Kurzskalen psychologischer Merkmale

Tabelle 3: Validitätskoeffizienten der SOP2

Stichprobe 1

Stichprobe 2

Stichprobe 3

Optimismus-PessimismusLOT-R.68**
Soziodemogr. VariablenAlter-.03.19**-.07*
Geschlecht-.02.05.02
Einkommen.21**.18**
Bildung: Schuljahre.17**.04.16**
Bildung: Bücher.13**.19**
Einschätzung ZukunftALLBUS 2010.21**
ZufriedenheitLeben.58**.50**.46**
Arbeit.28**
Partner.26**
Gesundheit.35**
Gesundheitsstatusphysisch-.30**
psychisch-.38**
SelbstkonzeptSelbstwirksamkeit.43**
Selbstwert.55**
PersönlichkeitNeurozitismus-.42**-.43**-.38**
Extraversion.49**.33**.34**
Offenheit.32**.12**.23**
Verträglichkeit.19**.09*.25**
Gewissenhaftigkeit.26**.21**.23**

Anmerkung: LOT-R = Life Orientation Test-Revised. ALLBUS 2010 = Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften, Jahr 2010. Das verwendete Item aus dem ALLBUS wurde umkodiert. ¹ N = 539 in Welle 1, ² N = 741, ³ N = 1134. * = p < .05, ** = p < .01.

Tabelle 3: Validitätskoeffizienten der SOP2

Stichprobe 1
(N = 539)

Stichprobe 2
(N = 741)

Stichprobe 3
(N = 1134)

Optimismus-PessimismusLOT-R.68**
Soziodemographische VariablenAlter-.03.19**-.07*
Geschlecht-.02.05.02
Einkommen.21**.18**
Bildung: Schuljahre.17**.04.16**
Bildung: Bücher.13**.19**
Einschätzung ZukunftALLBUS 2010.21**
ZufriedenheitLeben.58**.50**.46**
Arbeit.28**
Partner.26**
Gesundheit.35**
Gesundheitsstatusphysisch-.30**
psychisch-.38**
SelbstkonzeptSelbstwirksamkeit.43**
Selbstwert.55**
PersönlichkeitNeurozitismus-.42**-.43**-.38**
Extraversion.49**.33**.34**
Offenheit.32**.12**.23**
Verträglichkeit.19**.09*.25**
Gewissenhaftigkeit.26**.21**.23**

Anmerkung: LOT-R = Life Orientation Test-Revised. ALLBUS 2010 = Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften, Jahr 2010. Das verwendete Item aus dem ALLBUS wurde umkodiert. * = p < .05, ** = p < .01.

 

Die höchste Korrelation weist die SOP2 erwartungsgemäß mit einem alternativen Maß für das Konstrukt Optimismus-Pessimismus auf, mit dem LOT-R. Ebenfalls starke Zusammenhänge (vgl. Cohen, 1992) finden sich für die globale Lebenszufriedenheit, die kognitiven und affektiven Komponenten des Selbstkonzepts, Selbstwirksamkeit und Selbstwert, und die Persönlichkeitsmerkmale Neurotizismus und Extraversion des Fünf-Faktoren-Modells. Lebenszufriedenheit und Extraversion korrelieren positiv mit (positiven) generalisierten Erwartungen. Neurotizismus weist hingegen erwartungsgemäß einen negativen Zusammenhang mit der SOP2 auf. Moderate Effekte finden sich für die spezifischen Maße der Zufriedenheit, für Indikatoren der physischen und psychischen Gesundheit und die übrigen Persönlichkeitsmerkmale aus dem Fünf-Faktoren-Modell.

Für die sozialwissenschaftliche Forschung sind insbesondere die Zusammenhänge der SOP2 mit soziodemographischen Variablen und sozioökonomischen Erfolgsvariablen von Interesse. Mit Letzteren weist die SOP2 zwar geringe, aber noch immer substantielle Effekte, auf. So finden sich zum Beispiel Zusammenhänge mit den sozioökonomischen Erfolgsvariablen Einkommen und Bildung, gemessen über die Anzahl der Schuljahre und die Anzahl der Bücher im Elternhaus. Die genannten Zusammenhänge konnten in mehreren Stichproben gesichert werden. Weiterhin korreliert die SOP2 mit einem Maß aus dem ALLBUS 2010¹, in dem Befragte ihre zukünftige wirtschaftliche Lage einschätzen sollen (r = .21, p < .01). Mit den soziodemographischen Variablen Alter und Geschlecht korreliert die SOP2 nur unwesentlich. Für das Geschlecht treten konsistent über alle Stichproben Nullkorrelationen auf. Für Alter findet sich zwar in Stichprobe 2 und 3 ein signifikanter Zusammenhang, allerdings weisen die Koeffizienten unterschiedliche Vorzeichen auf. Insgesamt sind die Befunde zum Alter demnach inkonsistent.

