildung und Familiengründung. Die Zeit der beruflichen Festigung, Karriere, Betreuung von heranwachsenden Kindern und Pflege von älteren Angehörigen fällt in die Zeit zwischen 36 und 65 Jahren. Die dritte Lebensphase beginnt im Alter von 65 Jahren, wenn die berufliche Tätigkeit in den meisten Fällen abgeschlossen ist. Die Aufteilung der Bildungsstufen wurde nach der Dauer der schulischen Allgemeinbildung vorgenommen. Dabei gilt die Dauer der schulischen Bildung bis einschließlich 9 Jahren als geringes Bildungsniveau. Bei einer Schuldauer von 10 oder 11 Jahren handelt es sich um ein mittleres Bildungsniveau und bei mehr als 11 Jahren um ein hohes Bildungsniveau.

_____

¹ Was glauben Sie, wie wird Ihre eigene wirtschaftliche Lage in einem Jahr sein? Erwarten Sie, dass Ihre wirtschaftliche Lage dann: 1) wesentlich besser sein wird als heute, 2) etwas besser sein wird als heute, 3) gleichbleibt, 4) etwas schlechter sein wird, oder 5) wesentlich schlechter sein wird als heute?

Gütekriterien

Objektivität

Unter Objektivität wird der Grad verstanden, in dem eine Messung unabhängig vom Untersucher ist (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Diese bezieht sich auf verschiedene Phasen einer Untersuchung: Durchführung, Auswertung und Interpretation. Im Falle eines Face-to-face-Interviews hängt die Durchführungsobjektivität von dem Interviewer ab. Sie ist gegeben, wenn dieser sich an die Instruktionen und den Wortlaut der Fragen und der Vorgaben hält. Bei entsprechend geschulten Interviewern ist die Durchführungsobjektivität üblicherweise gewährleistet (Rammstedt, 2010). Auswertungsobjektivität betrifft die numerische und kategoriale Auswertung des Antwortverhaltens der Befragten nach festgelegten Regeln (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Diese ist bei der I-8 vollständig gegeben, da der Berechnungsmodus der Werte eindeutig vorgegeben ist und keinen Interpretationsspielraum zulässt (siehe Appendix D). Interpretationsobjektivität ist gegeben, wenn die aus den Befragungsergebnissen gezogenen Schlüsse über verschiedene Forscher hinweg übereinstimmend sind. Zur Maximierung der Interpretationsobjektivität sollte das Wissen der Forscher über die Messintention der Skala und über die Interpretation der quantitativen Messwerte vergleichbar sein (Rammstedt, 2010). Durch die Standardisierung der Auswertung kann auch die Interpretationsobjektivität der I-8 als gegeben angesehen werden.

Reliabilität

Unter der Reliabilität oder Messgenauigkeit einer Skala versteht man den Grad der Genauigkeit, mit dem ein bestimmtes Merkmal erfasst wird (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Die Reliabilität der I-8 wurde auf Grundlage der Strukturgleichungsmodelle (SEM; Jöreskog, 1969) mit den Ladungen und Fehlervarianzen aus den Messmodellen in den drei Stichproben geschätzt. Als Schätzer wurde der Omega-Koeffizient (ω) von McDonald (1999, S. 90) benutzt. Der Koeffizient gibt den Umfang an, in dem eine latente Variable (Konstrukt) die gemeinsame Varianz aller Items wiedergibt (Krohne & Hock, 2007). Laut Schweizer (2011) ist Omega bezüglich Interpretation dem Koeffizient Cronbach Alpha gleichzusetzen. Die Schätzer der Reliabilität für die I-8-Skala wurden anhand der Ladungen der Skalenitems auf den vier Faktoren Dringlichkeit, Absicht, Ausdauer und Risikobereitschaft ermittelt. Tabelle 3 fasst die Reliabilität der I-8-Skalen der drei Untersuchungen zusammen.

