Kurzskalen psychologischer Merkmale

Skalenkonzept

Theoretischer Hintergrund

Das Persönlichkeitskonstrukt Kontrollüberzeugung (engl. locus of control of reinforcement) ist ursprünglich in den Rahmen der sozialen Lerntheorie eingebunden (Rotter, 1954, 1966). Kontrollüberzeugung ist definiert als generalisierte Erwartung der internen / externen Verstärkung, wobei internale Kontrollüberzeugung das Ausmaß beschreibt, in dem ein Individuum überzeugt ist, Ereignisse kontrollieren zu können und diese als Konsequenz seines eigenen Verhaltens erlebt. Externale Kontrollüberzeugung ist definiert als das Ausmaß, in dem das Individuum das Geschehen als Schicksal, Zufallsumstände oder unter der Kontrolle von „mächtigen Anderen“ betrachtet, auf die es keinen Einfluss hat (Levenson, 1972; Rotter, 1966).

Es wird angenommen, dass Kontrollüberzeugung durch die personalisierte Wahrnehmung und Lernerfahrung in spezifischen sozialen Situationen entsteht (vgl. Rotter, 1966; 1975). Demnach beeinflusst diese Lernerfahrung die Wahrnehmung, das Verhalten und die weiteren Lernerfahrungen in ähnlichen sozialen Situationen und entwickelt sich in Folge dessen zur Erwartung von Kontrolle über Ereignisse in entsprechenden Kontexten. Die Lernerfahrung aus den verschiedenen Kontexten entwickelt sich zu einer generalisierten Kontrollüberzeugung. Die generalisierte Kontrollüberzeugung ist eine dauerhafte, kontextübergreifende Erwartung, die an das eigene Selbstbild, das Weltwissen und die Summe aller Lernerfahrungen geknüpft ist und somit eine übergeordnete Funktion für das zielgerichtete Handeln hat. Das Konstrukt hat den Stellenwert einer Persönlichkeitseigenschaft und ist von zentraler Bedeutung für die Erklärung und Vorhersage des Verhaltens eines Individuums (Krampen, 1991; Levenson, 1972; Rotter, 1966; Skinner, 1996).

Verschiedene Ansätze zur Erfassung der Kontrollüberzeugung wurden entwickelt: (1) Rotter (1966) postuliert ein unidimensionales Kontinuum mit extremer Ausprägung der internalen Kontrollüberzeugung an einem Pol und extremer Ausprägung der externalen Kontrollüberzeugung am anderen. Seine Annahme bildet die Grundlage der Internal / External Locus of Control Scale (ROT-IE, Rotter, 1966). (2) Levenson (1972) schlägt eine Veränderung des unidimensionalen Ansatzes vor. Bei der Entwicklung der Internal, Powerful Others, and Chance-Scale (IPC, Levenson, 1972) unterscheidet sie drei Dimensionen: eine, die internale Kontrollüberzeugung abbildet (Internal) und zwei weitere Dimensionen, die die verschiedenen Aspekte der externalen Kontrollüberzeugung beinhalten, nämlich die sozial bedingte Externalität (Powerful Others) und die fatalistische Externalität (Chance). (3) Diese dreidimensionale Struktur wird von Krampen (1991) in eine vierdimensionale modifiziert. Dabei schlägt Krampen ein handlungstheoretisches Modell der Persönlichkeit vor, in dem die internale Kontrollüberzeugung durch zwei Dimensionen Selbstkonzept eigener Fähigkeiten und Internalität erfasst wird. Die externale Kontrollüberzeugung wird nach wie vor in Soziale und Fatalistische Externalität unterteilt. Die faktoranalytischen Untersuchungen mit den drei beschriebenen Modellen der Kontrollüberzeugung konnten keine eindeutigen Belege für eines der Modelle erbringen (z. B. Ahle, 2002; Gurin, Gurin, Lao & Beattie, 1969; Mielke, 1979; Skinner, 1996). (4) Jakoby und Jacob (1999) entwickelten eine zweidimensionale Struktur. Die Autoren gründen ihren Ansatz auf der Annahme von Rotter (1966), dass Internalität und Externalität zwei wichtige Aspekte der Struktur von Kontrollüberzeugung sind und der Annahme von Levenson (1979), dass die Kontrollüberzeugung aus verschiedenen Dimensionen besteht. Dabei wurden die von Levenson vorgeschlagenen Aspekte der externalen Kontrollüberzeugung, Soziale Externalität und Fatalistische Externalität, in einer Dimension zusammengeführt. Diese zweifaktorielle Struktur des Konstrukts wurde in den Kurzskalen zur Messung von Kontrollüberzeugung in Bevölkerungsumfragen (KMKB) umgesetzt und zeigt sich als evident und gut replizierbar (Jakoby & Jacob, 1999; Kovaleva, Beierlein, Kemper & Rammstedt, 2010). Der empirisch belegte zweidimensionale Ansatz diente als Grundlage für die Konstruktion der aktuell vorliegenden IE-4-Skala (für Details siehe Kovaleva, 2012).