Referenzwerte

Im Appendix A sind Referenzwerte in Form von Gruppenmittelwerten und Standardabweichungen für die SOP2 abgedruckt. Diese wurden anhand der Zufallsstichprobe (Stichprobe 3) ermittelt und erlauben dem Anwender einen Vergleich der SOP2-Werte aus seiner Untersuchung, mit denen relevanter Subgruppen aus einer bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe, zum Beispiel von Männern oder Frauen, von Personen mit unterschiedlicher Schulbildung oder unterschiedlichem Alter. Die Altersgruppen in Appendix A wurden den Lebensphasen der bundesdeutschen Gesellschaft angepasst. Die Zeit von 18 bis 35 Jahren ist die der beruflichen Ausbildung und Familiengründung. Die Zeit der beruflichen Festigung, Karriere, Betreuung von heranwachsenden Kindern und Pflege von älteren Angehörigen fällt in die Zeit zwischen 36 und 65 Jahren. Die dritte Lebensphase beginnt im Alter von 65 Jahren, wenn die berufliche Tätigkeit in den meisten Fällen abgeschlossen ist. Die Aufteilung der Bildungsstufen wurde nach der Dauer der schulischen Allgemeinbildung vorgenommen. Dabei gilt die Dauer der schulischen Bildung bis einschließlich 9 Jahren als geringes Bildungsniveau. Bei einer Schuldauer von 10 oder 11 Jahren handelt es sich um ein mittleres Bildungsniveau und bei mehr als 11 Jahren um ein hohes Bildungsniveau.

_____

¹ Was glauben Sie, wie wird Ihre eigene wirtschaftliche Lage in einem Jahr sein? Erwarten Sie, dass Ihre wirtschaftliche Lage dann: 1) wesentlich besser sein wird als heute, 2) etwas besser sein wird als heute, 3) gleichbleibt, 4) etwas schlechter sein wird, oder 5) wesentlich schlechter sein wird als heute?

Gütekriterien

Objektivität

Unter Objektivität wird der Grad verstanden, in dem eine Messung unabhängig vom Untersucher ist (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Diese bezieht sich auf verschiedene Phasen einer Untersuchung: Durch-führung, Auswertung und Interpretation. Im Falle eines Face-to-face-Interviews hängt die Durchführungsobjektivität von dem Interviewer ab, der die Daten erhebt. Sie ist gegeben, wenn dieser sich bei der Vorgabe der Skala genau an die Instruktionen und den Wortlaut der Items hält. Bei entsprechend geschulten Interviewern ist die Durchführungsobjektivität üblicherweise gewährleistet (Rammstedt, 2010b). Auswertungsobjektivität betrifft die numerische und kategoriale Auswertung des Antwortverhaltens der Befragten nach festgelegten Regeln (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Diese ist bei der IE-4 vollständig gegeben, da die Verrechnungsvorschriften der Werte auf den Items klar festgelegt sind und keinen Interpretationsspielraum zulassen (siehe Appendix D). Interpretationsobjektivität ist gegeben, wenn die aus den Befragungsergebnissen gezogenen Schlüsse über verschiedene Forscher vergleichbar sind. Zur Maximierung der Interpretationsobjektivität sollte das Wissen der Forscher über die Messintention der Skala und über die Interpretation der quantitativen Messwerte vergleichbar sein (Rammstedt, 2010b). Durch die Standardisierung der Auswertung und die Zuweisung eines numerischen Messwerts, der die Ausprägung des Befragten auf dem Konstrukt Optimismus-Pessimismus beschreibt (siehe Befunde zur Validität unten), kann auch die Interpretationsobjektivität der IE-4 als gegeben angesehen werden.