Die Reliabilität (Omega) schwankt in allen drei Untersuchungen zwischen .65 und .92. Die Skalen unterscheiden sich allerdings im Hinblick auf die Homogenität. Die Reliabilitätskoeffizienten der Skala Ausdauer sind in allen drei Untersuchungen niedriger als die der anderen Skalen. Hingegen sind die Koeffizienten der Skala Risikobereitschaft durchgehend höher. Über die drei Untersuchungen hinweg bleiben die Omega-Koeffizienten der einzelnen Skalen auf dem vergleichbaren Niveau. Die mittlere Reliabilität der Skala Dringlichkeit beträgt .76; die der Skalen Absicht und Ausdauer ist .78 und .70. Die mittlere Reliabilität der Skala Risikobereitschaft ist .87. Die Reliabilität der einzelnen Skalen zum jeweiligen Zeitpunkt kann als befriedigend angesehen werden. Neben dem Omega-Koeffizienten wurde auch die Stabilität der Skalenwerte (r(tt)) der I-8 durch eine Korrelation zwischen den beiden Wellen der Stichprobe 1 ermittelt. Der Stabilität liegt zwischen .46 und .57. Diese ist in der letzten Spalte von Tabelle 3 zu finden. Insgesamt liegen die Reliabilitätskoeffizienten in einem Bereich, der für Gruppenuntersuchungen als gut bewertet wird (vgl. Aiken & Groth-Marnat, 2006).

Tabelle 3: Reliabilität der einzelnen Skalen von der I-8
Skala

ω¹

ω²

ω³

r(tt)

Dringlichkeit

.75

.80

.72

.53

Absicht

.70

.86.79.46
Ausdauer.69.76.65.54
Risikobereitschaft.83.92.88.57

Anmerkungen: ω¹= McDonald Omega Stichprobe 1; ω²= McDonald Omega Stichprobe 2, ω³= McDonald Omega Stichprobe 3, r(tt)= Retest-Reliabilität (Stichprobe 1)

Referenzwerte

Im Appendix A sind Referenzwerte in Form von Gruppenmittelwerten und Standardabweichungen für die SOP2 abgedruckt (siehe Tabelle A). Diese wurden anhand der Zufallsstichprobe (Stichprobe 3) ermittelt und erlauben dem Anwender einen Vergleich der SOP2-Werte aus seiner Untersuchung, mit denen relevanter Subgruppen aus einer bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe, zum Beispiel von Männern oder Frauen, von Personen mit unterschiedlicher Schulbildung oder unterschiedlichen Alters. Die Altersgruppen in Tabelle A wurden den Lebensphasen der bundesdeutschen Gesellschaft angepasst. Die Zeit von 18 bis 35 Jahren ist die der beruflichen Ausbildung und Familiengründung. Die Zeit der beruflichen Festigung, Karriere, Betreuung von heranwachsenden Kindern und Pflege von älteren Angehörigen fällt in die Zeit zwischen 36 und 65 Jahren. Die dritte Lebensphase beginnt im Alter von 65 Jahren, wenn die berufliche Tätigkeit in den meisten Fällen abgeschlossen ist. Die Aufteilung der Bildungsstufen wurde nach der Dauer der schulischen Allgemeinbildung vorgenommen. Dabei gilt die Dauer der schulischen Bildung bis einschließlich 9 Jahren als geringes Bildungsniveau. Bei einer Schuldauer von 10 oder 11 Jahren handelt es sich um ein mittleres Bildungsniveau und bei mehr als 11 Jahren um ein hohes Bildungsniveau.

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¹ Was glauben Sie, wie wird Ihre eigene wirtschaftliche Lage in einem Jahr sein? Erwarten Sie, dass Ihre wirtschaftliche Lage dann: 1) wesentlich besser sein wird als heute, 2) etwas besser sein wird als heute, 3) gleichbleibt, 4) etwas schlechter sein wird, oder 5) wesentlich schlechter sein wird als heute?

