Kurzskalen psychologischer Merkmale

Tabelle 3: Validitätskoeffizienten der SOP2

Stichprobe 1

Stichprobe 2

Stichprobe 3

Optimismus-PessimismusLOT-R.68**
Soziodemogr. VariablenAlter-.03.19**-.07*
Geschlecht-.02.05.02
Einkommen.21**.18**
Bildung: Schuljahre.17**.04.16**
Bildung: Bücher.13**.19**
Einschätzung ZukunftALLBUS 2010.21**
ZufriedenheitLeben.58**.50**.46**
Arbeit.28**
Partner.26**
Gesundheit.35**
Gesundheitsstatusphysisch-.30**
psychisch-.38**
SelbstkonzeptSelbstwirksamkeit.43**
Selbstwert.55**
PersönlichkeitNeurozitismus-.42**-.43**-.38**
Extraversion.49**.33**.34**
Offenheit.32**.12**.23**
Verträglichkeit.19**.09*.25**
Gewissenhaftigkeit.26**.21**.23**

Anmerkung: LOT-R = Life Orientation Test-Revised. ALLBUS 2010 = Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften, Jahr 2010. Das verwendete Item aus dem ALLBUS wurde umkodiert. ¹ N = 539 in Welle 1, ² N = 741, ³ N = 1134. * = p < .05, ** = p < .01.

Tabelle 3: Validitätskoeffizienten der SOP2

Stichprobe 1
(N = 539)

Stichprobe 2
(N = 741)

Stichprobe 3
(N = 1134)

Optimismus-PessimismusLOT-R.68**
Soziodemographische VariablenAlter-.03.19**-.07*
Geschlecht-.02.05.02
Einkommen.21**.18**
Bildung: Schuljahre.17**.04.16**
Bildung: Bücher.13**.19**
Einschätzung ZukunftALLBUS 2010.21**
ZufriedenheitLeben.58**.50**.46**
Arbeit.28**
Partner.26**
Gesundheit.35**
Gesundheitsstatusphysisch-.30**
psychisch-.38**
SelbstkonzeptSelbstwirksamkeit.43**
Selbstwert.55**
PersönlichkeitNeurozitismus-.42**-.43**-.38**
Extraversion.49**.33**.34**
Offenheit.32**.12**.23**
Verträglichkeit.19**.09*.25**
Gewissenhaftigkeit.26**.21**.23**

Anmerkung: LOT-R = Life Orientation Test-Revised. ALLBUS 2010 = Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften, Jahr 2010. Das verwendete Item aus dem ALLBUS wurde umkodiert. * = p < .05, ** = p < .01.

 

Die höchste Korrelation weist die SOP2 erwartungsgemäß mit einem alternativen Maß für das Konstrukt Optimismus-Pessimismus auf, mit dem LOT-R. Ebenfalls starke Zusammenhänge (vgl. Cohen, 1992) finden sich für die globale Lebenszufriedenheit, die kognitiven und affektiven Komponenten des Selbstkonzepts, Selbstwirksamkeit und Selbstwert, und die Persönlichkeitsmerkmale Neurotizismus und Extraversion des Fünf-Faktoren-Modells. Lebenszufriedenheit und Extraversion korrelieren positiv mit (positiven) generalisierten Erwartungen. Neurotizismus weist hingegen erwartungsgemäß einen negativen Zusammenhang mit der SOP2 auf. Moderate Effekte finden sich für die spezifischen Maße der Zufriedenheit, für Indikatoren der physischen und psychischen Gesundheit und die übrigen Persönlichkeitsmerkmale aus dem Fünf-Faktoren-Modell.

