Kurzskalen psychologischer Merkmale

Skalenkonzept

Theoretischer Hintergrund

Menschen unterscheiden sich systematisch in ihrer Bereitschaft, Risiken einzugehen (Zuckerman, 2007). Konzeptualisiert als Persönlichkeitsmerkmal beschreibt die Risikobereitschaft eine generelle Präferenz dafür, riskante Verhaltensoptionen zu wählen oder zu vermeiden (Kam, 2012; Sitkin & Pablo, 1992). Die theoretische Einordnung des Konstrukts Risikobereitschaft im Rahmen etablierter Persönlichkeitstheorien wird jedoch kontrovers diskutiert. Einige Forscher sehen die Risikobereitschaft als Teil der Facette „Erlebnissuche“, einer Subdimension der Big-Five-Dimension Extraversion (z.B. Borkenau & Ostendorf, 1993; Costa & McCrae, 1992; Whiteside & Lynam, 2001; für einen Überblick siehe John & Srivastava, 1999). Andere Wissenschaftler kritisieren, dass die Risikobereitschaft im Big-Five-Modell nur unzureichend Berücksichtigung finde (z.B. Andresen, 1995; Becker, 1999; siehe auch Berth & Brähler, 2003). Andresen (2003) integriert die Risikobereitschaft deshalb als eigenständige Dimension in sein sechs Dimensionen umfassendes Persönlichkeitsmodell. Von Zuckerman (2007) wird die Risikobereitschaft in Verbindung mit Sensation Seeking diskutiert. Das Persönlichkeitsmerkmal Sensation Seeking definiert Zuckerman (1994, zitiert nach Beauducel et al., 2003, S. 61) als „Tendenz, vielfältige, neue komplexe und intensive Erfahrungen zu machen und die Bereitschaft, für diese Erfahrungen physische, soziale, legale und finanzielle Risiken einzugehen“. Als Sensation Seeking wird damit die Suche nach Reizen beschrieben, die mit (hohen) Risiken behaftet sind. Das Konzept der Risikobereitschaft wird hier als ein Teilaspekt von Sensation Seeking betrachtet. Personen mit einer hohen Merkmalsausprägung in Sensation Seeking sind dabei eher bereit, diese Risiken auch einzugehen (vgl. Arnett, 1994; Zuckerman, 2007). Zusammenhänge der Risikobereitschaft mit weiteren psychologischen Variablen werden unter anderem für Lebenszufriedenheit (Diener, 1984; Dohmen et al., 2009), Selbstwirksamkeit (Bandura, 1997; Barbosa, Gerhardt & Kickul, 2007) sowie Impulsivität (Mishra, LaLumiere & Williams, 2010) berichtet.¹

In der Forschung wird zwischen der (verbalisierten) Risikobereitschaft und dem konkreten Risikoverhalten unterschieden. Die Risikobereitschaft hat dabei einen bedeutsamen Einfluss auf das Risikoverhalten von Personen (Zuckerman, 2007). Demzufolge neigen Personen, die sich selbst als hoch risikobereit beschreiben, auch häufiger zu risikoreichem Verhalten. Das konkrete Verhalten in einer Risikosituation ist sowohl von stabilen Verhaltensprädispositionen als auch von situativen Einflussfaktoren abhängig (Ferrey & Mishra, 2014). Hierzu zählt insbesondere die Risikowahrnehmung, welche durch die Wahrscheinlichkeit und die Höhe eines potenziellen Verlustes sowie durch die Höhe des möglichen Gewinns bestimmt wird (Sokolowska & Pohorille, 2000). Die Risikobereitschaft einer Person kann dabei auch intraindividuell zwischen verschiedenen Bereichen oder Kontexten variieren. Eine Person kann beispielsweise in Bezug auf Geldanlagen eher risikoavers sein, wohingegen sie im sportlichen Bereich Risiken weniger scheut. Empirische Befunde unterstützen jedoch die Annahme, dass es sich bei der selbstberichteten Risikobereitschaft um ein zeit-, situations- und kontextübergreifendes Persönlichkeitsmerkmal handelt (Zuckerman, 2007). So berichten Zuckerman, Buchsbaum und Murphy (1980) sowie Beauducel, Strobel und Brocke (2003) hohe Stabilitäten der Risikobereitschaft über Zeitpunkte hinweg. Dohmen at al. (2009) fanden hohe Konsistenzen der selbsteingeschätzten Risikobereitschaft zwischen verschiedenen Lebensbereichen (z.B. schnelles Autofahren, Risikosportarten ausüben). Empirische Studien belegen Zusammenhänge der Risikobereitschaft zum Beispiel mit folgenden Verhaltensvariablen: Glücksspiel (Mishra et al., 2010), Neigung zu riskanten finanziellen Entscheidungen (Badunenko, Barasinska & Schäfer, 2009), Delinquenz (Schwenkmezger, 1983), Fahrverhalten (Hippius & Joswig, 1999) Karriereentscheidungen (Saks & Shore, 2005), politische Partizipation (Kam, 2012).   

