Kurzskalen psychologischer Merkmale

Skalenkonzept

Theoretischer Hintergrund

Vertrauen ist eine wichtige Komponente zwischenmenschlicher Interaktionen; es beeinflusst maßgeblich das Zustandekommen und das Funktionieren dieser Interaktionen (Koller, 1992). Mehrere Disziplinen widmen sich der Erforschung des Konstrukts. Hierzu zählen in erster Linie die Psychologie, die Politikwissenschaft, die Soziologie und die Wirtschaftswissenschaften (Krampen, 1997; Schweer, 2008). In der sozial- und politikwissenschaftlichen Forschung stand lange Zeit die Messung des Vertrauens in politische Einrichtungen im Mittelpunkt (Schupp & Wagner, 2004). Neben diesem „Vertrauen in Institutionen“ gewinnt seit einigen Jahren jedoch das zwischen menschliche Vertrauen an wissenschaftlicher Bedeutung („Sozialkapital“; Putnam, 2000; Sullivan & Transue, 1999).

In der Literatur wird zwischen einem generalisierten und einem bereichsspezifischen interpersonalen Vertrauen differenziert (vgl. Krampen, 1997; Naef & Schupp, 2009; Rotter, 1967). Ersteres wird als eine „generalisierte Erwartung eines Individuums oder einer Gruppe verstanden, sich auf Worte und Versprechen, mündliche oder schriftliche Äußerungen anderer oder einer Gruppe verlassen zu können“ (Amelang, Gold & Kübel, 1984, S. 198; siehe auch Rotter, 1971). Dem bereichsspezifischen Vertrauen liegt die Auffassung zugrunde, dass Vertrauen ein multidimensionales Konstrukt ist (z.B. Vertrauen in Fremde, Vertrauen in nahe Verwandte).

Vertrauen trägt dazu bei, Unsicherheit in neuartigen und mehrdeutigen Situationen zu kompensieren. Es erfüllt damit eine wichtige gesellschaftliche Funktion (Luhmann, 1973). Krampen (1997, S. 29) beschreibt Vertrauen als eine Situations-Ergebnis-Erwartung, d.h. eine „Erwartung, dass bestimmte Ereignisse ohne eigenes Handeln auftreten“. Für Schweer (2006) ist Vertrauen dadurch gekennzeichnet, dass es ein risikoreiches Verhalten darstellt: Es wird ein Vertrauensvorschuss gewährt, der missbraucht werden kann. Ein erstes Messinstrument zur Erfassung des Persönlichkeitsmerkmals generalisiertes, interpersonales Vertrauen wurde von Rotter (1967; dt. Übersetzungen: Amelang et al., 1984; Krampen, Viebig & Walter, 1982) vorgelegt. In der Persönlichkeitstheorie der Big Five wird Vertrauen als eine Facette der Verträglichkeit konzipiert (z.B. Ostendorf & Angleitner, 2003).

Empirische Studien belegen, dass Persönlichkeitsunterschiede im interpersonalen Vertrauen systematisch mit sozialwissenschaftlichen und psychologischen Variablen variieren: Vertrauen trägt zu physischem und psychischem Wohlbefinden bei und reduziert den negativen Einfluss von sozialem Stress (z.B. Schweer, 2006; Omodei & McLennan, 2000; Takahashi et al., 2005). Vertrauen ist mit einer höheren Lebens- und Arbeitszufriedenheit, einer optimistischen Lebenseinstellung und einer geringeren Neigung zu delinquentem Verhalten assoziiert (vgl. Koller, 1992; Kopp & Schuler, 2003; Schweer, 2006). Insbesondere das generalisierte interpersonale Vertrauen geht mit einer höheren Bereitschaft zu politischem und sozialem Engagement einher (Sullivan & Transue, 1999, S. 638; siehe auch Benson & Rochon, 2004). Personen mit höherem interpersonalem Vertrauen sind häufiger Mitglieder in sozialen und politischen Organisationen (Bègue, 2002; Putnam, 2000). Interpersonales Vertrauen ist zugleich positiv assoziiert mit dem Vertrauen in politische Amtsträger und Institutionen (Schiffmann, Thelen & Sherman, 2008). Mehrere Studien belegen darüber hinaus, dass interpersonales Vertrauen auch im Bereich der Wirtschaftswissenschaften einen interessanten Prädiktor darstellt: Interpersonales Vertrauen fördert die Bereitschaft Geld zu verleihen (Fetchenhauer & Dunning, 2009). Stadelmann-Steffen und Freitag (2007) zeigten außerdem, dass interpersonales Vertrauen in niedrig entwickelten Volkswirtschaften einen günstigen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum hat. Schließlich unterscheiden sich auch soziodemografische Gruppen in der mittleren Ausprägung des interpersonalen Vertrauens: Krampen et al. (1982) zufolge steigt das Vertrauen mit dem Bildungsgrad und sinkt mit dem Alter.