Für die sozialwissenschaftliche Forschung sind insbesondere die Zusammenhänge der SOP2 mit soziodemographischen Variablen und sozioökonomischen Erfolgsvariablen von Interesse. Mit Letzteren weist die SOP2 zwar geringe, aber noch immer substantielle Effekte, auf. So finden sich zum Beispiel Zusammenhänge mit den sozioökonomischen Erfolgsvariablen Einkommen und Bildung, gemessen über die Anzahl der Schuljahre und die Anzahl der Bücher im Elternhaus. Die genannten Zusammenhänge konnten in mehreren Stichproben gesichert werden. Weiterhin korreliert die SOP2 mit einem Maß aus dem ALLBUS 2010¹, in dem Befragte ihre zukünftige wirtschaftliche Lage einschätzen sollen (r = .21, p < .01). Mit den soziodemographischen Variablen Alter und Geschlecht korreliert die SOP2 nur unwesentlich. Für das Geschlecht treten konsistent über alle Stichproben Nullkorrelationen auf. Für Alter findet sich zwar in Stichprobe 2 und 3 ein signifikanter Zusammenhang, allerdings weisen die Koeffizienten unterschiedliche Vorzeichen auf. Insgesamt sind die Befunde zum Alter demnach inkonsistent.

Referenzwerte

Im Appendix A sind Referenzwerte in Form von Gruppenmittelwerten und Standardabweichungen für die SOP2 abgedruckt. Diese wurden anhand der Zufallsstichprobe (Stichprobe 3) ermittelt und erlauben dem Anwender einen Vergleich der SOP2-Werte aus seiner Untersuchung, mit denen relevanter Subgruppen aus einer bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe, zum Beispiel von Männern oder Frauen, von Personen mit unterschiedlicher Schulbildung oder unterschiedlichem Alter. Die Altersgruppen in Appendix A wurden den Lebensphasen der bundesdeutschen Gesellschaft angepasst. Die Zeit von 18 bis 35 Jahren ist die der beruflichen Ausbildung und Familiengründung. Die Zeit der beruflichen Festigung, Karriere, Betreuung von heranwachsenden Kindern und Pflege von älteren Angehörigen fällt in die Zeit zwischen 36 und 65 Jahren. Die dritte Lebensphase beginnt im Alter von 65 Jahren, wenn die berufliche Tätigkeit in den meisten Fällen abgeschlossen ist. Die Aufteilung der Bildungsstufen wurde nach der Dauer der schulischen Allgemeinbildung vorgenommen. Dabei gilt die Dauer der schulischen Bildung bis einschließlich 9 Jahren als geringes Bildungsniveau. Bei einer Schuldauer von 10 oder 11 Jahren handelt es sich um ein mittleres Bildungsniveau und bei mehr als 11 Jahren um ein hohes Bildungsniveau.

_____

¹ Was glauben Sie, wie wird Ihre eigene wirtschaftliche Lage in einem Jahr sein? Erwarten Sie, dass Ihre wirtschaftliche Lage dann: 1) wesentlich besser sein wird als heute, 2) etwas besser sein wird als heute, 3) gleichbleibt, 4) etwas schlechter sein wird, oder 5) wesentlich schlechter sein wird als heute?

Gütekriterien

Objektivität

Unter Objektivität wird der Grad verstanden, in dem eine Messung unabhängig vom Untersucher ist (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Diese bezieht sich auf verschiedene Phasen einer Untersuchung: Durchführung, Auswertung und Interpretation. Im Falle eines Face-to-face-Interviews hängt die Durchführungsobjektivität von dem Interviewer ab, der die Daten erhebt. Sie ist gegeben, wenn dieser sich bei der Vorgabe der Skala an die genauen Instruktionen und den Wortlaut der Items hält. Bei entsprechend geschulten Interviewern ist die Durchführungsobjektivität üblicherweise gewährleistet (Rammstedt, 2010). Auswertungsobjektivität betrifft die numerische und kategoriale Auswertung des Antwortverhaltens der Befragten nach festgelegten Regeln (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Diese ist beim BFI-10 vollständig gegeben, da die Verrechnungsvorschriften der Werte auf den Items klar festgelegt sind und keinen Interpretationsspielraum zulassen (siehe Appendix D). Interpretationsobjektivität ist gegeben, wenn die aus den Befragungsergebnissen gezogenen Schlüsse über verschiedene Forscher vergleichbar sind. Zur Maximierung der Interpretationsobjektivität sollte das Wissen der Forscher über die Messintention der Skala und über die Interpretation der quantitativen Messwerte vergleichbar sein (Rammstedt, 2010). Durch die Standardisierung der Auswertung und die Zuweisung eines numerischen Messwerts, der die Ausprägung des Befragten in den fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit beschreibt (siehe Befunde zur Validität unten), kann auch die Interpretationsobjektivität des BFI-10 als gegeben angesehen werden.

