Kurzskalen psychologischer Merkmale

Skalenkonzept

Theoretischer Hintergrund

Das psychologische Konstrukt Impulsivität ist eine der Basisvariablen der Forschung und Diagnostik von Verhaltenskontrolle. Verhaltenskontrolle ist wiederum sehr eng an die Regulierung der physischen Realität des Individuums geknüpft. Dies beinhaltet die Interaktion des Individuums mit seiner Umwelt wie es lebt, wie es seine Zeit verbringt, wie es arbeitet, wie seine Vorlieben und sonstige Interaktionen mit der Umwelt und mit anderen Individuen sind (Bieri & Blacker, 1956; Buss & Plomin, 1975; Eysenck, 1977).

Trotz der vielfältigen Erkenntnisse auf dem Gebiet gibt es noch immer keine klare und einheitliche Definition des Konstrukts (Herpertz & Sass, 1997). Es wird angenommen, dass das Konstrukt Impulsivität multidimensional ist, und es wird davon ausgegangen, dass es verschiedene Aspekte impulsiven Verhaltens umfasst. Dazu gehören (1) das Handeln ohne nachzudenken bzw. ohne ausreichende Informationen für eine Entscheidung; (2) die Schwierigkeit, starke Impulse zu kontrollieren; (3) die Tendenz, eine geringere sofortige Belohnung einer größeren verzögerten vorzuziehen; (4) das Streben nach neuen und aufregenden Erfahrungen und die Tendenz, risikoreichere Alternativen zu wählen bzw. die Unfähigkeit, mit Entscheidungen oder Verhaltensweisen verbundene Risiken korrekt einzuschätzen (z. B. Buss & Plomin, 1975; Eysenck, 1977; Patton, Stanford & Barratt, 1995; Perales, Verdejo-García, Moya, Lozano & Pérez-García, 2009).

Die Mehrdimensionalität und Breite des Forschungsfeldes zum Thema Impulsivität und impulsives Verhalten spiegelt sich in der Forschung zum UPPS-Fragebogen (Urgency Premeditation Perseverance and Sensation Seeking Impulsive Behavior Scale) von Whiteside und Lynam (2001) wider. Der UPPS-Ansatz basiert auf den empirischen Untersuchungen von Messinstrumenten zur Erfassung des Konstrukts Impulsivität, die in der psychologischen Forschung und Diagnostik etabliert sind (u. a. Barrat‘s Impulsiveness Scale BIS11, Patton et al., 1995; Impulsivity Scale EASI-III, Buss & Plomin, 1975; Dickman’s Functional and Dysfuncional Impulsivity Scales, Dickman, 1990; Sensation Seeking Scale SSS, Zuckerman, 1994). Eine Reihe von exploratorischen Faktorenanalysen mit den Daten von 10 solch etablierten Messinstrumenten führte zum strukturierten Modell der Impulsivität UPPS. Das UPPS-Modell umfasst vier Faktoren: Dringlichkeit, (Mangel an) Absicht, (Mangel an) Ausdauer und Risikobereitschaft (Whiteside & Lynam, 2001).

Dabei erfassen die Dimensionen Dringlichkeit und Risikobereitschaft impulsives Verhalten per se. Hohe Werte in diesen Dimensionen sollen eine hohe Ausprägung in impulsivem Verhalten bezeichnen. Die Dimensionen Absicht und Ausdauer erfassen das Konstrukt Impulsivität in entgegengesetzter Richtung, und ihre Skalenwerte stehen in negativer Beziehung zu denen der beiden oben genannten Dimensionen. Das bedeutet, dass niedrige Werte in Absicht und Ausdauer eine hohe Ausprägung in impulsivem Verhalten beschreiben. Um das UPPS-Modell homogen zu repräsentieren werden in späteren Publikationen keine unterschiedlichen Vorzeichen bei den Korrelations- bzw. Validitätskoeffizienten verwendet (vgl. Whiteside & Lynam, 2003; Whiteside, Lynam, Miller & Reynolds, 2005). Allerdings erläutern die Autoren die Umpolung der Skalenwerte in den Dimensionen Absicht und Ausdauer weniger ausführlich (vgl. Whiteside & Lynam, 2003; Whiteside et al., 2005). In weiteren Teilen der aktuellen Kurzbeschreibung werden die UPPS-Skalen nach der ersten Publikation (vgl. Whiteside & Lynam, 2001) benannt und die Vorzeichen von Korrelations- bzw. Validitätskoeffizienten beibehalten. Mehreren Studien, die das Modell validiert haben, belegen, dass die Skalen vier distinkte Faktoren erfassen und diese Faktoren verschiedene Zusammenhänge aufweisen (Keye, Wilhelm & Oberauer, 2009; Schmidt, Gay, d‘Acremont & van der Linden, 2008; Whiteside & Lynam, 2001, 2003; Whiteside et al., 2005). Ein übergeordneter Generalfaktor im Modell oberhalb der vier Dimensionen konnte empirisch nicht nachgewiesen werden (Keye et al., 2009).