Aufbau

Die IE-4-Skala besteht aus zwei Subskalen für internale und externale Kontrollüberzeugung (IKÜ, EKÜ), die jeweils zwei Items enthalten. Die vier Items werden mittels einer Skala mit fünfstufigem Antwortformat von „triff gar nicht zu“ (1) bis „trifft voll und ganz zu“ (5) beantwortet.

Auswertung

Die Werte der beiden Items werden pro Subskala zu einem Skalenwerten gemittelt. Die mittleren Skalenwerte der beiden Subskalen der IE-4 liegen zwischen 1 und 5. Für die Auswertung von IE-4 sind keine Auswertungshilfen notwendig. Die erhobenen Werte können unmittelbar in die Auswertung eingehen. Die Referenzwerte der deutschen Population für die Interpretation von Skalenwerten sind in Appendix A zu finden. Die SPSS-Syntax zu Auswertung von mittleren Skalenwerten wird in Appendix D zur Verfügung gestellt.

Items

Die Items der IE-4-Skala und deren deskriptive Kennwerte sind in Tabelle 1 dargestellt. Die psychometrischen Kennwerte der beiden Subskalen sind unter den dazugehörigen Items zu finden (Tabelle 1).

Tabelle 1: Deskriptive Kennwerte der Items und Subskalen der IE-4
Item

M

SD

Sch

Kurt

(1) Ich habe mein Leben selbst in der Hand. 

4.20

.89

-1.15

1.16

(2) Wenn ich mich anstrenge, werde ich auch Erfolg haben.

4.03

.97-.82.08
Subskala IKÜ4.12.81-.99.97
(3) Egal ob privat oder Beruf: Mein Leben wird zum großen Teil von anderen bestimmt.2.401.15.46-.69
(4) Meine Pläne werden oft vom Schicksal durchkreuzt.2.721.21.23-.83
Subskala EKÜ2.56.96.32-.45

Anmerkungen: N = 1134; M = Mittelwert, SD = Standardabweichung, Sch = Schiefe, Kurt = Kurtosis, IKÜ = internale Kontrollüberzeugung, EKÜ = externale Kontrollüberzeugung.

 

Um die Skala auch in englischsprachigen Untersuchungen einsetzen zu können, wurde diese übersetzt. Die Übersetzung der IE-4-Skala wurde nach den Empfehlungen der Internationalen Test-Kommission (International Test Commission – ITC, 2010) durchgeführt. Die ITC empfiehlt ein zweistufiges Verfahren: Zunächst übersetzten zwei vereidigte Übersetzer mit Englisch als Muttersprache die Items unabhängig voneinander. Eine Übersetzung war britisches, die andere amerikanisches Englisch. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt. Während des Treffens erarbeitete die Forschungsgruppe der Autoren zusammen mit den beiden Übersetzern und einem Experten für Fragebogenübersetzung bei GESIS die vorliegende Version der englischen Übersetzung. Die IE-4-Skala mit Instruktion und Antwortskala ist in deutscher und in englischer Sprache in unserem Downloadbereich zu finden.

Skalenkonzept (Kopie 1)

Theoretischer Hintergrund

Das Konstrukt der Selbstwirksamkeit (engl.: Self-Efficacy) bezieht sich auf die Einschätzung eigener Kompetenzen, Handlungen erfolgreich ausführen zu können. Vor diesem Hintergrund dient die vorliegende Kurzskala (ASKU) der Erfassung der „persönliche[n] Einschätzung der eigenen Kompetenzen, allgemein im täglichen Leben mit Schwierigkeiten und Barrieren zu Recht zu kommen und kritische Anforderungssituationen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können“ (Hinz, Schumacher, Albani, Schmid & Brähler, 2006, S. 26). Das zu erfassende Konstrukt der Self-Efficacy geht auf Bandura (1977) zurück und wird als eindimensional konzipiert. Selbstwirksamkeitserwartungen beeinflussen zahlreiche Aspekte menschlicher Tätigkeit, wie z. B. Ziele, Ausdauer, Strategienutzung und Umgang mit Misserfolg (Bandura, 1997; Pajares, 1997; Schunk, 1991). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung spiegelt dabei eine über Situationen und Handlungsfelder generalisierte Kompe-tenzerwartung wider (Bandura, 2006). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wurde bisher vorwiegend in pädagogisch-psychologischen, gesundheits- und sozialpsychologischen Studien erhoben. Die allgemeine Selbstwirksamkeit bezieht sich dabei nicht auf ein spezifisches Handlungs- oder Funktionsfeld (vgl. Bandura, 2006, S. 307). Stattdessen spiegelt die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wider, dass Menschen ihre Erfahrungen zu Erfolgen und Misserfolgen über Situationen hinweg generalisieren (Jerusalem & Schwarzer, 1999). Mehrere Studien zeigen, dass Kompetenzerwartungen in unterschiedlichen Lebensbereichen positive Auswirkungen haben (z.B. Bandura, 1997; Luszczynska, Gutiérrez-Dona & Schwarzer, 2005). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung weist Beziehungen zu verwandten Konstrukten wie Selbstwert, Kontrollüberzeugungen und Ergebniserwartungen auf (Judge, Erez, Bono & Thoresen, 2002). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung kann dabei als persönliche Bewältigungsressource aufgefasst werden (Schwarzer, 1994): Sie weist positive Zusammenhänge mit Optimismus und Arbeitszufriedenheit auf; negative Zusammenhänge zeigten sich unter anderem mit Ängstlichkeit und Arbeitsstress (Lus-zczynska et al., 2005).