Aufbau

Die KUSIV3 zur Erfassung des Persönlichkeitsmerkmals interpersonales Vertrauen umfasst 3 Items. Für die Antworten der Befragungsperson steht eine fünfstufige Ratingskala zur Verfügung, die folgende Antwortkategorien beinhaltet: „stimme gar nicht zu“ (1), „stimme wenig zu“ (2), „stimme etwas zu“ (3), „stimme ziemlich zu“ (4), „stimme voll und ganz zu“ (5).

Auswertung

Die drei Items werden zur Bildung eines Messwerts (Skalenwerts) herangezogen, der die individuelle Ausprägung einer Person in dem Persönlichkeitsmerkmal Vertrauen widerspiegelt. Hierzu werden die Antworten auf den Items zu einem Summenwert aggregiert. Um den Skalenmittelwert zu erhalten, wird der Summenwert durch die Anzahl der Items, d.h. durch 3 dividiert. Der Skalenmittelwert kann folglich zwischen 1 und 5 variieren.

Items

Die KUSIV3 ermöglicht eine Messung des Konstrukts Vertrauen mit nur drei Items. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3, siehe Tabelle 2).

Tabelle 1: Items und deskriptive Statistikender KUSIV3 aus Stichprobe 3
Item

M

SD

Sch

Kurt

(1) Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Menschen gute Absichten haben.

3.45

.96

-.45

-.13

(2) Heutzutage kann man sich auf niemanden mehr verlassen.¹

2.69

1.06.41-.33
(3) Im Allgemeinen kann man den Menschen vertrauen.3.35.87-.41-.51
     Skalenmittelwert3.37.77-.49.26

Anmerkungen: Sch = Schiefe, Kurt = Kurtosis, N = 1134. ¹ Item ist invertiert.

 

Um die Nutzung der Skala für englischsprachige Untersuchungen zu ermöglichen, wurde diese ins Englische übersetzt. Die International Test Commission (2010) empfiehlt hierbei ein zweistufiges Verfahren. Zunächst übersetzten zwei hauptberufliche, muttersprachliche Übersetzerdie Items unabhängig voneinander. Dabei wurden eine Übersetzung in britischem Englisch und die andere in amerikanischem Englischangefertigt. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt, in dessen Verlauf die Übersetzungsvorschläge in einer Gruppe von Experten für die psychologischen Merkmale, den Übersetzern und einem weiteren Experten für Fragebogenübersetzung diskutiert und überarbeitet wurden. Die englische Version der Skala ist im Downloadbereich zu finden. Die Güte der Übersetzungen wurde bislang allerdings noch nicht geprüft.

Skalenkonzept (Kopie 1)

Theoretischer Hintergrund

Das Konstrukt der Selbstwirksamkeit (engl.: Self-Efficacy) bezieht sich auf die Einschätzung eigener Kompetenzen, Handlungen erfolgreich ausführen zu können. Vor diesem Hintergrund dient die vorliegende Kurzskala (ASKU) der Erfassung der „persönliche[n] Einschätzung der eigenen Kompetenzen, allgemein im täglichen Leben mit Schwierigkeiten und Barrieren zu Recht zu kommen und kritische Anforderungssituationen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können“ (Hinz, Schumacher, Albani, Schmid & Brähler, 2006, S. 26). Das zu erfassende Konstrukt der Self-Efficacy geht auf Bandura (1977) zurück und wird als eindimensional konzipiert. Selbstwirksamkeitserwartungen beeinflussen zahlreiche Aspekte menschlicher Tätigkeit, wie z. B. Ziele, Ausdauer, Strategienutzung und Umgang mit Misserfolg (Bandura, 1997; Pajares, 1997; Schunk, 1991). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung spiegelt dabei eine über Situationen und Handlungsfelder generalisierte Kompe-tenzerwartung wider (Bandura, 2006). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wurde bisher vorwiegend in pädagogisch-psychologischen, gesundheits- und sozialpsychologischen Studien erhoben. Die allgemeine Selbstwirksamkeit bezieht sich dabei nicht auf ein spezifisches Handlungs- oder Funktionsfeld (vgl. Bandura, 2006, S. 307). Stattdessen spiegelt die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wider, dass Menschen ihre Erfahrungen zu Erfolgen und Misserfolgen über Situationen hinweg generalisieren (Jerusalem & Schwarzer, 1999). Mehrere Studien zeigen, dass Kompetenzerwartungen in unterschiedlichen Lebensbereichen positive Auswirkungen haben (z.B. Bandura, 1997; Luszczynska, Gutiérrez-Dona & Schwarzer, 2005). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung weist Beziehungen zu verwandten Konstrukten wie Selbstwert, Kontrollüberzeugungen und Ergebniserwartungen auf (Judge, Erez, Bono & Thoresen, 2002). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung kann dabei als persönliche Bewältigungsressource aufgefasst werden (Schwarzer, 1994): Sie weist positive Zusammenhänge mit Optimismus und Arbeitszufriedenheit auf; negative Zusammenhänge zeigten sich unter anderem mit Ängstlichkeit und Arbeitsstress (Lus-zczynska et al., 2005).