Reliabilität

Unter der Reliabilität oder Messgenauigkeit einer Skala versteht man den Grad der Genauigkeit, mit dem ein bestimmtes Merkmal erfasst wird (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Als Reliabilitätsmaß wurde die Retest-Reliabilität verwendet. Aus der ersten Validierungsstudie des BFI-10 berichten Rammstedt und John (2007) ausreichende bis gute Reliabilitätskoeffizienten für die Subskalen des BFI-10 bei einem sechswöchigen Retest-Intervall (siehe Tabelle 3). Der höchste Koeffizient wurden für Extraversion gefunden (r(tt) = .84), der niedrigste für Verträglichkeit (r(tt) = .58). Alle Reliabilitätskoeffizienten liegen in einem Bereich, der für Gruppenuntersuchungen als hinreichend bewertet wird (vgl. Aiken & Groth-Marnat, 2006). In Stichprobe 1 fallen die Retest-Koeffizienten bei einem Retest-Intervall von sechs bis acht Wochen insgesamt niedriger aus. Der höchste Koeffizient findet sich für Offenheit (r(tt) = .62). Neurotizismus (r(tt) = .49) und Verträglichkeit (r(tt) = .50) weisen Koeffizienten auf, die unter der von Aiken und Groth-Marnat (2006) empfohlenen Grenze für Gruppenuntersuchungen von ca. .60 liegen.

Tabelle 3: Reliabilitätskoeffizienten (Retest) des BFI-10
Big-Five-Dimension

Rammstedt & John (2007)
(N = 184)

Stichprobe 1

Neurozitismus.74.49
Extraversion.84.59
Offenheit.72.62
Verträglichkeit.58.50
Gewissenhaftigkeit.77.59

Anmerkung zu "Rammstedt & John (2207)": Stichprobe 1 (G-1), Retest-Intervall: 6 Wochen.

Referenzwerte

Im Appendix A sind Referenzwerte in Form von Gruppenmittelwerten und Standardabweichungen für die SOP2 abgedruckt (siehe Tabelle A). Diese wurden anhand der Zufallsstichprobe (Stichprobe 3) ermittelt und erlauben dem Anwender einen Vergleich der SOP2-Werte aus seiner Untersuchung, mit denen relevanter Subgruppen aus einer bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe, zum Beispiel von Männern oder Frauen, von Personen mit unterschiedlicher Schulbildung oder unterschiedlichen Alters. Die Altersgruppen in Tabelle A wurden den Lebensphasen der bundesdeutschen Gesellschaft angepasst. Die Zeit von 18 bis 35 Jahren ist die der beruflichen Ausbildung und Familiengründung. Die Zeit der beruflichen Festigung, Karriere, Betreuung von heranwachsenden Kindern und Pflege von älteren Angehörigen fällt in die Zeit zwischen 36 und 65 Jahren. Die dritte Lebensphase beginnt im Alter von 65 Jahren, wenn die berufliche Tätigkeit in den meisten Fällen abgeschlossen ist. Die Aufteilung der Bildungsstufen wurde nach der Dauer der schulischen Allgemeinbildung vorgenommen. Dabei gilt die Dauer der schulischen Bildung bis einschließlich 9 Jahren als geringes Bildungsniveau. Bei einer Schuldauer von 10 oder 11 Jahren handelt es sich um ein mittleres Bildungsniveau und bei mehr als 11 Jahren um ein hohes Bildungsniveau.

