Kurzskalen psychologischer Merkmale

Bewertung

Die hier beschriebene Kurzskala BEFKI GC-K ist ein frei verfügbares Verfahren zur Messung kristalliner Intelligenz, das sich aufgrund seiner Kürze und psychometrischen Effizienz insbesondere für den Einsatz in der Umfrageforschung eignet. Die Kurzskala umfasst 12 Items, die in Übereinstimmung mit der Definition von gc durch Cattell (1971) bzw. Carroll (1993) deklaratives Wissen aus ebenso vielen Bereichen der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften erfassen. Somit wird innerhalb von fünf Minuten Bearbeitungszeit ein möglichst breites Wissensspektrum berücksichtigt. Des Weiteren weist die Kurzskala eine gute Reliabilität auf. Ihre Validität wurde anhand der Korrelationen des Summenwertes mit verschiedenen Personen- und Umweltmerkmalen einerseits sowie mit ausgewählten psychologischen Konstrukten andererseits überprüft. Die gefundenen Beziehungen stimmen nahezu vollständig mit den auf Basis der Fachliteratur formulierten Erwartungen überein. Die Höhe der untersuchten Effekte bzw. Zusammenhänge lag zudem für die Kurzskala mit 12 Items nur minimal unter den entsprechenden Werten für die ungekürzte Wissensskala mit 32 Items.

Bei der Interpretation der Befunde ist einschränkend zu berücksichtigen, dass die Itemselektion für die Kurzskala und deren Evaluation auf derselben Erhebung basieren. Zudem führte die relativ strenge Zeitbegrenzung in der hier beschriebenen Erhebung zu fehlenden Werten, die in der Folge imputiert wurden, um die größtmögliche Vergleichbarkeit mit einer Durchführung ohne Zeitmangel zu gewährleisten. Für die Kurzskala gilt jedoch, dass eine Bearbeitungszeit von fünf Minuten ausreichend ist, so dass eine Imputation fehlender Werte unter diesen Durchführungsbedingungen nicht erforderlich ist (stattdessen sollten ausgelassene Items wie nicht richtige Antworten ausgewertet werden).

Gegenüber gängigen Bildungsindikatoren wie der ISCED-97 hat die Wissensskala den Vorteil, dass tatsächliches Wissen direkt erhoben wird, anstatt dieses aus Abschlüssen zu erschließen. Letzteres ist insbesondere deshalb problematisch, da Schul- und Ausbildungsabschlüsse zwischen verschiedenen Bundesländern oder gar Staaten dem zeitlichen Wandel unterliegen und schwer vergleichbar sind (Neumann, Nagy, Trautwein & Lüdtke, 2009). Zudem sind Selbstauskünfte wie Angaben zu Bildungsabschlüssen oder zur Berufstätigkeit im Gegensatz zu objektiven Leistungstests leicht verfälschbar (Ziegler, MacCann & Roberts, 2011). Ungeachtet der Vorzüge der hier vorgestellten gc-Skala ist jedoch zu berücksichtigen, dass es sich um eine Kurzskala handelt, die zur Wissensmessung in der sehr bildungsheterogenen erwachsenen Bevölkerung konstruiert wurde. Daher ist die inhaltliche Breite der Messung stark eingeschränkt und kann eine differenzierte Wissensdiagnostik nicht ersetzen. Stattdessen fokussiert die Kurzskala auf  „Wissen, von dem angenommen werden kann, dass es von einem großen Teil der Population geteilt wird“ (Ackerman, 2003, S. 16). Mithilfe komplexer Testdesigns und Modellierungsmethoden ist es jedoch möglich, die Vorzüge von Kurzskalen mit den Vorteilen umfangreicher Messinstrumente zu kombinieren (vgl. hierzu die Vorschläge von Rhemtulla & Little, 2012, sowie Graham, Taylor, Olchowski & Cumsille, 2006, zu planned missing data designs). In zukünftigen Studien sollte untersucht werden, inwieweit die gc-Kurzskala gegenüber anderen in der Umfrageforschung häufig eingesetzten Instrumenten und Indikatoren inkrementell valide bei der Vorhersage bedeutsamer Outcomes ist.