In zahlreichen Untersuchungen zeigten sich zudem systematische Unterschiede in der Ausprägung der Risikobereitschaft im Hinblick auf verschiedene soziodemographische Gruppen (Dohmen et al., 2009; Zuckerman, 1994). Byrnes, Miller und Schafer (1999) kamen in einer Metanalyse zu dem Ergebnis, dass Männer risikobereiter sind als Frauen. Diese Tendenz zeigte sich konsistent über verschiedene Bereiche hinweg, z.B. bei gesundheitsbezogenen, finanziellen oder ethischen Entscheidungen. Harris und Jenkins (2006) sowie Weber, Blais und Betz (2002) führen dieses Ergebnis darauf zurück, dass Frauen die Wahrscheinlichkeit negativer Konsequenzen des risikoreichen Verhaltens als höher einschätzen. Die Risikobereitschaft und die Tendenz zu riskantem Verhalten sinken mit dem Alter (Dohmen et al., 2009; Gardner & Steinberg, 2005; Steinberg, 2007). Personen mit schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen sowie Arbeitslose berichteten in Studien eine niedrigere Risikoneigung (Dohmen et al., 2009).

Aufgrund der hohen prädiktiven Validität des Merkmals wird die Risikobereitschaft regelmäßig in bevölkerungsrepräsentativen Umfragen miterhoben (z. B. in der German Longitudinal Election Study, GLES, dem Sozioökonomischen Panel, SOEP). Die Messung der Risikobereitschaft erfolgt in Surveys in der Regel über Selbstberichtsskalen sowie im Rahmen experimenteller Studien. Im SOEP wird die Risikobereitschaft seit dem Jahr 2004 mittels einer Selbstberichtskala mit nur einem Item erhoben. Es existieren jedoch auch Multi-Item-Skalen. So legten Weber, Blais und Betz (2002) ein Messinstrument mit 40 Items zur Erfassung bereichsspezifischer Risikoeinstellungen und Risikoverhaltensweisen vor. Aufgrund der theoretischen Überlappung der Konstrukte, werden zur Erfassung der Risikobereitschaft häufig auch Skalen verwendet, die ursprünglich für die Messung von Sensation Seeking bzw. Impulsivität entwickelt wurden. Hierzu zählt zum Beispiel die 12 Items umfassende Skala „Risikobereitschaft“ der „UPPS Impulsive Behavior Scale“ (Whiteside & Lynam, 2001; deutsche Versionen: Keye, Wilhelm & Oberauer (2009); Schmidt, Gay, Acremont & van der Linden, 2008) sowie die Skala „Gefahr- und Abenteuersuche“ der Sensation Seeking-Skalen - Form V mit 10 Items (Zuckerman, Eysenck & Eysenck, 1978; deutsche Version: Beauducel et al., 2003).