Empirische Befunde zeigen eine hohe prädiktive Validität von Impulsivität in Bezug auf wichtige sozialwissenschaftliche Variablen wie Delinquenz (Eysenck, 1998; Herpertz & Sass, 1997 ), selbstverletzendes Verhalten (Glenn & Klonsky, 2010), Alkoholmissbrauch (Whiteside & Lynam, 2003), gesundheitsgefährdendes Verhalten (Kalichman, Simbayi, Jooste, Cain & Cherry, 2006) und Drogenkonsum (Nower, Derevensky & Gupta, 2004; Trocki, Drabble & Midanik, 2009). Auch zahlreiche psychische Störungen und Verhaltensstörungen stehen in Verbindung mit impulsivem Verhalten (Dilling, 2005). Es liegen eindeutige empirische Belege für einen Zusammenhang zwischen den fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit (Big Five) und impulsivem Verhalten vor (vgl. Whiteside & Lynam, 2001; Whiteside et al., 2005). Das psychologische Konstrukt Impulsivität wird immer häufiger in großen Umfragen der sozialwissenschaftlichen Forschung erhoben (z. B. SOEP, 2009). Der enge zeitliche Rahmen in diesem Erhebungskontext erschwert den Einsatz von etablierten psychologischen Skalen, besonders bei solch komplexen mehrdimensionalen Konstrukten wie dem Konstrukt Impulsivität. Um eine effiziente und valide Skala auch bei zeitlichen Restriktionen einsetzen zu können, wurde die I-8-Skala entwickelt. Die I-8-Skala erfasst mit acht Items alle vier Faktoren des UPPS-Modells.

Aufbau

Die I-8-Skala besteht aus vier Skalen Dringlichkeit, Absicht, Ausdauer und Risikobereitschaft, die jeweils zwei Items enthalten. Die insgesamt acht Items werden jeweils mittels einer fünfstufigen Antwortskala von „triff gar nicht zu“ (1) bis „trifft voll und ganz zu“ (5) beantwortet.

Auswertung

Um für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson auf der jeweiligen Skala einen Messwert (Skalenwert) zu erhalten, werden deren Antworten auf den beiden Items aggregiert. Die Messwerte der I-8-Skala werden gebildet, indem die beiden Antworten zu einem Mittelwert zusammengefasst werden. Der Wertebereich für die Mittelwerte liegt zwischen 1 und 5 (für Referenzwerte siehe Appendix A).

Items

Die I-8 ermöglicht eine Messung der vier Dimensionen des Konstrukts Impulsivität mit nur acht Items. In Tabelle 1 sind die Itemformulierungen und ihre deskriptiven Kennwerte dargestellt. Letztere basieren auf die Daten einer bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3).

Tabelle 1: Items und deskriptive Statistiken der I-8 aus Stichprobe 3
Item und Skalen

M

SD

Sch

Kurt

(1) Manchmal tue ich spontan Dinge, die ich besser nicht getan hätte.

2.74

1.23

.23

-.94

(2) Um mich besser zu fühlen, mache ich manchmal Sachen, die ich später bereue.