Aufbau

Die ASKU ist mit drei Items als eindimensionale Skala konzipiert (siehe Abschnitt 2.4 und Appendix B). Das Format für die Beantwortung der Items ist fünfstufig. Die Antwortkategorien sind die folgenden: „trifft gar nicht zu“ (1), „trifft wenig zu“ (2), „trifft etwas zu“ (3), „trifft ziemlich zu“ (4), „trifft voll und ganz zu“ (5).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson zu erhalten, werden die Antworten auf den einzelnen Items gemittelt. Der mittlere Skalenwert variiert zwischen 1 und 5 (für Referenzwerte siehe Abschnitt 5.4 und Appendix A).

Items

Die ASKU ermöglicht die Messung des Konstrukts Allgemeine Selbstwirksamkeit mit nur drei Items. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der drei Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3, siehe Tabelle 2).

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Das Persönlichkeitsmerkmal Optimismus-Pessimismus wird seit mehr als drei Dekaden in der psychologischen Forschung untersucht. Am weitesten verbreitet ist die Konstruktdefinition­ von Scheier und Carver (1985), die Optimismus und Pessimismus als Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Ereignisse ansehen. Während Optimisten davon ausgehen, dass ihnen meist „Gutes“ widerfährt, neigen Pessimisten dazu „Schlechtes“ zu erwarten. Solche Erwartungen beziehen sich laut Scheier und Carver nicht auf einzelne Bereiche des Lebens, sondern betreffen alle Bereiche. Optimismus und Pessimismus können daher als generalisierte Versionen von Vertrauen und Zweifel angesehen werden (Carver, Scheier, & Segerstrom, 2010). Aufgrund ihrer Ausprägung in diesem Persönlichkeitsmerkmal unterscheiden sich Optimisten und Pessimisten grundlegend in ihrer Herangehensweise an das Leben. Empirische Befunde bestätigen, dass die interindividuellen Unterschiede in diesem Persönlichkeitsmerkmal profunde Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben können, zum Beispiel auf ihre Lebenszufriedenheit, ihr Selbstkonzept, ihre Gesundheit, auf die Art und Weise alltägliche Probleme und Herausforderungen zu bewältigen, ihren sozioökonomischen Erfolg und auf ihre Beziehungen zu anderen (für eine Übersicht siehe Carver et al., 2010; Nes & Segerstrom, 2006; Rasmussen et al., 2009; Scheier & Carver, 1992).

Aufbau

Die SOP2 zur Erfassung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus besteht aus zwei Items (siehe Tabelle 1). Für die Antworten der Befragungsperson steht eine siebenstufige Ratingskala zur Verfügung. Die Antwortkategorien der SOP2 gehen von „gar nicht optimistisch“ (1) bis „sehr optimistisch“ (7) bzw. von „gar nicht pessimistisch“ (1) bis „sehr pessimistisch“ (7).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson in dem Merkmal Optimismus-Pessimismus zu erhalten, werden deren Antworten auf den beiden Items aggregiert. Der Messwert SOP2 wird gebildet, indem die Antwort auf das Pessimismusitem rekodiert wird (für Details siehe Appendix D) und anschließend ein Mittelwert aus dem rekodierten Pessimismusitem und dem Optimismusitem gebildet wird. Der Wertebereich für SOP2 liegt dann zwischen 1 und 7 (für Referenzwerte siehe Appendix A).

Items

Die SOP2 ermöglicht eine Messung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus mit nur zwei Items, eines, das Optimismus und eines, das Pessimismus erfasst. Um sicher zu stellen, dass die Konstrukte Optimismus und Pessimismus von allen Befragten in gleicher Weise verstanden werden, werden die Items jeweils durch eine kurze Konstruktdefinition eingeleitet. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der beiden Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3).

Um die Nutzung der Skala für englischsprachige Untersuchungen zu ermöglichen, wurde diese ins Englische übersetzt. Die International Test Commission (2010) empfiehlt hierbei ein zweistufiges Verfahren. Zunächst haben zwei hauptberufliche, muttersprachliche Übersetzer die Items unabhängig voneinander übersetzt. Dabei wurden eine Übersetzung in britischem Englisch und die andere in amerikanischem Englisch angefertigt. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt, in dessen Verlauf die Übersetzungsvorschläge in einer Gruppe von Experten für die psychologischen Merkmale, den Übersetzern und einem weiteren Experten für Fragebogenübersetzung diskutiert und überarbeitet wurden. Die englische Version der Skala ist in Appendix C zu finden. Die Güte der Übersetzungen wurde bislang allerdings noch nicht geprüft.