_____

¹ Was glauben Sie, wie wird Ihre eigene wirtschaftliche Lage in einem Jahr sein? Erwarten Sie, dass Ihre wirtschaftliche Lage dann: 1) wesentlich besser sein wird als heute, 2) etwas besser sein wird als heute, 3) gleichbleibt, 4) etwas schlechter sein wird, oder 5) wesentlich schlechter sein wird als heute?

 

Validität

Inhaltliche Validität

Inhaltliche Validität ist gegeben, wenn ein Item das zu messende Konstrukt wirklich bzw. hinreichend präzise abbildet (Bühner, 2011). Eine empirische Prüfung der Inhaltsvalidität ist meist nicht möglich. Um zu überprüfen, ob ein Verfahren inhaltlich valide ist, wird üblicherweise dessen Konstruktion detailliert beleuchtet (Rammstedt, 2010). Inhaltliche Validität ist gegeben, wenn das zu messende Konstrukt a priori hinreichend definiert und die Items von einem Expertengremium im Hinblick auf ihre Gültigkeit beurteilt werden. Die inhaltliche Validität des BFI-10 wurde sichergestellt, indem die Formulierung der Items eng an der Definition der Konstrukte orientiert war. Zudem wurde darauf geachtet, dass für jeden Big Five-Faktor die beiden gewählten Items verschiedene Aspekte des Faktors abdecken. Außerdem wurden die Itemformulierungen einem Expertenreview unterzogen und anschließend in einem kognitiven Pretest für die anvisierte Zielgruppe optimiert.

Faktorielle Validität

Faktorielle Validität kann als gegeben angesehen werden, wenn die Annahmen über die dimensionale Struktur des zu erfassenden Konstrukts überprüfbar sind und belegt werden können. Die faktorielle Validität des BFI-10 kann gesichert werden, indem die Annahmen des Fünf-Faktoren-Modells der Persönlichkeit anhand des BFI-10 überprüft werden. Das Modell geht von fünf abstrakten weitgehend unkorrelierten Dimensionen aus, auf denen menschliches Erleben und Verhalten beschrieben werden kann. In Anlehnung an frühere Analysen (Rammstedt, Goldberg & Borg, 2010; Rammstedt & Kemper, 2011) wurde daher mit den Daten von Stichprobe 2 eine Hauptkomponentenanalyse mit Varimax-Rotation durchgeführt und fünf Faktoren extrahiert. Die Daten waren für die Durchführung einer PCA mäßig geeignet. Der KMO-Koeffizient lag bei .63, die MSA-Koeffizienten der Items lagen zwischen .52 und .70 (vgl. Bühner, 2011), der Bartlett-Test war signifikant (p < .001). Die Ladungen der Items auf den Faktoren sind in Tabelle 4 dargestellt.

Tabelle 4: Faktorladung der BFI-Items in Stichprobe 2
Items

F1

F5

F3F2F4
(1) Ich bin eher zurückhaltend, reserviert. -.77-.02 .11 .12 .09
(2) Ich schenke anderen leicht Vertrauen, glaube an das Gute im Menschen. .27-.81 .12 .16 .02
(3) Ich bin bequem, neige zur Faulheit.  .00 .16-.77 .07-.02
(4) Ich bin entspannt, lasse mich durch Stress nicht aus der Ruhe bringen. .03- .01 .05-.79  .01
(5) Ich habe nur wenig künstlerisches Interesse.-.01 .07 .02-.05  .92
(6) Ich gehe aus mir heraus, bin gesellig.   .77-.11 .20-.12 
-.04
(7) Ich neige dazu, andere zu kritisieren. .34 .66-.02 .35 .08
(8) Ich erledige Aufgaben gründlich. .09 .04 .82-.08-.09
(9) Ich werde leicht nervös und unsicher.-.25 .01-.12 .76 .03
(10) Ich habe eine aktive Vorstellungskraft, bin fantasievoll. .45 .09  .21-.14-.54