Aufbau

Die ASKU ist mit drei Items als eindimensionale Skala konzipiert (siehe Abschnitt 2.4 und Appendix B). Das Format für die Beantwortung der Items ist fünfstufig. Die Antwortkategorien sind die folgenden: „trifft gar nicht zu“ (1), „trifft wenig zu“ (2), „trifft etwas zu“ (3), „trifft ziemlich zu“ (4), „trifft voll und ganz zu“ (5).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson zu erhalten, werden die Antworten auf den einzelnen Items gemittelt. Der mittlere Skalenwert variiert zwischen 1 und 5 (für Referenzwerte siehe Abschnitt 5.4 und Appendix A).

Items

Die ASKU ermöglicht die Messung des Konstrukts Allgemeine Selbstwirksamkeit mit nur drei Items. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der drei Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3, siehe Tabelle 2).

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Das Persönlichkeitsmerkmal Optimismus-Pessimismus wird seit mehr als drei Dekaden in der psychologischen Forschung untersucht. Am weitesten verbreitet ist die Konstruktdefinition­ von Scheier und Carver (1985), die Optimismus und Pessimismus als Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Ereignisse ansehen. Während Optimisten davon ausgehen, dass ihnen meist „Gutes“ widerfährt, neigen Pessimisten dazu „Schlechtes“ zu erwarten. Solche Erwartungen beziehen sich laut Scheier und Carver nicht auf einzelne Bereiche des Lebens, sondern betreffen alle Bereiche. Optimismus und Pessimismus können daher als generalisierte Versionen von Vertrauen und Zweifel angesehen werden (Carver, Scheier, & Segerstrom, 2010). Aufgrund ihrer Ausprägung in diesem Persönlichkeitsmerkmal unterscheiden sich Optimisten und Pessimisten grundlegend in ihrer Herangehensweise an das Leben. Empirische Befunde bestätigen, dass die interindividuellen Unterschiede in diesem Persönlichkeitsmerkmal profunde Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben können, zum Beispiel auf ihre Lebenszufriedenheit, ihr Selbstkonzept, ihre Gesundheit, auf die Art und Weise alltägliche Probleme und Herausforderungen zu bewältigen, ihren sozioökonomischen Erfolg und auf ihre Beziehungen zu anderen (für eine Übersicht siehe Carver et al., 2010; Nes & Segerstrom, 2006; Rasmussen et al., 2009; Scheier & Carver, 1992).

Aufbau

Die SOP2 zur Erfassung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus besteht aus zwei Items (siehe Tabelle 1). Für die Antworten der Befragungsperson steht eine siebenstufige Ratingskala zur Verfügung. Die Antwortkategorien der SOP2 gehen von „gar nicht optimistisch“ (1) bis „sehr optimistisch“ (7) bzw. von „gar nicht pessimistisch“ (1) bis „sehr pessimistisch“ (7).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson in dem Merkmal Optimismus-Pessimismus zu erhalten, werden deren Antworten auf den beiden Items aggregiert. Der Messwert SOP2 wird gebildet, indem die Antwort auf das Pessimismusitem rekodiert wird (für Details siehe Appendix D) und anschließend ein Mittelwert aus dem rekodierten Pessimismusitem und dem Optimismusitem gebildet wird. Der Wertebereich für SOP2 liegt dann zwischen 1 und 7 (für Referenzwerte siehe Appendix A).

Items

Die SOP2 ermöglicht eine Messung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus mit nur zwei Items, eines, das Optimismus und eines, das Pessimismus erfasst. Um sicher zu stellen, dass die Konstrukte Optimismus und Pessimismus von allen Befragten in gleicher Weise verstanden werden, werden die Items jeweils durch eine kurze Konstruktdefinition eingeleitet. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der beiden Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3).

Um die Nutzung der Skala für englischsprachige Untersuchungen zu ermöglichen, wurde diese ins Englische übersetzt. Die International Test Commission (2010) empfiehlt hierbei ein zweistufiges Verfahren. Zunächst haben zwei hauptberufliche, muttersprachliche Übersetzer die Items unabhängig voneinander übersetzt. Dabei wurden eine Übersetzung in britischem Englisch und die andere in amerikanischem Englisch angefertigt. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt, in dessen Verlauf die Übersetzungsvorschläge in einer Gruppe von Experten für die psychologischen Merkmale, den Übersetzern und einem weiteren Experten für Fragebogenübersetzung diskutiert und überarbeitet wurden. Die englische Version der Skala ist in Appendix C zu finden. Die Güte der Übersetzungen wurde bislang allerdings noch nicht geprüft.