Tabelle 3: Reliabilität einzelner Skalen der I-8
Skalaω¹ω²ω³

r(tt)

Dringlichkeit

.75.80.72

.53

Absicht.70.86.79.46
Ausdauer.69.76.65.54
Risikobereitschaft.83.92.88.57

Anmerkungen: ω¹= McDonald Omega Stichprobe 1; ω²= McDonald Omega Stichprobe 2, ω³= McDonald Omega Stichprobe 3, r(tt)= Retest-Reliabilität (Stichprobe 1)

 

Validität

Inhaltliche Validität

Inhaltliche Validität ist gegeben, wenn ein Item das zu messende Konstrukt genau oder hinreichend präzise abbildet (Bühner, 2011). Sie ist gegeben, wenn das zu messende Konstrukt a priori hinreichend definiert wird und die Items von einem Expertengremium für gültig erklärt werden (Rammstedt, 2010). Die inhaltliche Validität der Skalen der I-8 wurde sichergestellt, indem fünf der acht Items aus der validierten deutschen Übersetzung der UPPS-Skala (vgl. Keye et al., 2009) übernommen wurden und die drei weiteren Items in ihrer Formulierung an die Inhalte der UPPS-Items angeglichen wurden. Die Verständlichkeit der Itemformulierungen wurde anschließend in einer Reihe von kognitiven Interviews geprüft und die Formulierungen wurden gegebenfals modifiziert.

Faktorielle Validität

Faktorielle Validität kann als gegeben gelten, wenn die Annahmen über die dimensionale Struktur des zu erfassenden Konstrukts überprüfbar sind und belegt werden können. Zur internalen Struktur des Konstrukts Impulsivität gibt es bislang keine einheitliche Meinung (vgl. Buss & Plomin, 1975; Eysenck, 1977; Herpertz & Sass, 1997; Perales et al., 2009; Whiteside & Lynam, 2001). Das strukturierte vierfaktorielle Modell des UPPS-Ansatzes (Whiteside & Lynam, 2001) wurde als Grundlage für die Modelle der konfirmatorischen Faktorenanalysen (CFA) der I-8-Skala genommen. Die CFA-Ergebnisse, die mit den Daten der Stichprobe 2 errechnet wurden, bestätigen die Struktur von vier distinkten Faktoren, die miteinander unterschiedlich hoch korrelieren (χ²/df = 5.72, RMSEA = .08 (90% CI = .06-.09), CFI = .97; TLI = 95; SRMR = .04). Auch in einer weiteren Untersuchung (Stichprobe 3) wurde das vierfaktorielle Modell erfolgreich validiert (χ²/df = 4.01, RMSEA = .05 (90% CI = .04-.07), CFI = .99; TLI = 97; SRMR = .03). Faktorladungen, quadrierte multiple Korrelationen sowie Korrelationen der latenten Dimensionen der vollstandardisierten Modelle, die mit den Daten der Stichprobe 2 und 3 berechnet wurden, sind in Abbildung 1 zu finden.

Die Korrelationen der latenten Dimensionen bestätigen die vierfaktorielle Struktur des UPPS-Modells (vgl. Whiteside & Lynam, 2001). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die I-8 vier distinkte Faktoren des impulsiven Verhaltens erfasst, die verschiedene Zusammenhänge aufweisen.

Abbildung 1: Konfirmatorische Faktorenanalyse (faktorielle Validität) der I-8-Skala. Vollständig standardisierte Ladungen aus der Untersuchung mit der Stichprobe 2 (N = 741) sind vor dem Schrägstrich und die Ladungen aus der Untersuchung mit der Stichprobe 3 (N = 1134) hinter dem Schrägstrich wiedergegeben. Der Schätzer Robust Maximum Likelihood wurde angewendet. Die großen Ovale bilden die latenten Faktoren ab (Skalen), die Quadrate repräsentieren manifeste Variablen (Items), die Fehlervarianzen sind in den kleinen Kreisen zu finden.
It = Item. Weitere Erläuterungen im Text.