Anmerkung: N = 1134

 

Tabelle 4 zeigt, dass hypothesenkonform alle Items ihre höchste Ladung auf dem Faktor aufweisen, denen sie aufgrund theoretischer Erwartungen zugeordnet sind. Auf dem ersten Faktor beispielsweise laden beide Items, die Extraversion erfassen sollten: Item 1 und Item 6. Die Faktormatrix spricht demnach für die faktorielle Validität des BFI-10.

Konstruktvalidität

Konstruktvalidität ist gegeben, wenn sich der Messwert einer Skala als Indikator für das Merkmal eignet, das mit der Skala gemessen werden soll. Die Eignung wird daran beurteilt, wie gut sich die Skala im Hinblick auf Hypothesen, die sich aus dem Modell des zu erfassenden Merkmals ableiten lassen, empirisch bewährt. Bei der Konstruktvalidierung werden anhand theoretischer Überlegungen positive, negative und Nullbeziehungen einer zu validierenden Skala mit anderen empirischen Indikatoren postuliert (nomologisches Netzwerk) und es wird getestet, ob sich das vorhergesagte Muster empirisch belegen lässt (Krohne & Hock, 2007). Um die Konstruktvalidität des BFI-10 zu belegen, werden im Folgenden Korrelationen des BFI-10 mit dem NEO-PI-R, dem etabliertesten Maß zur Erfassung der fünf Faktoren der Persönlichkeit, aus der Studie von Rammstedt und John (2007) berichtet. Weiterhin werden Korrelationen der BFI-10-Skalen mit soziodemographischen Variablen und verschiedenen sozialwissenschaftlichen Inhaltsvariablen berichtet, die anhand von Stichprobe 2 ermittelt wurden. Es wurde geprüft, ob die aus der Fachliteratur bekannten typischen Korrelationen der Big Five mit dem BFI-10 repliziert werden können. Die praktische Bedeutsamkeit der berichteten empirisch ermittelten Validitätskoeffizienten wird nach den Richtlinien von Cohen (1992) vorgenommen: kleiner Effekt (r = .10), mittlerer Effekt (r = .30), starker Effekt (r = .50).

Rammstedt und John (2007) untersuchten die Zusammenhänge zwischen den Skalen des BFI-10 und denen des NEO-PI-R sowohl auf Ebene der Hauptskalen wie auch auf Ebene der einzelnen Facetten. Wie aus Tabelle 5 entnommen werden kann, korrelieren die korrespondierenden (Haupt-)Skalen der beiden Verfahren hoch miteinander (im Mittel: .69). Niedrige Korrelationen ergeben sich erwartungskonform für die nicht-korrespondierenden Skalen (im Mittel: -.01). In Hinblick auf die Zusammenhänge der BFI-10-Skalen mit den NEO-PI-R-Facetten zeigt sich, dass 27 der 30 Facetten am höchsten mit den entsprechenden BFI-10-Skalen korrelieren. Die drei Ausnahmen finden sich auch in Bezug auf den vollständigen BFI und scheinen eher konzeptionell bedingt zu sein (vgl. John, Naumann & Soto, 2010)