Reliabilität

Unter Reliabilität oder Messgenauigkeit einer Skala versteht man den Grad der Genauigkeit, mit dem ein Persönlichkeits- oder Verhaltensmerkmal erfasst wird (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Zwei Arten der Reliabilität wurden für die IE-4 berechnet: die Retest-Reliabilität und die Skalenhomogenität. Die Skalenhomogenität der IE-4 wurde im Rahmen von Strukturgleichungsmodellen auf der Grundlage der Ladungen und Fehlervarianzen aus den Messmodellen geschätzt. Als Schätzer wurde der Koeffizient ω von McDonald (1999, S. 90) verwendet. Der Koeffizient gibt das Ausmaß an, in dem eine latente Variable (Konstrukt) die gemeinsame Varianz aller Items wiedergibt (Krohne & Hock, 2007). Laut Schweizer (2011) ist dieser Schätzer der Reliabilität besser geeignet als Cronbach α. Die Interpretation der Höhe von McDonald ω ist analog zu Cronbach α. Die Reliabilitätskoeffizienten der IE-4 sind in Tabelle 3 dargestellt. Die Retest-Reliabilität der beiden Subskalen der IE-4 beträgt r(tt) = .56 für IKÜ und r(tt) = .64 für EKÜ. Dies legt nahe, dass Kontrollüberzeugung ein Konstrukt mittlerer Stabilität ist (für ähnliche Befunde siehe Beretvas, Suizzo, Duham & Yarnell, 2008; Brosschot, Gebhardt & Godaert, 1994; Robert & Tiggemann, 1982; Zerega, Tseng & Greever, 1976).

Tabelle 3: Items und deskriptive Statistiken der SOP2 aus Stichprobe 3
Skala

r(tt)

ω¹

ω²

Internale Kontrollüberzeugung (IKÜ) 

.56

.71

.70

Externale Kontrollüberzeugung (EKÜ)

.64

.63.53

Anmerkungen: r(tt)= Retest-Reliabilität; ω¹ = McDonald ω Stichprobe 1; ω²= McDonald ω Stichprobe 2. 

Referenzwerte

Im Appendix A sind Referenzwerte in Form von Gruppenmittelwerten und Standardabweichungen für die SOP2 abgedruckt (siehe Tabelle A). Diese wurden anhand der Zufallsstichprobe (Stichprobe 3) ermittelt und erlauben dem Anwender einen Vergleich der SOP2-Werte aus seiner Untersuchung, mit denen relevanter Subgruppen aus einer bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe, zum Beispiel von Männern oder Frauen, von Personen mit unterschiedlicher Schulbildung oder unterschiedlichen Alters. Die Altersgruppen in Tabelle A wurden den Lebensphasen der bundesdeutschen Gesellschaft angepasst. Die Zeit von 18 bis 35 Jahren ist die der beruflichen Ausbildung und Familiengründung. Die Zeit der beruflichen Festigung, Karriere, Betreuung von heranwachsenden Kindern und Pflege von älteren Angehörigen fällt in die Zeit zwischen 36 und 65 Jahren. Die dritte Lebensphase beginnt im Alter von 65 Jahren, wenn die berufliche Tätigkeit in den meisten Fällen abgeschlossen ist. Die Aufteilung der Bildungsstufen wurde nach der Dauer der schulischen Allgemeinbildung vorgenommen. Dabei gilt die Dauer der schulischen Bildung bis einschließlich 9 Jahren als geringes Bildungsniveau. Bei einer Schuldauer von 10 oder 11 Jahren handelt es sich um ein mittleres Bildungsniveau und bei mehr als 11 Jahren um ein hohes Bildungsniveau.

_____

¹ Was glauben Sie, wie wird Ihre eigene wirtschaftliche Lage in einem Jahr sein? Erwarten Sie, dass Ihre wirtschaftliche Lage dann: 1) wesentlich besser sein wird als heute, 2) etwas besser sein wird als heute, 3) gleichbleibt, 4) etwas schlechter sein wird, oder 5) wesentlich schlechter sein wird als heute?

