Kurzskalen psychologischer Merkmale

Skalenkonzept

Theoretischer Hintergrund

Den theoretischen Hintergrund der Skala bildet die Definition kristalliner Intelligenz in etablierten Intelligenztheorien, insbesondere der Theorie fluider und kristalliner Intelligenz von Cattell und Horn (Horn, 1965, 1988; Cattell, 1971) sowie der Drei-Stratum-Theorie von Carroll (1993).

Nach Binet und Simon (1905) sowie Hebb (1942) gehörte Cattell (1943) zu den ersten Intelligenzforschern, die in ihren theoretischen Überlegungen neben dekontextualisierten Denkleistungen auch wissensbasierte Fähigkeiten berücksichtigten. Statt eines einzigen, übergeordneten Generalfaktors der Intelligenz postulierte Cattell zwei bedeutende Faktoren, die er als fluide Intelligenz (gf) und kristalline Intelligenz (gc) bezeichnete. Letztere zeigt sich nach Cattell (1971) in Leistungen, bei denen zuvor erlernte Fertigkeiten und Wissen die entscheidende Rolle spielen. Typische Indikatoren für gc bezeichnet Cattell als „schulische“ oder „akademische“ Tests, die auf die Inhalte formaler Bildung abzielen. Damit übereinstimmend wurden von Cattell und Kollegen starke Ladungen von sprachnahen Aufgaben und Wissenstests auf dem Faktor gc berichtet (Cattell, 1963; Horn & Cattell, 1966; Cattell, 1971; Horn, 1965). Konzeptuell soll gc diesen Autoren zufolge die Gesamtheit des Wissens umfassen, das Menschen im Laufe ihres Lebens erwerben und zum Problemlösen einsetzen. Diese Definition kommt auch in neueren Arbeiten zur Anwendung; so beschreiben Horn und Noll (1997, S. 69) kristalline Intelligenz als „akkulturiertes Wissen“, das über Aufgaben gemessen werden sollte, die „Tiefe und Breite des Wissens der dominanten Kultur“ widerspiegeln.

Als weiteres einflussreiches Intelligenzmodell ist Carrolls (1993) Drei-Stratum-Theorie zu nennen, die als wichtiger Bezugspunkt in der Intelligenzforschung gilt. Das Modell basiert auf der Reanalyse von 461 Datensätzen zu kognitiven Fähigkeitskonstrukten und beschreibt verschiedene Schichten („Strata“) mit Intelligenzfaktoren unterschiedlicher Breite. Zu den insgesamt acht Faktoren auf Stratum II gehören auch gf und gc. Ähnlich wie Cattell betont auch Carroll mit Blick auf den gc-Faktor die Rolle von Erfahrung, Lernen und Akkulturation, verschiebt jedoch den Fokus in Richtung sprachlicher Fähigkeiten wie Leseverstehen und Fremdsprachenkenntnissen (Carroll, 1993, S. 626). Nichtsdestotrotz dokumentiert Carroll auch hohe Zusammenhänge von Wissenstests mit dem gc-Faktor. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Stratum-I-Faktor „General Information“ zu, der Unterschiede im Erwerb von Wissen jenseits von Sprachkenntnissen widerspiegelt (vgl. K0; Carroll, 1993, S. 590 und 634) und zu den Faktoren gehört, die in Carrolls Reanalysen häufig die höchste oder zweithöchste Ladung auf dem übergeordneten gc-Faktor aufwiesen (vgl. auch Carroll, 2003).

Aufbau

Die Kurzskala BEFKI GC-K besteht aus insgesamt 12 Items zu ebenso vielen Wissensbereichen. Konkret wird Wissen aus den Naturwissenschaften (Biologie, Physik, Geografie, Medizin), den Geisteswissenschaften (Kunst, Literatur, Religion, Philosophie) und den Sozialwissenschaften erfasst (Politik, Geschichte, Finanzen, Recht). Alle Items haben ein Multiple-Choice-Format mit vier Antwortalternativen, von denen genau eine richtig ist. In Tabelle 1 sind für die 12 Items Schwierigkeit und Trennschärfe (genauer: die Itemladung im einfaktoriellen Messmodell, vgl. Abschnitt Gütekriterien) sowie die inhaltliche Zuordnung zu den drei breiten Wissensdomänen beziehungsweise den einzelnen Wissensbereichen angegeben. Die Kennwerte basieren auf einer repräsentativen Erhebung mit Erwachsenen zwischen 18 und 93 Jahren aus ganz Deutschland (vgl. Stichprobenbeschreibung).