2.27

1.14.58-.53
Skala Dringlichkeit2.501.05.37-.61
(3) Ich denke normalerweise genau nach, bevor ich etwas unternehme.3.86.97-.71.13
(4) Ich entscheide meist nach sorgfältigem und logischem Überlegen.3.82.96-.52-.21
Skala Absicht3.84.88-.55.09
(5) Was ich begonnen habe, führe ich auch zu Ende. 4.32.78-1.04.90
(6) Ich teile meine Zeit gut ein, so dass ich Aufgaben rechtzeitig erledigen kann. 4.01.95-.90.52
Skala Ausdauer4.17.75-.89.71
(7) Ich bin bereit Risiken einzugehen.2.761.16.13-.83
(8) Ich bin gerne bereit, etwas zu wagen.2.981.11-.06-.69
Skala Risikobereitschaft2.871.07.05-.70

Anmerkungen:  N = 1134, M = Mittelwert, SD = Standardabweichung, Sch = Schiefe, Kurt = Kurtosis; Kennwerte der einzelnen Skalen sind kursiv dargestellt

 

Um die Nutzung der Skala für englischsprachige Untersuchungen zu ermöglichen, wurde diese ins Englische übersetzt. Die International Test Commission (International Test Commission, 2010) empfiehlt hierbei ein zweistufiges Verfahren, das angewandt wurde. Zunächst übersetzten zwei hauptberufliche muttersprachliche Übersetzer die Items unabhängig voneinander. Dabei wurde eine Übersetzung in britischem Englisch und die andere in amerikanischem Englisch angefertigt. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt, in dessen Verlauf die Übersetzungsvorschläge in einer Gruppe von Experten für die psychologischen Merkmale, den Übersetzern und einem weiteren Experten für Fragebogenübersetzung diskutiert und überarbeitet wurden. Die englische Version der Skala ist im Downloadbereich zu finden. Die Güte der Übersetzungen wurde bislang noch nicht getestet.

Skalenkonzept (Kopie 1)

Theoretischer Hintergrund

Das Konstrukt der Selbstwirksamkeit (engl.: Self-Efficacy) bezieht sich auf die Einschätzung eigener Kompetenzen, Handlungen erfolgreich ausführen zu können. Vor diesem Hintergrund dient die vorliegende Kurzskala (ASKU) der Erfassung der „persönliche[n] Einschätzung der eigenen Kompetenzen, allgemein im täglichen Leben mit Schwierigkeiten und Barrieren zu Recht zu kommen und kritische Anforderungssituationen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können“ (Hinz, Schumacher, Albani, Schmid & Brähler, 2006, S. 26). Das zu erfassende Konstrukt der Self-Efficacy geht auf Bandura (1977) zurück und wird als eindimensional konzipiert. Selbstwirksamkeitserwartungen beeinflussen zahlreiche Aspekte menschlicher Tätigkeit, wie z. B. Ziele, Ausdauer, Strategienutzung und Umgang mit Misserfolg (Bandura, 1997; Pajares, 1997; Schunk, 1991). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung spiegelt dabei eine über Situationen und Handlungsfelder generalisierte Kompe-tenzerwartung wider (Bandura, 2006). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wurde bisher vorwiegend in pädagogisch-psychologischen, gesundheits- und sozialpsychologischen Studien erhoben. Die allgemeine Selbstwirksamkeit bezieht sich dabei nicht auf ein spezifisches Handlungs- oder Funktionsfeld (vgl. Bandura, 2006, S. 307). Stattdessen spiegelt die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wider, dass Menschen ihre Erfahrungen zu Erfolgen und Misserfolgen über Situationen hinweg generalisieren (Jerusalem & Schwarzer, 1999). Mehrere Studien zeigen, dass Kompetenzerwartungen in unterschiedlichen Lebensbereichen positive Auswirkungen haben (z.B. Bandura, 1997; Luszczynska, Gutiérrez-Dona & Schwarzer, 2005). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung weist Beziehungen zu verwandten Konstrukten wie Selbstwert, Kontrollüberzeugungen und Ergebniserwartungen auf (Judge, Erez, Bono & Thoresen, 2002). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung kann dabei als persönliche Bewältigungsressource aufgefasst werden (Schwarzer, 1994): Sie weist positive Zusammenhänge mit Optimismus und Arbeitszufriedenheit auf; negative Zusammenhänge zeigten sich unter anderem mit Ängstlichkeit und Arbeitsstress (Lus-zczynska et al., 2005).