Selbstberichtsskalen zur Erfassung der Risikobereitschaft werden von einigen Autoren kritisch betrachtet. Mehrere Einflussfaktoren, wie zum Beispiel die Gabe von Anreizen (Incentives), können in Surveys die Angaben der Befragten verzerren (s. Camerer & Hogarth, 1999). Dohmen und Kollegen (2009) beschreiben mögliche experimentelle Verfahren zur Erfassung der Risikoneigung bzw. -einstellung. Die Autoren untersuchten zudem die Validität experimenteller und nichtexperimenteller Ansätze zur Messung der Risikobereitschaft. Ihre Studie ergab, dass die im SOEP verwendete Selbstberichtskala mit einem Item ein geeignetes Maß für die allgemeine Risikobereitschaft einer Befragungsperson darstellt (siehe auch Abschnitt 4 der vorliegenden Arbeit). Allerdings können bereichsspezifische Maße die Prädiktion risikohaften Verhaltens weiter erhöhen und sollten bei ausreichenden Ressourcen auch in Large-Scale-Surveys gegenüber kürzeren, allgemeineren Ein-Item-Skalen bevorzugt werden (Coppola, 2014).

Aufbau

Die Kurzskala R-1 misst die selbsteingeschätzte Risikobereitschaft der Person mit einem Item und folgendem Wortlaut: „Wie schätzen Sie sich persönlich ein: Wie risikobereit sind Sie im Allgemeinen?“. Die Befragungspersonen geben ihre Antwort auf einer 7-stufigen Antwortskala an (1 = „gar nicht risikobereit“, 7 = „sehr risikobereit“). Die deutsche und die englische Version der Skala sind im Downloadbereich zu finden.

Auswertung

Der Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson in der Risikobereitschaft ergibt sich aus dem Itemrohwert. Da die R-1 aus nur einem Item besteht, stellt die Antwort der Befragungsperson auf dem Item gleichzeitig den Skalenwert dar. Der Wertebereich des Skalenwerts liegt folglich zwischen 1 und 7 (für Referenzwerte siehe Abschnitt Referenzwerte und Appendix A).

Items

In Tabelle 1 sind die deskriptiven Statistiken für die Kurzskala R-1 dargestellt. Sie basieren auf den Daten einer Quotenstichprobe (Stichprobe 1, 2 Wellen), einer heterogenen Onlinegelegenheitsstichprobe (Stichprobe 2) sowie einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3;  siehe Abschnitt Entwicklung und Validierung).

Skalenkonzept-

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Aufbau

Die SOP2 zur Erfassung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus besteht aus zwei Items (siehe Appendix B). Für die Antworten der Befragungsperson steht eine siebenstufige Ratingskala zur Verfügung. Die Antwortkategorien der SOP2 gehen von „gar nicht optimistisch“ (1) bis „sehr optimistisch“ (7) bzw. von „gar nicht pessimistisch“ (1) bis „sehr pessimistisch“ (7).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson in dem Merkmal Optimismus-Pessimismus zu erhalten, werden deren Antworten auf den beiden Items aggregiert. Der Messwert SOP2 wird gebildet, indem die Antwort auf das Pessimismusitem rekodiert wird (für Details siehe Appendix D) und anschließend ein Mittelwert aus dem rekodierten Pessimismusitem und dem Optimismusitem gebildet wird. Der Werte-bereich für SOP2 liegt dann zwischen 1 und 7 (für Referenzwerte siehe Appendix A).

Items

Die SOP2 ermöglicht eine Messung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus mit nur zwei Items, eines, das Optimismus und ein weiteres, das Pessimismus erfasst. Um sicher zu stellen, dass Begriffe Optimismus und Pessimismus von allen Befragten in gleicher Weise verstanden werden, werden die Items jeweils durch eine kurze Konstruktdefinition eingeleitet. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der beiden Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3, siehe Tabelle 2).