Tabelle 5: Korrelationen der BFI-10-Skalen mit den NEO-PI-R-Skalen (aus Rammstedt & John, 2007; deutsche Stichprobe G-1)
NEO-PI-R-SkalenBFI-10-Skalen
EVGNO
Extraversion.79.11 .08-.34.27
Herzlichkeit.53.34.08-.23.22
Geselligkeit.55.11-.03-.16.09
Durchsetzungsfähigkeit.72-.13.02-.39 .21
Aktivität .58.01.33-.12.29
Erlebnishunger.34.04-.17-.07.05
Frohsinn.53.14.12-.41.24
Facetten-Mean.55.09.06-.23.18
Verträglichkeit-.05.65.14-.07-.06
Vertrauen.25.64.06-.22.05
Freimütigkeit-.15.34.20.00-.08
Altruismus.18.44.07-.11.06
Entgegenkommen-.21 .43.04-.10-.08
Bescheidenheit-.28 .22.05.19-.19
Gutherzigkeit.04 .30.08.02.00
Facetten-Mean-.03.40.08-.04-.04
Gewissenhaftigkeit.20.02.70-.25.08
Kompetenz.32.05.37-.47.18
Ordnungsliebe.03.01.44-.07-.04
Pflichtbewusstsein.10.05.59-.08.02
Leistungsstreben.27-.01.60-.08.18
Selbstdisziplin.24.12.70-.30.12
Besonnenheit-.08-.12.22-.07-.11
Facetten-Mean.15.02.50-.18.06
Neurotizismus-.31-.10-.05.71-.04
Ängstlichkeit-.21-.06.01.68-.01
Reizbarkeit-.06-.30-.04.56.06
Depression-.36-.05-.07.54-.09
Befangenheit-.46-.09.04.59-.14
Impulsivität.02.00-.13.26.19
Verletzlichkeit-.31-.01-.09.67-.15
Facetten-Mean-.24-.09-.05.56-.02
Offenheit.26.17-.02-.17.61
Fantasie.13.17-.20.02.58
Ästhetik.17.22.10-.05.56
Gefühle.26.12.08.06.46
Handlungen.23.08.02-.26.32
Ideen.20.00.01-.32.33
Werte.09.19-.10-.13.09
Facetten-Mean.18.12-.02-.12.40
 

Neben diesen Befunden zur konvergenten und diskriminanten Validität werden im Folgenden weitere Validitätsbefunde aus Stichprobe 2 berichtet (siehe Tabelle 6). Für die sozialwissenschaftliche Forschung sind insbesondere die Zusammenhänge des BFI-10 mit soziodemographischen Variablen und sozioökonomischen Erfolgsvariablen von Interesse. In Bezug auf die soziodemografischen Variablen Alter und Geschlecht lassen sich die bereits etablierten Zusammenhänge weitgehend replizieren: Extraversion korreliert negativ und Gewissenhaftigkeit positiv mit dem Alter (Caspi, Roberts, & Shiner, 2005; Lucas & Donnellan, 2011; McCrae et al., 1999). In Bezug auf Geschlechtsunterschiede zeigt sich auch für das BFI-10 der bekannte Effekt, dass Frauen im Vergleich zu Männern signifikant höhere Werte in Neurotizismus aufweisen (vgl. Costa et al. 2001; Feingold, 1994; Körner et al., 2002; Srivastava et al., 2002; Viken, Rose, Kapiro, & Koskenvuo, 1994). Für Bildung bzw. kulturelles Kapital, gemessen über die Anzahl der Schuljahre und Bücher im Elternhaus, lassen sich die bekannten Effekte für die Dimension Offenheit replizieren: Gebildete Personen sind offener (vgl. Caspi et al, 2005.; Goldberg et al., 1998; Körner et al., 2002; Vassend & Skrondal, 1995).

In Bezug auf Inhaltsvariablen zeigen die BFI-10-Skalen mittlere Korrelationen mit verschiedenen globalen und spezifischen Maßen der Lebenszufriedenheit. Neurotizismus korreliert durchweg negativ mit den Zufriedenheitsmaßen. Dies ist konsistent mit der Tendenz neurotischer Menschen, negative Gefühle wie beispielsweise Unzufriedenheit zu empfinden. Der negative Zusammenhang von Neurotizismus und Zufriedenheit steht im Einklang mit den Ergebnissen von Rammstedt (2008) oder aber auch denen von Kelly und Conley (1987) zu Ehezufriedenheit. Bezüglich Arbeitszufriedenheit passt das beobachtete Korrelationsmuster zu den Befunden der Metaanalyse von Judge, Heller und Mount (2002), die ebenfalls positive Zusammenhänge mit Extraversion, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit sowie einen negativen Zusammenhang mit Neurotizismus nachweisen konnten.