 

Die Homogenität der beiden Subskalen der IE-4 wurde anhand des Koeffizienten ω von McDonald geschätzt. Dieser beträgt für IKÜ ω = .71 in Stichprobe 1 und ω = .70 in Stichprobe 2. Für EKÜ ergibt sich ω = .67 in Stichprobe 1 und ω = .53 in Stichprobe 2. Insgesamt liegen die Reliabilitätskoeffizienten in einem Bereich, der für Gruppenuntersuchungen als hinreichend bewertet wird (vgl. Aiken & Groth-Marnat, 2006). Beide Subskalen unterscheiden sich allerdings deutlich im Hinblick auf die Homogenität. Die Omega-Koeffizienten sind für EKÜ niedriger als für IKÜ.

Validität

Inhaltliche Validität

Inhaltliche Validität ist gegeben, wenn ein Item das zu messende Konstrukt wirklich bzw. hinreichend präzise abbildet (Bühner, 2011). Um zu überprüfen, ob ein Verfahren inhaltlich valide ist, wird üblicherweise dessen Konstruktion detailliert beleuchtet (Rammstedt, 2010b). Inhaltliche Validität ist gegeben, wenn das zu messende Konstrukt a priori hinreichend definiert ist und die Items von einem Expertengremium im Hinblick auf ihre Gültigkeit beurteilt wurden. Die inhaltliche Validität der Items wurde mit Hilfe der kognitiven Interviews gesichert (für Details siehe Kovaleva, 2012). Dabei wurden Flüssigkeit und Verständlichkeit der Itemformulierungen sowie die Augenscheinvalidität geprüft. Die Itemformulierungen der Subskalen wurden aufgrund der Ergebnisse von kognitiven Interviews optimiert.

Faktorielle Validität

Die faktorielle Validität der IE-4 wurde auf Basis von Stichprobe 1 geprüft. Dazu wurde die IE-4 gemeinsam mit einem alternativen Maß für das Konstrukt Kontrollüberzeugung, dem KMKB (Jakoby & Jacob, 1999), modelliert. Die konfirmatorische Faktorenanalyse belegt die zweifaktorielle Struktur der Skala in Welle 1 (χ²/df = 2.02; RMSEA = .04 (90% CI = .03-.06); CFI = .98; TLI = 95; SRMR = .03) und in Welle 2 (χ²/df = 2.55; RMSEA = .07 (90% CI = .05-.08); CFI = .96; TLI = 93; SRMR = .04). Das Modell mit vier latenten und zehn manifesten Variablen wird zu beiden Zeitpunkten bestätigt (vgl. Brown, 2006; Schweizer, 2010). Abbildung 1 zeigt die standardisierten Ladungen in den beiden Wellen.

Abbildung 1: Gemeinsame Konfirmatorische Faktorenanalyse der Subskalen von IE-4 und KMKB (faktorielle Validität). Die standardisierten Ladungen der Welle 1 sind vor dem Schrägstrich und die Ladungen der Welle 2 hinter dem Schrägstrich wiedergegeben. Der Robust-Maximum-Likelihood-Schätzer wurde angewendet. Die großen Ovale bilden die latenten Faktoren ab (Subskalen), die Quadrate repräsentieren manifeste Variablen (Items), die Fehlervarianzen sind in den kleinen Kreisen zu finden. IKÜ = internale Kontrollüberzeugung, EKÜ = externale Kontrollüberzeugung, It = Item, jj = Item des KMKB.

 

Die Korrelationen der latenten Dimensionen, die die gleichen Konstrukte erfassen, sind sehr hoch (vgl. Brown, 2006) mit r = .92 bzw. .97 für die Skalen IKÜ und r = .97 bzw. .99 für die EKÜ. Die Ergebnisse deuten demnach darauf hin, dass die IE-4 mit ihren vier Items die Konstrukte internale und externale Kontrollüberzeugung zum einen theoriekonform als zwei distinkte aber korrelierte Faktoren erfasst; zum anderen ist die Erfassung inhaltlich mit anderen gängigen Skalen zu internaler/externaler Kontrollüberzeugung vergleichbar (hier das KMKB).