Konstruktvalidität

Konstruktvalidität ist gegeben, wenn sich der Messwert einer Skala als Indikator für das Merkmal eignet, das mit der Skala gemessen werden soll. Die Eignung wird daran beurteilt, wie gut sich die Skala im Hinblick auf Hypothesen, die sich aus dem Modell des zu erfassenden Merkmals ableiten lassen, empirisch bewährt. Bei der Konstruktvalidierung werden anhand theoretischer Überlegungen positive, negative und Nullbeziehungen einer zu validierenden Skala mit anderen empirischen Indikatoren postuliert (nomologisches Netzwerk) und getestet, ob sich das vorhergesagte Muster empirisch belegen lässt (Krohne & Hock, 2007). Zur Validierung der I-8 wurde zunächst die Korrelation mit den vier Skalen der UPPS-Skala (45-Item Version, deutsche Übersetzung von Keye et al., 2009) errechnet. Anschließend wurde versucht, weitere aus der Fachliteratur bekannte typische Korrelate von Impulsivität mit der I-8-Skala zu replizieren (siehe Tabelle 4). Die Interpretation der empirisch ermittelten Validitätskoeffizienten erfolgt nach den Vorgaben von Cohen (1992): kleiner Effekt (r = .10), mittlere Effekt (r = .30), starker Effekt (r = .50).

Die Korrelationskoeffizienten der einzelnen Skalen der I-8 und der UPPS befinden sich in den ersten vier Zeilen der Tabelle 4. Die Koeffizienten der Skalen, die die gleiche Dimensionen erfassen sollen sind in der Diagonale der ersten vier Zeilen der Tabelle 4 in kursiv zu finden. Die Validität der Skalen reicht von .66 (Risikobereitschaft) bis .76 (Ausdauer). Somit kann die konvergente Validität der Skalen der I-8 als gut bewertet werden. Unter der Diagonale befinden sich die weiteren Korrelationen zwischen den vier Skalen der I-8 und der UPPS (diskriminante Validität). Erwartungsgemäß korreliert die UPPS-Skala Ausdauer mit der I-8-Skala Absicht (.48). Whiteside und Lynam (2001) dokumentieren in Ihrer ersten Untersuchung eine Korrelation von .45. Auch Untersuchungen von anderen Autoren zeigen, dass diese Skalen in der Regel korrelieren (vgl. Schmidt et al., 2008; Keye et al., 2009). Die weiteren Skalen zeigen sich als unabhängig und weisen Interkorrelationen unter .30 auf. Das vorliegende Muster der Interkorrelationen ist aus der Literatur bekannt (vgl. Kämpfe & Mitte, 2009; Perales et al., 2009; Whiteside & Lynam, 2003).

Die in der Literatur gefundenen Ergebnisse zu den Korrelationen zwischen den vier Skalen des UPPS-Models und den fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit (vgl. Herpertz, 2001; Whiteside & Lynam, 2001) wurden auch für die I-8-Skala gefunden: (I) die Skala Dringlichkeit weist einen positiven Zusammenhang mit der Dimension Neurotizismus (.20) und einen negativen Zusammenhang mit der Dimension Gewissenhaftigkeit (-.23) auf; (II) die Skala Absicht korreliert positiv mit der Dimension Gewissenhaftigkeit (.39) und negativ mit der Dimension Neurotizismus (-.23); (III) die Skala Ausdauer korreliert positiv mit Gewissenhaftigkeit (.51) und negativ mit Neurotizismus (-.19); (IV) die Skala Risikobereitschaft schließlich korreliert positiv mit der Dimension Extraversion (.30).

Auch die bekannten Korrelationen zwischen den Konstrukten Impulsivität und Kontrollüberzeugungen konnten mit der I-8 belegt werden. Hier zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen der internalen Kontrollüberzeugung und den Skalen Absicht (.22), Ausdauer (.37) und Risikobereitschaft (.23) und ein negativer Zusammenhang zwischen der externalen Kontrollüberzeugung und der Skala Dringlichkeit (-.24) (vgl. Altamirano, Fields, D’Esposito & Boettiger, 2011; Deming & Lochman, 2008).