Die Ergebnisse zur selbst eingeschätzten gesundheitlichen Beeinträchtigung ähneln den Befunden zu den Zufriedenheitsmaßen: Neurotische Menschen fühlen sich physisch wie psychisch stärker beeinträchtigt als weniger neurotische. Dies wird zum einen durch die Tendenz neurotischer Menschen bedingt, negative Emotionen zu erleben und auszudrücken, aber auch durch tatsächliche negative Einflüsse von Pessimismus und Ängstlichkeit auf die Gesundheit (Friedman, 2000). Eine höhere Extraversion hingegen geht mit einer geringeren Beeinträchtigung einher.

Tabelle 6: Validitätskoeffizienten des BFI-10 in Stichprobe 2.
ExtraversionVerträglichkeitGewissenhaftigkeitNeurozitismusOffenheit
Soziodemografische VariablenAlter-.21**.08**.17**-.03-.10**
Geschlecht.04.06*.12**.21**.10**
Einkommen¹.12**-.05.04-.17**.07
Bildung:Schuljahre¹.16**-.04-.01-.05.24**
Bildung: Bücher¹.14**.02-.00-.06*.25**
ZufriedenheitLeben.28**.14**.25**-.29**.19**
Arbeit.13**.13**.29**-.20**.14**
Partner.17**.07.23**-.18**.12**
Gesundheit22**.04.15**-.25**.16**
Gesundheitliche BeeinträchtigungPhysisch-.23**-.04-.05.22**-.13**
Psychisch-.23**-.06*-.19**.35**-.09**
DevianzFahren ohne Fahrkarte.08**-.10**-.24**.07*.06*
Autofahren über 0.5 Promille.07*-.14**-.14**-.03-.04
Diebstahl.02-.11**-.22**.05.01
Steuerhinterziehung.07*-.09**-.11**-.05-.05
Effort-Reward-Imbalance.16**-.05-.06*-.04.04
Größe soziales Netz².12**-.02.03.04.14**
Vertrauen.16**.35**.14**-.16**16.**
Politische Partizipation.18**

-.07*

.05-.12**.27**

Anmerkung: ¹ Rangkorrelation nach Spearman. ² Anzahl der genannten Personen auf die Frage: „Hin und wieder besprechen die meisten Leute wichtige Angelegenheiten mit Anderen: Wenn Sie an die letzten sechs Monate zurückdenken, mit wem haben Sie über Dinge gesprochen, die Ihnen wichtig waren?“ * p < .05, ** p < .01. N zwischen 103 und 1134.

 

