Kurzskalen psychologischer Merkmale

Entwicklung und Validierung

Die Itemselektion und die Validierung erfolgten in einem mehrstufigen Verfahren auf der Basis qualitativer und quantitativer Analysen. Ziel der Selektion war die Konstruktion einer Kurzskala zur ökonomischen Erfassung der Allgemeinen Selbstwirksamkeit (Bandura, 1997). Den Ausgangspunkt stellte die von Jerusalem und Schwarzer (1999) vorgelegte 10-Item-Skala. Ein Nachteil der Skala ist, dass zur Messung des eindimensionalen Konstrukts 10 Items benötigt werden. Darüber hinaus weist die Skala hinsichtlich des Wortlauts der Items Schwierigkeiten auf: In einzelnen Items werden Begriffe verwendet, die einen großen Deutungsspielraum zu lassen (vgl. Faulbaum, Prüfer & Rexroth, 2009).

Um eine Vorauswahl von Items zu treffen, wurde in einem ersten Schritt eine Reanalyse von Daten aus unterschiedlichen Stichproben durchgeführt. Diese Daten wurden von den Autoren der 10-Item-Skala zur Verfügung gestellt (N = 2413; Quelle der Daten: www.selbstwirksam.de). Als Kriterien wurden die statistischen Eigenschaften der Items inklusive ihrer faktoriellen Struktur herangezogen. Die im Rahmen der Reanalyse ausgewählten sieben Items wurden in einem Expertenreview leicht modifiziert (Prüfer & Rexroth, 2000). Die Modifikation der Items hatte zum Ziel, die Verständlichkeit der Items in einer heterogenen Stichprobe zu erhöhen. Hierzu wurde die Satzstruktur vereinfacht.

Die Reanalysen ergaben, dass mit der von Jerusalem und Schwarzer (1999) vorgeschlagenen vierstufigen Antwortskala eine mangelnde Differenzierbarkeit der Antworten im oberen Bereich der Skala einherging (vgl. Bandura, 1997; Pajares, Hartley & Valiante, 2001). Um diesem Problem zu begegnen, wurde eine fünfstufige Antwortskala gewählt. Im Anschluss wurden die leicht modifizierten Items einem kognitiven Pretest (Prüfer & Rexroth, 2000) unterzogen. Ein zentrales Ergebnis des Pretests war, dass manche in den Items verwendeten Begriffe zu abstrakt waren und unterschiedliche Assoziationen erlaubten. Folglich wurde eine weitere Modifikation der Items vorgenommen. Drei Items wurden schließlich für die finale Version der Kurzskala ausgewählt.

Die Bestimmung der Güte der ausgewählten Items erfolgte anhand dreier umfangreicher Stichproben. Die Charakteristika dieser Stichproben können Tabelle 2 entnommen werden. Stichprobe 1 ist eine Quotenstichprobe, geschichtet nach den Merkmalen Geschlecht, Alter, Bildung und Bundesland (N = 539). Die Grundgesamtheit war definiert als „alle in der Bundesrepublik Deutschland in Privathaushalten lebenden deutschsprachigen Personen ab 18 Jahren“. Die Erhebung erfolgte in zwei Wellen mit einem zeitlichen Abstand von 6 bis 10 Wochen. An Welle 2 nahmen N = 338 Befragungspersonen der Welle 1 teil. Die Daten wurden im Rahmen eines persönlich-mündlichen Interviews (CAPI) oder durch die Vorgabe eines Papierfragebogens erhoben. Die Erhebung dauerte im Mittel 53 Minuten (SD = 12). Bei Stichprobe 2 handelt es sich ebenfalls um eine Quotenstichprobe, geschichtet nach Geschlecht, Alter und Bildung (N = 741), die im Internet erhoben wurde (CAWI). Grundgesamtheit waren die Teilnehmer eines Online-Access-Pools im Alter von 18 Jahren oder älter, die in Deutschland leben. Die Bearbeitung des Onlinefragebogens dauerte im Mittel 23 Minuten (SD = 8). Stichprobe 3 mit N = 1134 Befragungspersonen ist eine Zufallsstichprobe, die repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland über einem Alter von 18 Jahren ist. Sie wurde mithilfe des ADM-Stichprobensystems F2F (Random Route) der Arbeitsgemeinschaft deutscher Marktforschungsinstitute gezogen. Die Daten dieser Interviews wurden vollständig im CAPI-Modus erhoben (Dauer: M = 43, SD = 13).

Tabelle 2: Charakteristika der drei Stichproben


Stichprobe 1
Welle 1
Stichprobe 1
Welle 2
Stichprobe 2Stichprobe 3
Stichprobe

Umfang [N]

5393387411134
ArtQuoteQuoteQuoteZufall
ModusCAPI, PapierCAPI, PapierCAWICAPI
Zusammensetzung
Geschlecht [% Frauen]52.552.151.855.6
Alter [M(SD)]47.2 (15.2)46.7 (15.1)48.3 (13.0)53.3 (18.4)
Bildung  ≤ 9 Jahre44.745.340.137.2
                10 Jahre30.227.929.137.0
                 ≥ 11 Jahre23.725.430.825.8

Anmerkung: CAPI = Computer Aided Personal Interview, CAWI = Computer Aided Web Interview, Papier = Papierversion (Selbstausfüller)

 

Die Fragebogenbatterie beinhaltete neben der ASKU umfangreiche soziodemographische Angaben, weitere psychologische Maße sowie die bereits etablierte 10-Item-Skala (Schwarzer & Jerusalem, 1999) und einige sozialwissenschaftliche Validierungsmaße. Die Items zu den soziodemographischen Angaben wurden größtenteils den demographischen Standards des Statistischen Bundesamtes entnommen (2010). Für die Validierung kamen etablierte Standardinstrumente, z.B. zur Erfassung von Lebenszufriedenheit (SWLS, Diener, Emmons, Larsen, & Griffin, 1985; nur in Stichprobe 1), Kontrollüberzeugungen (Jakoby & Jacob, 1999; nur in Stichprobe 1), Optimismus (LOT-R, Glaesmer, Hoyer, Klotsche, & Herzberg, 2008; nur in Stichprobe 1), den Hauptdimensionen der Persönlichkeit nach dem Fünf-Faktoren-Modell (BFI-10, Rammstedt & John, 2007), Selbstwert (Rosenberg, 1989; nur in Stichprobe 2), Impulsivität (UPPS, Kämpfe & Mitte, 2009; nur in Stichprobe 2) und eigens entwickelte Skalen zum Einsatz (siehe Publikationen). An für die sozialwissenschaftliche Forschung relevanten Maßen wurde unter anderem Netzwerkgröße, Effort-Reward-Imbalance (Siegrist et al., 2004), Gesundheitszustand, Parteipräferenz, Einkommen und Devianz erhoben. Alle Erhebungen wurden von unabhängigen kommerziellen Anbietern durchgeführt. Die Fragebögen der Erhebungen sind im Downloadbereich zu finden. Um die psychometrische Güte der konstruierten Skala zu überprüfen, wurden auf der Grundlage der oben beschriebenen Stichproben Kennwerte für die Reliabilität und verschiedene Aspekte der Validität berechnet (für Details zur Validierung von Persönlichkeitsskalen siehe Bühner, 2011; Lienert & Raatz, 1998).