Tabelle 1: Schwierigkeiten und Trennschärfen der Kurzskala-Items
Item Nr.ItembezeichnerWissensbereichWissensdomänepλ
1medMedizinNaturw..88.58
2relReligionGeistesw..69.67
3geoGeografieNaturw..78.58
4kunKunstGeistesw..44.64
5bioBiologieNaturw..33.45
6polPolitikSozialw..62.52
7phiPhilosophieGeistesw..40.51
8phyPhysikNaturw..44.35
9litLiteraturGeistesw..51.56
10finFinanzenSozialw..77.58
11recRechtSozialw..64.39
12gesGeschichteSozialw..55.46

Anmerkungen: Naturw.: Naturwissenschaften; Geistesw.: Geisteswissenschaften; Sozialw.: Sozialwissenschaften; p: relative Lösungshäufigkeit; λ: Itemladung im einfaktoriellen Messmodell (vgl. Abschnitt Gütekriterien).

Auswertung

Im ersten Schritt werden die Items anhand eines Lösungsschlüssels in richtig beantwortet (1) versus nicht richtig beantwortet (0) rekodiert. Der Lösungsschlüssel ist in der o. g. Druckvorlage enthalten. Items, bei denen die teilnehmende Person keine Antwort angekreuzt hat oder mehrdeutig geantwortet hat (z. B. durch Ankreuzen mehrerer Antwortoptionen) werden als nicht richtig beantwortet gewertet. Anschließend erfolgt die Bildung eines Gesamtwertes gc durch Aufsummieren über alle 12 rekodierten Items. Eine getrennte Berechnung mehrerer Summenwerte für die drei breiten Wissensdomänen Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften wird nicht empfohlen, da wegen der geringen Itemzahl mit Boden- oder Deckeneffekten zu rechnen ist und zudem auf Basis von nur vier Items pro Wissensdomäne keine substanzielle inhaltliche Interpretation der Werte möglich wäre (vgl. die ausführliche Diskussion konkurrierender Messmodelle in Schipolowski et al., 2013).

Items

Die Kurzskala ist für nicht-kommerzielle Forschungszwecke kostenfrei nutzbar. Eine Druckvorlage kann über folgenden Link bezogen werden: http://befki.de/materialien (Kennwort: trgw34785bns)

Skalenkonzept (Kopie 1)

Theoretischer Hintergrund

Das Konstrukt der Selbstwirksamkeit (engl.: Self-Efficacy) bezieht sich auf die Einschätzung eigener Kompetenzen, Handlungen erfolgreich ausführen zu können. Vor diesem Hintergrund dient die vorliegende Kurzskala (ASKU) der Erfassung der „persönliche[n] Einschätzung der eigenen Kompetenzen, allgemein im täglichen Leben mit Schwierigkeiten und Barrieren zu Recht zu kommen und kritische Anforderungssituationen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können“ (Hinz, Schumacher, Albani, Schmid & Brähler, 2006, S. 26). Das zu erfassende Konstrukt der Self-Efficacy geht auf Bandura (1977) zurück und wird als eindimensional konzipiert. Selbstwirksamkeitserwartungen beeinflussen zahlreiche Aspekte menschlicher Tätigkeit, wie z. B. Ziele, Ausdauer, Strategienutzung und Umgang mit Misserfolg (Bandura, 1997; Pajares, 1997; Schunk, 1991). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung spiegelt dabei eine über Situationen und Handlungsfelder generalisierte Kompe-tenzerwartung wider (Bandura, 2006). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wurde bisher vorwiegend in pädagogisch-psychologischen, gesundheits- und sozialpsychologischen Studien erhoben. Die allgemeine Selbstwirksamkeit bezieht sich dabei nicht auf ein spezifisches Handlungs- oder Funktionsfeld (vgl. Bandura, 2006, S. 307). Stattdessen spiegelt die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wider, dass Menschen ihre Erfahrungen zu Erfolgen und Misserfolgen über Situationen hinweg generalisieren (Jerusalem & Schwarzer, 1999). Mehrere Studien zeigen, dass Kompetenzerwartungen in unterschiedlichen Lebensbereichen positive Auswirkungen haben (z.B. Bandura, 1997; Luszczynska, Gutiérrez-Dona & Schwarzer, 2005). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung weist Beziehungen zu verwandten Konstrukten wie Selbstwert, Kontrollüberzeugungen und Ergebniserwartungen auf (Judge, Erez, Bono & Thoresen, 2002). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung kann dabei als persönliche Bewältigungsressource aufgefasst werden (Schwarzer, 1994): Sie weist positive Zusammenhänge mit Optimismus und Arbeitszufriedenheit auf; negative Zusammenhänge zeigten sich unter anderem mit Ängstlichkeit und Arbeitsstress (Lus-zczynska et al., 2005).