Weitere Zusammenhänge der BFI-10-Skalen wurden mit verschiedenen sozialwissenschaftlichen Inhaltsvariablen wie beispielsweise der Effort-Reward-Imbalance (Siegrist et al., 2004), der Größe des sozialen Netzwerks, Devianz, politischer Partizipation und interpersonellem Vertrauen ermittelt. Mit der Effort-Reward-Imbalance nach Siegrist et al. (2004) ist Extraversion positiv assoziiert, während die übrigen vier Faktoren keine substanziellen Zusammenhänge aufweisen. Die Größe des sozialen Netzwerks, erfasst über die Anzahl der Personen, mit denen eine Befragungsperson über wichtige Angelegenheiten sprechen, korreliert positiv mit Extraversion und Offenheit. Dies spiegelt die Tendenz Extravertierter wider, die Gesellschaft anderer Menschen zu suchen; auch passt es zur Neigung offener Personen, neue Erfahrungen und Situationen aufzusuchen, in denen soziale Kontakte entstehen können (Amelang & Bartussek, 2001). Deviantes Verhalten wie Autofahren ohne Führerschein oder Diebstahl korreliert in geringer bis mittlerer Höhe (negativ) mit Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit, aber nur unwesentlich mit den übrigen Faktoren. Hinsichtlich politischer Partizipation ergibt sich folgernder Befund: Insbesondere extravertierte und offene Personen scheinen sich politisch zu engagieren. Für Neurotizimus zeigt sich eher kleiner negativer Zusammenhang. Gerber, Huber, Doherty, Dowling, Raso und Ha (2011) fanden ähnliche Zusammenhänge mit Neurotizismus und Extraversion. Auch ist hier auf die Tendenz offener Personen hinzuweisen, sich für vieles zu interessieren. Schließlich korreliert interpersonelles Vertrauen erwartungsgemäß negativ mit Neurotizismus und positiv mit den anderen vier Faktoren. Besonders deutlich im Vergleich zu den anderen Skalen korreliert Verträglichkeit mit diesem Kriterium. Vertrauen in andere Menschen gilt als ein Kernaspekt der Persönlichkeitsdimension Verträglichkeit (Amelang & Bartussek, 2001; Ostendorf & Angleitner, 2004).

Referenzwerte

Im Appendix A sind Referenzwerte in Form von Gruppenmittelwerten und Standardabweichungen für den BFI-10 abgedruckt. Diese wurden anhand der Zufallsstichprobe (Stichprobe 2) ermittelt und erlauben dem Anwender einen Vergleich der BFI-10-Werte aus seiner Untersuchung mit denen relevanter Subgruppen aus einer bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe, zum Beispiel von Männern oder Frauen, von Personen mit unterschiedlicher Schulbildung oder unterschiedlichem Alter. Die Altersgruppen in Appendix A wurden den Lebensphasen der bundesdeutschen Gesellschaft angepasst. Die Zeit von 18 bis 35 Jahren ist die der beruflichen Ausbildung und Familiengründung. Die Zeit der beruflichen Festigung, Karriere, Betreuung von heranwachsenden Kindern und Pflege von älteren Angehörigen fällt in die Zeit zwischen 36 und 65 Jahren. Die dritte Lebensphase beginnt im Alter von 65 Jahren, wenn die berufliche Tätigkeit in den meisten Fällen abgeschlossen ist. Die Aufteilung der Bildungsstufen wurde nach der Dauer der schulischen Allgemeinbildung vorgenommen. Dabei gilt die Dauer der schulischen Bildung bis einschließlich 9 Jahren als geringes Bildungsniveau. Bei einer Schuldauer von 10 oder 11 Jahren handelt es sich um ein mittleres Bildungsniveau und bei mehr als 11 Jahren um ein hohes Bildungsniveau.

Neben diesen Referenzwerten in Form von Gruppenmittelwerten existieren auch Normen für den BFI-10, zum Beispiel für verschiedene Altersgruppen (<30, 30-44, 45-59, ≥60 Jahre), für unterschiedliche Bildungsniveaus (ohne Schulabschluss, mit Schulabschluss nach 10 Jahren oder weniger Beschulung, mit höherem Bildungsabschluss, Hochschulstudienabschluss) sowie für beide Geschlechter (männlich, weiblich) (Rammstedt, 2007). Die Erhebung der Normen erfolgte 2003 und 2004 im Rahmen des International Social Survey Programms (ISSP). Die Eichstichprobe (N = 2567) setzte sich aus Einwohnern der Bundesrepublik Deutschland zusammen. Das durchschnittliche Alter der männlichen Studienteilnehmer (N = 1272) betrug 46.4 Jahre (SD = 16.7), das der weiblichen Studienteilnehmer 48.6 Jahre (SD = 17.7).