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Tabelle 1:  Deskriptive Statistiken der R-1 aus Stichprobe 1, 2 und 3
ErhebungsmodusN

M

SD

Sch

Kurt

Stichprobe 1 - Welle 1CAPI4073.861.54-.06-.91
Papier1313.751.59.01-1.0
Stichprobe 1 - Welle 2CAPI2263.941.53-.19-.97

 

Papier1113.881.61.05-.94
Stichprobe 2CAWI7413.961.51-.20-.65
Stichprobe 3CAPI11303.611.59-.03-.69

Anmerkungen: Sch = Schiefe, Kurt = Kurtosis. CAPI = Computer Assisted Personal Interview, CAWI = Computer Assisted Web Interview, Papier = Papierversion (Selbstausfüller).

Skalenkonzept (Kopie 1)

Theoretischer Hintergrund

Das Konstrukt der Selbstwirksamkeit (engl.: Self-Efficacy) bezieht sich auf die Einschätzung eigener Kompetenzen, Handlungen erfolgreich ausführen zu können. Vor diesem Hintergrund dient die vorliegende Kurzskala (ASKU) der Erfassung der „persönliche[n] Einschätzung der eigenen Kompetenzen, allgemein im täglichen Leben mit Schwierigkeiten und Barrieren zu Recht zu kommen und kritische Anforderungssituationen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können“ (Hinz, Schumacher, Albani, Schmid & Brähler, 2006, S. 26). Das zu erfassende Konstrukt der Self-Efficacy geht auf Bandura (1977) zurück und wird als eindimensional konzipiert. Selbstwirksamkeitserwartungen beeinflussen zahlreiche Aspekte menschlicher Tätigkeit, wie z. B. Ziele, Ausdauer, Strategienutzung und Umgang mit Misserfolg (Bandura, 1997; Pajares, 1997; Schunk, 1991). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung spiegelt dabei eine über Situationen und Handlungsfelder generalisierte Kompe-tenzerwartung wider (Bandura, 2006). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wurde bisher vorwiegend in pädagogisch-psychologischen, gesundheits- und sozialpsychologischen Studien erhoben. Die allgemeine Selbstwirksamkeit bezieht sich dabei nicht auf ein spezifisches Handlungs- oder Funktionsfeld (vgl. Bandura, 2006, S. 307). Stattdessen spiegelt die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wider, dass Menschen ihre Erfahrungen zu Erfolgen und Misserfolgen über Situationen hinweg generalisieren (Jerusalem & Schwarzer, 1999). Mehrere Studien zeigen, dass Kompetenzerwartungen in unterschiedlichen Lebensbereichen positive Auswirkungen haben (z.B. Bandura, 1997; Luszczynska, Gutiérrez-Dona & Schwarzer, 2005). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung weist Beziehungen zu verwandten Konstrukten wie Selbstwert, Kontrollüberzeugungen und Ergebniserwartungen auf (Judge, Erez, Bono & Thoresen, 2002). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung kann dabei als persönliche Bewältigungsressource aufgefasst werden (Schwarzer, 1994): Sie weist positive Zusammenhänge mit Optimismus und Arbeitszufriedenheit auf; negative Zusammenhänge zeigten sich unter anderem mit Ängstlichkeit und Arbeitsstress (Lus-zczynska et al., 2005).

Aufbau

Die ASKU ist mit drei Items als eindimensionale Skala konzipiert (siehe Abschnitt 2.4 und Appendix B). Das Format für die Beantwortung der Items ist fünfstufig. Die Antwortkategorien sind die folgenden: „trifft gar nicht zu“ (1), „trifft wenig zu“ (2), „trifft etwas zu“ (3), „trifft ziemlich zu“ (4), „trifft voll und ganz zu“ (5).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson zu erhalten, werden die Antworten auf den einzelnen Items gemittelt. Der mittlere Skalenwert variiert zwischen 1 und 5 (für Referenzwerte siehe Abschnitt 5.4 und Appendix A).

Items

Die ASKU ermöglicht die Messung des Konstrukts Allgemeine Selbstwirksamkeit mit nur drei Items. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der drei Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3, siehe Tabelle 2).