Aufbau

Die ASKU ist mit drei Items als eindimensionale Skala konzipiert (siehe Abschnitt 2.4 und Appendix B). Das Format für die Beantwortung der Items ist fünfstufig. Die Antwortkategorien sind die folgenden: „trifft gar nicht zu“ (1), „trifft wenig zu“ (2), „trifft etwas zu“ (3), „trifft ziemlich zu“ (4), „trifft voll und ganz zu“ (5).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson zu erhalten, werden die Antworten auf den einzelnen Items gemittelt. Der mittlere Skalenwert variiert zwischen 1 und 5 (für Referenzwerte siehe Abschnitt 5.4 und Appendix A).

Items

Die ASKU ermöglicht die Messung des Konstrukts Allgemeine Selbstwirksamkeit mit nur drei Items. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der drei Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3, siehe Tabelle 2).

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Das Persönlichkeitsmerkmal Optimismus-Pessimismus wird seit mehr als drei Dekaden in der psychologischen Forschung untersucht. Am weitesten verbreitet ist die Konstruktdefinition­ von Scheier und Carver (1985), die Optimismus und Pessimismus als Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Ereignisse ansehen. Während Optimisten davon ausgehen, dass ihnen meist „Gutes“ widerfährt, neigen Pessimisten dazu „Schlechtes“ zu erwarten. Solche Erwartungen beziehen sich laut Scheier und Carver nicht auf einzelne Bereiche des Lebens, sondern betreffen alle Bereiche. Optimismus und Pessimismus können daher als generalisierte Versionen von Vertrauen und Zweifel angesehen werden (Carver, Scheier, & Segerstrom, 2010). Aufgrund ihrer Ausprägung in diesem Persönlichkeitsmerkmal unterscheiden sich Optimisten und Pessimisten grundlegend in ihrer Herangehensweise an das Leben. Empirische Befunde bestätigen, dass die interindividuellen Unterschiede in diesem Persönlichkeitsmerkmal profunde Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben können, zum Beispiel auf ihre Lebenszufriedenheit, ihr Selbstkonzept, ihre Gesundheit, auf die Art und Weise alltägliche Probleme und Herausforderungen zu bewältigen, ihren sozioökonomischen Erfolg und auf ihre Beziehungen zu anderen (für eine Übersicht siehe Carver et al., 2010; Nes & Segerstrom, 2006; Rasmussen et al., 2009; Scheier & Carver, 1992).

Aufbau

Die SOP2 zur Erfassung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus besteht aus zwei Items (siehe Tabelle 1). Für die Antworten der Befragungsperson steht eine siebenstufige Ratingskala zur Verfügung. Die Antwortkategorien der SOP2 gehen von „gar nicht optimistisch“ (1) bis „sehr optimistisch“ (7) bzw. von „gar nicht pessimistisch“ (1) bis „sehr pessimistisch“ (7).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson in dem Merkmal Optimismus-Pessimismus zu erhalten, werden deren Antworten auf den beiden Items aggregiert. Der Messwert SOP2 wird gebildet, indem die Antwort auf das Pessimismusitem rekodiert wird (für Details siehe Appendix D) und anschließend ein Mittelwert aus dem rekodierten Pessimismusitem und dem Optimismusitem gebildet wird. Der Wertebereich für SOP2 liegt dann zwischen 1 und 7 (für Referenzwerte siehe Appendix A).

Items

Die SOP2 ermöglicht eine Messung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus mit nur zwei Items, eines, das Optimismus und eines, das Pessimismus erfasst. Um sicher zu stellen, dass die Konstrukte Optimismus und Pessimismus von allen Befragten in gleicher Weise verstanden werden, werden die Items jeweils durch eine kurze Konstruktdefinition eingeleitet. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der beiden Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3).

Um die Nutzung der Skala für englischsprachige Untersuchungen zu ermöglichen, wurde diese ins Englische übersetzt. Die International Test Commission (2010) empfiehlt hierbei ein zweistufiges Verfahren. Zunächst haben zwei hauptberufliche, muttersprachliche Übersetzer die Items unabhängig voneinander übersetzt. Dabei wurden eine Übersetzung in britischem Englisch und die andere in amerikanischem Englisch angefertigt. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt, in dessen Verlauf die Übersetzungsvorschläge in einer Gruppe von Experten für die psychologischen Merkmale, den Übersetzern und einem weiteren Experten für Fragebogenübersetzung diskutiert und überarbeitet wurden. Die englische Version der Skala ist in Appendix C zu finden. Die Güte der Übersetzungen wurde bislang allerdings noch nicht geprüft.