Konstruktvalidität

Konstruktvalidität ist gegeben, wenn sich der Messwert einer Skala als Indikator für das Merkmal eignet, das mit der Skala gemessen werden soll. Die Eignung wird daran beurteilt, wie gut sich die Skala im Hinblick auf Hypothesen, die sich aus dem Modell des zu erfassenden Merkmals ableiten lassen, empirisch bewährt. Bei der Konstruktvalidierung werden anhand theoretischer Überlegungen positive, negative und Nullbeziehungen einer zu validierenden Skala mit anderen empirischen Indikatoren postuliert (nomologisches Netzwerk) und es wird getestet, ob sich das vorhergesagte Muster empirisch zeigt (Krohne & Hock, 2007). Im Rahmen der Validierung wurden Validitätskoeffizienten der IE-4 für psychologische Merkmalsvariablen und sozialwissenschaftliche Inhaltsvariablen berechnet. Ziel war, aus der Fachliteratur bekannte Korrelate von Kontrollüberzeugung mit der IE-4 zu replizieren und neue Korrelate aufzuzeigen. Die Ergebnisse sind in den Tabellen 4 und 5 zusammengefasst. Die Interpretation der empirisch ermittelten Validitätskoeffizienten erfolgt nach den Vorgaben von Cohen: kleiner Effekt (r = .10), mittlerer Effekt (r = .30), starker Effekt (r = .50).

Im Folgenden werden zunächst die Validitätskoeffizienten der IE-4 für die psychologischen Kriterien berichtet (siehe Tabelle 4). Erwartungsgemäß ergibt sich ein hoher positiver Zusammenhang zwischen der IKÜ und der allgemeinen Selbstwirksamkeit von r = .61. Ein positiver moderater Zusammenhang wird auch zwischen IKÜ und Optimismus festgestellt (.36). Ebenfalls erwartungskonform zeigt sich der Zusammenhang zwischen IKÜ und Lebenszufriedenheit (r = .53). In Bezug auf impulsives Verhalten zeigte sich der Zusammenhang von IKÜ mit dem Konstrukt Beharrlichkeit, das die Umsetzung eigener Ideen und Pläne erfasst (r = .37). Abweichend von Rossier, Rogozzi & Berthound (2002) fanden wir Zusammenhänge mit der IKÜ nicht nur für Extraversion (r = .36), Neurotizismus (r = -.29) und Gewissenhaftigkeit (r = .28), sondern auch für Offenheit (r = .29). Für EKÜ haben die oben genannten statistischen Beziehungen erwartungsgemäß meist ein umgekehrtes Vorzeichen und fallen niedriger aus.

Tabelle 4: Validitätskoeffizienten der IE-4 für psychologische Kriterien
Konstrukt

IKÜ

EKÜ

Allgemeine Selbstwirksamkeit.61***-.32**
Optimismus.36**-.32**
Lebenszufriedenheit¹.53***-.48***
Impulsives Verhalten
Dringlichkeit-.01.24**
Vorbedacht.22**-.17**
Beharrlichkeit.37**-.22**
Risikobereitschaft.22**-.06*
Big Five-Persönlichkeitsfaktoren
Verträglichkeit.09**-.15**
Gewissenhaftigkeit.28**-.21**
Offenheit.29**-.12**
Neurotizismus-.29**.29**
Extraversion.36**-.20**

Anmerkung: N = 1134; IKÜ = internale Kontrollüberzeugung; EKÜ = externale Kontrollüberzeugung; ¹N = 539, Lebenszufriedenheit wurde mit der SWLS-Skala (Diener, et al., 1985) erfasst; * = p < .05; ** = p < .01; *** = p < .001.

 

Neben den Validitätskoeffizienten der IE-4 für psychologische Variablen wurden auch Zusammenhänge mit sozialwissenschaftlichen Inhaltsvariablen ermittelt (siehe Tabelle 5). Frühere Studien fanden bedeutsame Zusammenhänge zwischen IKÜ beziehungsweise EKÜ und der Wichtigkeit verschiedener Aspekte des Arbeitsplatzes (Borg & Noll, 1990), der Lebenszufriedenheit (Diener, 1984; Rammstedt, 2007), dem allgemeinem schulischen Bildungsniveau (Jakoby & Jacob, 1999; Rossier, Rigozzi & Berthoud, 2002; Kovaleva, Beierlein, Kemper & Rammstedt, 2010) und dem monatlichen Einkommen (Caliendo, Cobb-Clark & Uhlendorff, 2010). Um die Konstruktvalidität der IE-4-Skala zu überprüfen, wurden die Korrelationen mit diesen Kriterien in Stichprobe 2 berechnet (Tabelle 5). Erwartungsgemäß fanden sich substanzielle Zusammenhänge zwischen IKÜ und wichtigen Aspekten der beruflichen Tätigkeit wie Aufstiegschancen sowie Möglichkeiten zur selbstständigen Gestaltung und Einteilung der Arbeit (r = .28 bzw. .26), Abwechslung bei der Arbeit (r = .23) und dem Verhältnis zu den Kollegen (r = .20).