Tabelle 4: Konstruktvalidität der I-8-Skalen für die psychologischen Variablen
Validitätsmaße

Dringlichkeit

Absicht

Ausdauer

Risikobe-
reitschaft
UPPS¹Dringlichkeit.70**---
Absicht-.19**.71**--
Ausdauer-.21**.48**.76**-
Risikobereitschaft.22**-.03.12**.66**
Big FiveNeurozitismus.20**-.23**-.19**-.08**
Extraversion.09**.01.14**-.30**
Offenheit.05.14**.15**.21**
Verträglichkeit-.10**.07*.11**-.07*
Gewissenhaftigkeit-.23**.39**.51**-.03
KontrollüberzeugungenInternal-.01.22**.37**.23**
External.24**-.17**-.22**-.06*

Anmerkung: N = 1134; ¹= 741; Koeffizienten der konvergenten Validität sind kursiv dargestellt; * < .05; ** p < .01.

 

Neben den Validitätskoeffizienten der I-8-Skalen für psychologische Variablen wurden auch Zusammenhänge mit sozialwissenschaftlichen Inhaltsvariablen (siehe Tabelle 5) ermittelt. Zunächst wurden die in der Literatur häufig publizierten Angaben über den Zusammenhang zwischen impulsivem und delinquentem Verhalten untersucht (vgl. Eysenck, 1977, 1998). Letzteres wurde mit der Skala zur Erfassung der vier Aspekte des delinquenten Verhaltens (ALLBUS, 2000) gemessen. Alle vier Aspekte des delinquenten Verhaltens weisen positive Korrelationen mit den Skalen Dringlichkeit (.09 bis .23) und Risikobereitschaft (.12 bis .25) und negative Korrelationen mit den Skalen Absicht (-.07 bis -.25) und Ausdauer (-.14 bis -.25) auf. Im Weiteren wurde der Zusammenhang zwischen den verschiedenen Aspekten der Wichtigkeit des Arbeitsplatzes (Borg & Noll, 1990) und den vier Faktoren der Impulsivität untersucht. Die Korrelationskoeffizienten zwischen Dringlichkeit und allen neun Aspekten der Wichtigkeit des Arbeitsplatzes liegen unter .10. Der Aspekt Abwechslung bei der Arbeit hängt bedeutsam mit dem Faktor Risikobereitschaft zusammen (.24). Der Zusammenhang zwischen dem Wichtigkeitsaspekt Möglichkeiten zur selbständigen Gestaltung und Einteilung der Arbeit und dem Faktor Risikobereitschaft ist .21, der Zusammenhang mit den Faktoren Absicht und Ausdauer beträgt jeweils .16.

Ferner wurde die Beziehung der I-8-Skalen zu den soziodemographischen Variablen Geschlecht, Alter und allgemeinbildender Schulabschluss untersucht. Der Faktor Dringlichkeit weist einen negativen Zusammenhang mit der Variablen Alter (-.20) auf. Positive Zusammenhänge wurden zwischen der Variablen Alter und den Faktoren Absicht (.22) und Ausdauer (.14) gefunden. Der Faktor Risikobereitschaft hängt negativ mit den Variablen Geschlecht (-.13) und Alter (-.26) und positiv mit der Variablen allgemeinbildender Schulabschluss (.23) zusammen. Ein negativer Zusammenhang zeigt sich zwischen Risikobereitschaft und subjektiven physischen und psychischen Beeinträchtigungen (-.17 und -.10). Die subjektiv empfundenen psychischen Beeinträchtigungen korrelieren auch negativ mit den Faktoren Absicht (-.18) und Ausdauer (-.19) und positiv mit Dringlichkeit (.18). Ein positiver Zusammenhang besteht zwischen der aktuellen Arbeitszufriedenheit und den Faktoren Absicht (.25) und Ausdauer (.23). Die aus zahlreichen Untersuchungen zum Thema Risikobereitschaft bei Geldanlagen bekannte Beziehung zur Persönlichkeitseigenschaft Risikobereitschaft wurde mit der I-8-Skala bestätigt (Samuelson & Zeckhauser, 1988; Tversky & Kahneman, 1991). Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Skala Risikobereitschaft und dem Risiko bei Geldanlagen (.16).