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Das Persönlichkeitsmerkmal Optimismus-Pessimismus wird seit mehr als drei Dekaden in der psychologischen Forschung untersucht. Am weitesten verbreitet ist die Konstruktdefinition­ von Scheier und Carver (1985), die Optimismus und Pessimismus als Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Ereignisse ansehen. Während Optimisten davon ausgehen, dass ihnen meist „Gutes“ widerfährt, neigen Pessimisten dazu „Schlechtes“ zu erwarten. Solche Erwartungen beziehen sich laut Scheier und Carver nicht auf einzelne Bereiche des Lebens, sondern betreffen alle Bereiche. Optimismus und Pessimismus können daher als generalisierte Versionen von Vertrauen und Zweifel angesehen werden (Carver, Scheier, & Segerstrom, 2010). Aufgrund ihrer Ausprägung in diesem Persönlichkeitsmerkmal unterscheiden sich Optimisten und Pessimisten grundlegend in ihrer Herangehensweise an das Leben. Empirische Befunde bestätigen, dass die interindividuellen Unterschiede in diesem Persönlichkeitsmerkmal profunde Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben können, zum Beispiel auf ihre Lebenszufriedenheit, ihr Selbstkonzept, ihre Gesundheit, auf die Art und Weise alltägliche Probleme und Herausforderungen zu bewältigen, ihren sozioökonomischen Erfolg und auf ihre Beziehungen zu anderen (für eine Übersicht siehe Carver et al., 2010; Nes & Segerstrom, 2006; Rasmussen et al., 2009; Scheier & Carver, 1992).

Aufbau

Die SOP2 zur Erfassung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus besteht aus zwei Items (siehe Tabelle 1). Für die Antworten der Befragungsperson steht eine siebenstufige Ratingskala zur Verfügung. Die Antwortkategorien der SOP2 gehen von „gar nicht optimistisch“ (1) bis „sehr optimistisch“ (7) bzw. von „gar nicht pessimistisch“ (1) bis „sehr pessimistisch“ (7).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson in dem Merkmal Optimismus-Pessimismus zu erhalten, werden deren Antworten auf den beiden Items aggregiert. Der Messwert SOP2 wird gebildet, indem die Antwort auf das Pessimismusitem rekodiert wird (für Details siehe Appendix D) und anschließend ein Mittelwert aus dem rekodierten Pessimismusitem und dem Optimismusitem gebildet wird. Der Wertebereich für SOP2 liegt dann zwischen 1 und 7 (für Referenzwerte siehe Appendix A).

Items

Die SOP2 ermöglicht eine Messung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus mit nur zwei Items, eines, das Optimismus und eines, das Pessimismus erfasst. Um sicher zu stellen, dass die Konstrukte Optimismus und Pessimismus von allen Befragten in gleicher Weise verstanden werden, werden die Items jeweils durch eine kurze Konstruktdefinition eingeleitet. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der beiden Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3).

Um die Nutzung der Skala für englischsprachige Untersuchungen zu ermöglichen, wurde diese ins Englische übersetzt. Die International Test Commission (2010) empfiehlt hierbei ein zweistufiges Verfahren. Zunächst haben zwei hauptberufliche, muttersprachliche Übersetzer die Items unabhängig voneinander übersetzt. Dabei wurden eine Übersetzung in britischem Englisch und die andere in amerikanischem Englisch angefertigt. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt, in dessen Verlauf die Übersetzungsvorschläge in einer Gruppe von Experten für die psychologischen Merkmale, den Übersetzern und einem weiteren Experten für Fragebogenübersetzung diskutiert und überarbeitet wurden. Die englische Version der Skala ist in Appendix C zu finden. Die Güte der Übersetzungen wurde bislang allerdings noch nicht geprüft.

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¹ Impulsivität und Sensation Seeking werden häufig als ein Konstrukt betrachtet, obwohl empirische Belege dieser Annahme widersprechen (Steinberg et al., 2008). Danach zeigten sich in Studien unterschiedliche Altersverläufe für beide Variablen. Bezüglich der Impulsivität wird dabei angenommen, dass diese multidimensional ist und mehrere Aspekte impulsiven Verhaltens umfasst (Herpertz & Saß, 1997).