Kurzskalen psychologischer Merkmale

Entwicklung und Validierung

Die Entwicklung und Validierung der NFC-K erfolgte auf der Basis von fünf unterschiedlichen Stichproben (siehe Tabelle 2). Insgesamt wurden in den Studien neben der NFC-K soziodemografische Variablen (Geschlecht, Alter, Nationalität, Bildungsabschluss, Beruf, Studienfach, Sprache) sowie weitere relevante psychologische Merkmale zur Überprüfung der konvergenten und diskriminanten Validität erhoben. Als weitere Persönlichkeitsvariablen wurden z.B. die Skalen Offenheit für Neues und Gewissenhaftigkeit aus der aktualisierten deutschen Version des NEO-Fünf-Faktoren Inventars (Borkenau & Ostendorf, 2008) sowie Instrumente zur Erfassung von Deliberation (Betsch, 2004), Typical Intellectual Engagement (Wilhelm, Schulze, Schmiedek & Süß, 2003), Lernziel- und Vermeidungsleistungszielorientierung (Spinath, Stiensmeier-Pelster, Schöne, & Dickhäuser, 2012) sowie Sozialer Erwünschtheit (Musch, Brockhaus & Bröder, 2002) erhoben. Zusätzlich wurde mit dem Aufgabenwahl-Paradigma gearbeitet, wobei die Studienteilnehmer/-innen zwischen einer schwierigen und einer leichten Aufgabe wählen sollten.

Tabelle 2: Charakteristika der drei Stichproben
Stichprobe 1 Entwicklung NFC-KStichprobe 2  StabilitätStichprobe 3 Validierung 1Stichprobe 4 Validierung 2Stichprobe 5  Stabilität
Stichprobe

Umfang [N]

8573287322544
Art

Gelegenheits-

stichprobe

Studentische StichprobeGelegenheits-stichprobeGelegenheits-stichprobeGelegenheits-stichprobe
ModusPaper-PencilPaper-PencilOnlineOnlineOnline
Zusammensetzung
Geschlecht [% Frauen]67.172.665.663.145.4
Alter [M(SD)]27.1 (11.0)23.3 (7.3)29.2 (8.9)27.7 (9.5)46.1 (15.0)
Anteil Studierende [%]55.390.429.735.57.5
Anteil Berufstätige [%]24.72.747.133.362.9
Anteil Sonstige [%]206.923.231.229.6

Wie bereits dargestellt gibt es etablierte Verfahren zur Erfassung von NFC. Vor diesem Hintergrund erfolgte die Entwicklung der Kurzskala NFC-K auf Basis des Itempools dieser Verfahren. Die Itemselektion erfolgte in einem zweistufigen Verfahren anhand von statistischen und inhaltlichen Aspekten. Zunächst erfolgte eine Vorauswahl von neun Items anhand der Kennwerte, die von Bless et al. (1994) für die deutsche Version sowie von Cacioppo und Petty (1982) für die englische Version berichtet wurden. Diese neun Items wurden insbesondere basierend auf ihrer Itemschwierigkeit, Standardabweichung, Trennschärfe und Faktorladung auf dem ersten Faktor ausgewählt. Dabei lag inhaltlich ein Augenmerk darauf, die beiden Facetten des Konstrukts – Engagement in und Freude an Denkaufgaben – gleichwertig in der Itemvorauswahl vertreten zu haben.

Diese Vorform, bestehend aus neun Items, wurde empirisch in einer ersten Erhebung an einer Stichprobe von N = 85 (M = 27.1 Jahre, SD = 11.0, 67% weiblich; Stichprobe 1) untersucht. Die Probanden waren vor allem Studierende und Akademiker/-innen. Basierend auf den Itemkennwerten und den Ergebnissen der Hauptkomponentenanalyse aus dieser Erhebung wurden die finalen vier Items der NFC-K ausgewählt. Konkret wurden zunächst die Itemschwierigkeit und Streuung der Items überprüft. Darauf basierend wurde ein Item ausgeschlossen (M = 1.98, SD = 0.91), da es einen zu hohen Schwierigkeitsindex und eine geringe Streuung aufwies. Bei einer Hauptkomponentenanalyse der verbleibenden acht Items ergaben sich durch Parallelanalyse zwei Faktoren. Die oblimin-rotierten Ladungsmuster der Items stimmten dabei mit den beiden Facetten des Konstrukts – Engagement und Freude am Denken – überein (siehe Tabelle 3). Während in der Vorselektion die Faktorladung auf einem Hauptfaktor das Auswahlkriterium war, stand in der Selektion der endgültigen 4-Item-Version eine möglichst breite Abdeckung des Konstrukts im Mittelpunkt. Dies sollte mit der gleichwertigen Repräsentation beider Facetten erreicht werden. Aus diesem Grund wurden auf Basis der explorativen Faktorenanalyse jeweils zwei Items ausgewählt, die möglichst deutlich auf eine der beiden Facetten luden und gleichzeitig eine zufriedenstellende Itemschwierigkeit und Trennschärfe < .45 aufwiesen.

Die daraus resultierende NFC-K wurde anhand von drei weiteren Studien untersucht (siehe Tabelle 2). Die Stabilität der Kurzskala wurde anhand einer überwiegend studentischen Stichprobe (Stichprobe 2) überprüft. Darauf folgte eine erste Online-Validierungsstudie (N = 287; Stichprobe 3). In einer zweiten Validierungsstudie (N = 321; Stichprobe 4) wurden diese Ergebnisse überprüft und um weitere Validierungskriterien erweitert. Die Ergebnisse der ersten Validierungsstudie (Stichprobe 3) sind inhaltlich deckungsgleich und werden nur bei ausführlichen Übersichten zur Vollständigkeit ebenfalls dargestellt. In einer umfangreicheren und heterogeneren Onlinestichprobe (Stichprobe 5) wurde die Stabilität der Kurzskala erneut überprüft. Im weiteren Verlauf werden Ergebnisse bezüglich der Evaluation der NFC-K vor allem aus der Validierungsstudien (Studie 3 und 4) sowie aus der umfangreicheren Onlinestichprobe (Stichprobe 5) berichtet. Tabelle 3 stellt die Faktorladungen (oblimin-rotierte Hauptachsenanalyse) der finalen Itemzusammenstellung der NFC-K in Stichprobe 4 dar. Die Ergebnisse verdeutlichen, die erwartete Einfachstruktur der Items, jeweils 2 Items laden hoch auf einem Faktor und niedrig auf dem jeweils 2. Faktor.

Tabelle 3: Faktorladungen der NFC-K-Items in Stichprobe 4


F1 EngagementF2 Freude

1

Es genügt mir einfach die Antwort zu kennen, ohne die Gründe für die Antwort eines Problems zu verstehen.*.55.23
2Ich habe es gern, wenn mein Leben voller kniffliger Aufgaben ist, die ich lösen muss..33.74
3Ich würde komplizierte Probleme einfachen Problemen vorziehen..12.72
4In erster Linie denke ich, weil ich muss..54.10

Anmerkung: N = 321; * Item ist invertiert.