Tabelle 5: Validitätskoeffizienten der IE-4 für sozialwissenschaftliche Kriterien
Kriterien

IKÜ

EKÜ

Wichtigkeit verschiedener Aspekte des Arbeitsplatzes
Verdienstmöglichkeiten -.06-.04
Arbeitsbedingungen.16**-.13**
Abwechslung bei der Arbeit.23**-.14**
Verhältnis zu Kollegen.20**-.07*
Aufstiegschancen.28**-.13**
Sicherheit vor Entlassung .02.00
Arbeitszeitregelung.13**-.04
Ansehen der Tätigkeit in der Öffentlichkeit .17**-.10**
Möglichkeiten zur selbstständigen Gestaltung und Einteilung der Arbeit.26**-.17**
Weitere Variablen
Allgemeine Schulbildung.17**-.18**
Durchschnittliches monatliches Einkommen.19**-.21**

Anmerkung: N = 1134; IKÜ= internale Kontrollüberzeugung; EKÜ = externale Kontrollüberzeugung; * = p < .05; ** = p < .01; *** = p < .001.

 

Die Korrelation zwischen allgemeiner Schulbildung und IKÜ beträgt r = .17. Der Zusammenhang mit EKÜ ist negativ (r = -.18). Dieses Zusammenhangsmuster konnte auch mittels einer Varianzanalyse bestätigt werden, wobei sich ein signifikanter Effekt der verschiedenen Bildungsabschlüsse auf IKÜ (F(2;1097) = 19.53; p < .001; η² = .034) und auf EKÜ (F(2;1097) = 16.61; p < .001; η² = .029) zeigte. Post-Hoc-Tests zeigen, dass Personen mit hohen Bildungsabschlüssen in IKÜ die höchsten Werte erzielen (M = 4.32, SD = .66) und die niedrigsten in EKÜ (M = 2.31, SD = .88). Personen mit mittlerer Bildung sind in beiden Subskalen im mittleren Bereich (M = 4.15, SD = .77 für IKÜ und M = 2.56, SD = .88 für EKÜ), während Personen mit geringer Bildung die niedrigsten Mittelwerte in IKÜ (M = 3.94, SD = .90) und die höchsten in EKÜ aufweisen (M = 2.73, SD = .96). Neben den erwartungskonformen Korrelationen mit Bildung korrelieren die IE-4-Subskalen auch erwartungsgemäß mit dem durchschnittlichen monatlichen Netto-Einkommen, nämlich IKÜ .19 und EKÜ -.21.

Referenzwerte

Die Referenzwerte (Appendix A) basieren auf der Zufallsstichprobe (Stichprobe 2) und erlauben dem Anwender einen Vergleich der IE-4-Werte aus seiner Untersuchung mit denen relevanter Subgruppen aus einer bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe, zum Beispiel mit Männern oder Frauen, mit Personen unterschiedlicher Schulbildung oder unterschiedlichen Alters. Die Altersgruppen in Appendix A wurden den Lebensphasen der bundesdeutschen Gesellschaft angepasst. Die Zeit von 18 bis 35 Jahren ist die der beruflichen Ausbildung und Familiengründung. Die Zeit der beruflichen Festigung, Karriere, Betreuung von heranwachsenden Kindern und Pflege von älteren Angehörigen fällt in die Zeit zwischen 36 und 65 Jahren. Die dritte Lebensphase beginnt im Alter von 65 Jahren, wenn die berufliche Tätigkeit in den meisten Fällen abgeschlossen ist. Die Aufteilung der Bildungsstufen wurde nach der Dauer der schulischen Allgemeinbildung vorgenommen. Dabei gilt die Dauer der schulischen Bildung bis einschließlich 9 Jahren als geringes Bildungsniveau. Bei einer Schuldauer von 10 oder 11 Jahren handelt es sich um ein mittleres Bildungsniveau und bei mehr als 11 Jahren um ein hohes Bildungsniveau.