Aufbau

Die ASKU ist mit drei Items als eindimensionale Skala konzipiert (siehe Abschnitt 2.4 und Appendix B). Das Format für die Beantwortung der Items ist fünfstufig. Die Antwortkategorien sind die folgenden: „trifft gar nicht zu“ (1), „trifft wenig zu“ (2), „trifft etwas zu“ (3), „trifft ziemlich zu“ (4), „trifft voll und ganz zu“ (5).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson zu erhalten, werden die Antworten auf den einzelnen Items gemittelt. Der mittlere Skalenwert variiert zwischen 1 und 5 (für Referenzwerte siehe Abschnitt 5.4 und Appendix A).

Items

Die ASKU ermöglicht die Messung des Konstrukts Allgemeine Selbstwirksamkeit mit nur drei Items. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der drei Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3, siehe Tabelle 2).

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Das Persönlichkeitsmerkmal Optimismus-Pessimismus wird seit mehr als drei Dekaden in der psychologischen Forschung untersucht. Am weitesten verbreitet ist die Konstruktdefinition­ von Scheier und Carver (1985), die Optimismus und Pessimismus als Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Ereignisse ansehen. Während Optimisten davon ausgehen, dass ihnen meist „Gutes“ widerfährt, neigen Pessimisten dazu „Schlechtes“ zu erwarten. Solche Erwartungen beziehen sich laut Scheier und Carver nicht auf einzelne Bereiche des Lebens, sondern betreffen alle Bereiche. Optimismus und Pessimismus können daher als generalisierte Versionen von Vertrauen und Zweifel angesehen werden (Carver, Scheier, & Segerstrom, 2010). Aufgrund ihrer Ausprägung in diesem Persönlichkeitsmerkmal unterscheiden sich Optimisten und Pessimisten grundlegend in ihrer Herangehensweise an das Leben. Empirische Befunde bestätigen, dass die interindividuellen Unterschiede in diesem Persönlichkeitsmerkmal profunde Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben können, zum Beispiel auf ihre Lebenszufriedenheit, ihr Selbstkonzept, ihre Gesundheit, auf die Art und Weise alltägliche Probleme und Herausforderungen zu bewältigen, ihren sozioökonomischen Erfolg und auf ihre Beziehungen zu anderen (für eine Übersicht siehe Carver et al., 2010; Nes & Segerstrom, 2006; Rasmussen et al., 2009; Scheier & Carver, 1992).

Aufbau

Die SOP2 zur Erfassung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus besteht aus zwei Items (siehe Tabelle 1). Für die Antworten der Befragungsperson steht eine siebenstufige Ratingskala zur Verfügung. Die Antwortkategorien der SOP2 gehen von „gar nicht optimistisch“ (1) bis „sehr optimistisch“ (7) bzw. von „gar nicht pessimistisch“ (1) bis „sehr pessimistisch“ (7).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson in dem Merkmal Optimismus-Pessimismus zu erhalten, werden deren Antworten auf den beiden Items aggregiert. Der Messwert SOP2 wird gebildet, indem die Antwort auf das Pessimismusitem rekodiert wird (für Details siehe Appendix D) und anschließend ein Mittelwert aus dem rekodierten Pessimismusitem und dem Optimismusitem gebildet wird. Der Wertebereich für SOP2 liegt dann zwischen 1 und 7 (für Referenzwerte siehe Appendix A).

Items

Die SOP2 ermöglicht eine Messung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus mit nur zwei Items, eines, das Optimismus und eines, das Pessimismus erfasst. Um sicher zu stellen, dass die Konstrukte Optimismus und Pessimismus von allen Befragten in gleicher Weise verstanden werden, werden die Items jeweils durch eine kurze Konstruktdefinition eingeleitet. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der beiden Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3).

Um die Nutzung der Skala für englischsprachige Untersuchungen zu ermöglichen, wurde diese ins Englische übersetzt. Die International Test Commission (2010) empfiehlt hierbei ein zweistufiges Verfahren. Zunächst haben zwei hauptberufliche, muttersprachliche Übersetzer die Items unabhängig voneinander übersetzt. Dabei wurden eine Übersetzung in britischem Englisch und die andere in amerikanischem Englisch angefertigt. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt, in dessen Verlauf die Übersetzungsvorschläge in einer Gruppe von Experten für die psychologischen Merkmale, den Übersetzern und einem weiteren Experten für Fragebogenübersetzung diskutiert und überarbeitet wurden. Die englische Version der Skala ist in Appendix C zu finden. Die Güte der Übersetzungen wurde bislang allerdings noch nicht geprüft.