Kurzskalen psychologischer Merkmale

Kurzskala Interpersonales Vertrauen (KUSIV3)

Diagnostische Zielsetzung

Die Kurzskala Interpersonales Vertrauen (KUSIV3) wurde entwickelt, um eine ökonomische Messung des psychologischen Merkmals zwischenmenschliches Vertrauen in sozialwissenschaftlichen Untersuchungen zu ermöglichen.

Aufbau

Die KUSIV3 enthält drei Items (davon eines invertiert), die auf einer fünfstufigen Ratingskala von „stimme gar nicht zu“ (1) bis „stimme voll und ganz zu“ (5) beantwortet werden. Die Werte der drei Items werden zu einem Skalenwert aggregiert, der die Ausprägung von Befragten im interpersonalen Vertrauen widergibt.

Grundlagen und Konstruktion

Grundlage der Skalenentwicklung war die Definition des generalisierten interpersonalen Vertrauens von Rotter (1971). Nach dieser Definition beschreibt das Konstrukt des interpersonalen Vertrauens systematische Persönlichkeitsunterschiede in der individuellen Erwartung, sich auf Worte, Versprechen, mündliche oder schriftliche Äußerungen anderer Personen verlassen zu können (siehe auch Amelang et al., 1984). Den Ausgangspunkt der Skalenkonstruktion bildeten Vertrauensitems aus sozialwissenschaftlichen Umfragen sowie aus etablierten Messinstrumenten. Auf der Basis statistischer sowie inhaltlicher Überlegungen wurden drei Items für die KUSIV3 ausgewählt, die für die anvisierte Zielgruppe, deutschsprachige, volljährige Befragte, als angemessen beurteilt wurden. Die Konstruktion und Validierung der KUSIV3erfolgte in zwei umfangreichen alters-, geschlechts- und bildungsheterogenen Stichproben.

Gütekriterien

Reliabilität: Die Reliabilität der KUSIV3 wurde anhand des Koeffizienten ω von McDonald (1999, S. 90) ermittelt. Die Interpretation der Höhe von McDonald ω entspricht der Interpretation des bekannteren aber weniger geeigneten Cronbach α. Die Reliabilität der KUSIV3-Skala liegt in den zwei oben genannten Stichproben bei ω = .85. Dies entspricht einer für Gruppenuntersuchungen guten Reliabilität.

Validität: Anhand zweier Stichproben wurde die internale Struktur der KUSIV3 überprüft und Validitätskoeffizienten mit diversen Maßen berechnet, um zu prüfen, ob sich mit der KUSIV3 aus der Fachliteratur bekannte Beziehungen von interpersonalem Vertrauen zu anderen Konstrukten replizieren lassen. Die Analysen unterstützen die einfaktorielle Struktur der KUSIV3. Diese Struktur ist mit Befunden aus der Fachliteratur vereinbar. Weiterhin spiegeln die empirischen Validitätskoeffizienten die aus der psychologischen Literatur bekannten Beziehungen des Konstrukts angemessen wider: Die KUSIV3 ist positiv assoziiert mit psychologischen Merkmalen wie der Fünf-Faktoren-Persönlichkeitsdimension Verträglichkeit, mit Optimismus, Lebens-, Arbeits- und Partnerzufriedenheit und der allgemeinen Selbstwirksamkeit. Negative Beziehungen weist die neue Kurzskala mit Pessimismus, Neurotizismus sowie psychischer und physischer Beeinträchtigung auf. Für die sozialwissenschaftliche Forschung sind insbesondere die Zusammenhänge der KUSIV3 mit soziodemographischen Variablen und sozioökonomischen Erfolgsvariablen von Interesse. Mit sozioökonomischen Erfolgsvariablen wie Bildung und Einkommen zeigt die KUSIV3 positive Zusammenhänge; für das persönliche Nettoeinkommen konnte allerdings nur für Studie 1 ein statistisch signifikanter Zusammenhang belegt werden. Alter und Geschlecht waren in den beiden Studien zur Konstruktion und Validierung der Kurzskala entgegen den Erwartungen nicht mit dem zwischenmenschlichen Vertrauen assoziiert (vgl. Krampen et al., 1982). Mit politikwissenschaftlichen und soziologischen Variablen repliziert die Kurzskala die erwarteten Beziehungen: Die KUSIV3 ist positiv mit dem Vertrauen in politische Institutionen, der Größe des sozialen Netzwerks, der internalen und externalen Political Efficacy sowie mit dem politischen Engagement assoziiert.