Tabelle 5: Konstruktvalidität der I-8 Skalen für die sozialwissenschaftlichen Variablen
Validitätsmaße 

Dringlichkeit

Absicht

AusdauerRisikobe-reitschaft
Selbstberichtete Delinquenz
... öffentliche Verkehrsmittel benutzt, ohne einen gültigen Fahrausweis zu besitzen.23**-.25**-.25**.25**
... mit mehr als 0,5 Promille Alkohol im Blut ein Kraftfahrzeug fahren..09**-.11**-.14**.19**
... in einem Kaufhaus oder Geschäft Waren mitgenommen, ohne zu bezahlen..17**-.19**-.17**.16**
... falsche Angaben bei der Einkommensteuererklärung oder beim Lohnsteuerjahresausgleich gemacht, um weniger Steuern zahlen zu müssen..11**-.07*-.15**.12**
Wichtigkeit verschiedener Aspekte des Arbeitsplatzes:
Verdienstmöglichkeiten-.01.08**.09**.03
Arbeitsbedingungen-.03.12**.14**.06*
Abwechslung bei der Arbeit.02.09**.13**.24**
Verhältnis zu Kollegen .02.11**.12**.07*
Aufstiegschancen .03.13**.14**.15**
Sicherheit vor Entlassung-.07.09**.09**-.11**
Arbeitszeitregelung-.01.09**.09**-.02
Ansehen der Tätigkeit in der Öffentlichkeit -.01.12**.10**.03
Möglichkeiten zur selbstständigen Gestaltung und Einteilung der Arbeit .00.16**.16**.21**
Weitere Variablen
Geschlecht¹-.01-.06.07-.13**
Alter-.20**.22**.14**-.26**
Allgemeinbildender Schulabschluss.07.02.01.23**
Gesundheit (Physisch).03-.02-.04-.17**
Gesundheit (Psychisch).18**-.18**-.19**-.10**
Arbeitszufriedenheit-.13**.25**.23**-.04
Risiko der Geldanlagen.02-.02-.05.16**

N = 1134; ¹Frauen = 2; * p < .05, ** p < .01.

 

Referenzwerte

Im Appendix A sind die Referenzwerte in Form von Gruppenmittelwerten und Standardabweichungen für die I-8 wiedergegeben. Diese wurden anhand der Zufallsstichprobe (Stichprobe 3) ermittelt und erlauben dem Anwender einen Vergleich der I-8-Werte aus seiner Untersuchung mit denen relevanter Subgruppen aus einer bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe. Es liegen sowohl die Referenzwerte für die Gesamtstichprobe als auch separat die für die soziodemographischen Variablen Geschlecht, Alter und Schulbildung vor. Die Altersgruppen in Appendix A wurden den Lebensphasen der bundesdeutschen Gesellschaft angepasst. Die Zeit von 18 bis 35 Jahren ist die der beruflichen Ausbildung und Familiengründung. Die Zeit der beruflichen Festigung, Karriere, Betreuung von heranwachsenden Kindern und Pflege von älteren Angehörigen fällt in die Zeit zwischen 36 und 65 Jahren. Die dritte Lebensphase beginnt im Alter von 65 Jahren, wenn die berufliche Tätigkeit in den meisten Fällen abgeschlossen ist. Die Aufteilung der Bildungsstufen wurde nach der Dauer der schulischen Allgemeinbildung vorgenommen. Dabei gilt die Dauer der schulischen Bildung bis einschließlich 9 Jahren als geringes Bildungsniveau. Bei einer Schuldauer von 10 oder 11 Jahren handelt es sich um ein mittleres Bildungsniveau und bei mehr als 11 Jahren um ein hohes Bildungsniveau.