Kurzskalen psychologischer Merkmale

Skalenkonzept

Theoretischer Hintergrund

Seit mehr als 50 Jahren wird das Konstrukt Soziale Erwünschtheit in der psychologischen Forschung untersucht (Crowne & Marlowe, 1960; Edwards, 1957; Paulhus, 1991, 2002). Am weitesten verbreitet ist die Konstruktdefinition von Paulhus (2002) nach der soziale Erwünschtheit als Tendenz verstanden wird überwiegend positive Beschreibungen der eigenen Person abzugeben („tendency to give overly positive self-descriptions“, S. 50). Soziale Erwünschtheit hat weitreichende Implikationen für die Messung von Persönlichkeitsmerkmalen oder Einstellungen über Fragebögen oder Interviews (Selbstberichte). Auf der Verhaltensebene schlägt sich Soziale Erwünschtheit in Antwortverzerrungen (response bias) nieder, die beispielsweise zu einer Konfundierung von statistischen Zusammenhängen zwischen Untersuchungsvariablen führen können. In den vergangenen Dekaden wurden zahlreiche Studien durchgeführt, um die Struktur des Konstrukts zu untersuchen, geeignete Messinstrumente  zu konstruieren und diese mit dem Ziel der statistischen Kontrolle der Konfundierung einzusetzen (für eine Übersicht solcher Arbeiten siehe zum Beispiel Paulhus, 1991, 2002).

Verschiedene Modelle zur Strukturierung des Konstrukts wurden während der letzten Jahre vorgeschlagen (für eine Übersicht siehe Paulhus, 2002). Paulhus präsentiert das bislang umfassendste Modell, das als Synthese aus bisherigen empirischen Befunden und konzeptuellen Überlegungen angesehen werden kann. Er schlägt ein mehrdimensionales Modell des Konstrukts Soziale Erwünschtheit vor. Auf der obersten Ebene der hierarchischen Struktur sind zwei abstrakte Faktoren angeordnet: Alpha und Gamma. Gemeinsam ist diesen Faktoren, dass sie sowohl einen Selbsttäuschungsstil als auch einen Fremdtäuschungsstil beinhalten. Allerdings sollen sich die Faktoren Alpha und Gamma im Hinblick auf ihre Inhalte unterscheiden. Nach Paulhus gehen Unterschiede in den beiden Faktoren auf zwei zugrunde liegende Werte zurück: Agency (Selbstbehauptung, Selbstschutz, Selbstentfaltung, Abgrenzung von anderen, Streben nach Macht und Kontrolle) und Communion (Gemeinsinn, Verbundenheit, Offenheit für die Gefühle anderer, Streben nach Gemeinschaft, Teilnahme, Kooperation und Bindung; vgl. Bakan, 1966). Wenn Personen Agency-Werte stark internalisiert haben, dann zeigen sie laut Paulhus einen egoistischen Bias (mit Alpha assoziiert). Diese Personen neigen dazu ihren sozialen und intellektuellen Status zu übertreiben. Sie geben unrealistisch positive Selbstbeschreibungen zu Persönlichkeitsmerkmalen ab, die mit Agency assoziiert sind, zum Beispiel zu Dominanz, Angstfreiheit, Intellekt und Kreativität. Neben diesen weitgehend unbewussten Prozessen (Selbsttäuschung), die sich in einem egoistischen Bias manifestieren können, nennt Paulhus auch bewusste Versuche der Eindruckssteuerung (Fremdtäuschung), zum Beispiel prahlen und angeben, die er als Agency-Management bezeichnet. Bei Personen, die Communion-Werte stark internalisiert haben, wird angenommen, dass sie  einen moralistischen Bias zeigen (mit Gamma assoziiert). Diese Personen neigen dazu sozial unerwünschte Impulse zu leugnen und sich positive Attribute zuzuschreiben. Sie geben unrealistisch positive Selbstbeschreibungen zu Persönlichkeitsmerkmalen ab, die mit Communion assoziiert sind, zum Beispiel zu Verträglichkeit, Pflichtbewusstsein und Selbstbeherrschung. Auf Ebene der Fremdtäuschung sollen sie dazu neigen in Situationen, die ihre Communion-Werte ansprechen, schadensbegrenzendes Verhalten zu zeigen und Ausreden vorzubringen, um in einem besseren Licht zu erscheinen. Dieses von Paulhus vorgestellte Modell führt bisherige Ansätze überzeugend in einem integrativen Modell  zusammen (für weitere Details siehe Paulhus, 2002). Die bisherigen Dichotomien wie Selbsttäuschung vs. Fremdtäuschung oder bewusstes vs. unbewusstes Verhalten wurden aufgelöst bzw. in die abstrakten Faktoren Alpha und Gamma integriert: Beide Faktoren sind mit einem Bias assoziiert, der sich aus internalisierten Werten speist und sowohl aufgrund von bewussten als auch unbewussten Prozessen in sozial erwünschtem (Antwort-)Verhalten manifestieren kann.

Für die Umfrageforschung ist insbesondere eine Messung des Gamma-Faktors der sozialen Erwünschtheit von Interesse. In der Umfrageforschung werden Daten primär per Face-to-face-Interview erhoben. Diese besondere Interaktionssituation zwischen Interviewer und Befragungsperson regt Communion-Werte auf Seiten der Befragungsperson an. Weiterhin verweisen Interviewer in sozialwissenschaftlichen Umfragen, in Abgrenzung zu kommerziell motivierten Marktforschungsumfragen, nicht selten auf die gesellschaftliche Bedeutung der Umfrage, um die Teilnahmebereitschaft zu erhöhen. Bei der Befragungsperson könnte dies einen durch die Situation ohnehin induzierten moralistischen Bias weiter verstärken. Er könnte dazu führen, dass sich die Befragungsperson bemüht wie eine „nette Person“ oder ein „guter Bürger“ auf die Fragen zu antworten. Ihr Antwortverhalten wird dadurch verzerrt. Um diesen möglichen Einflussfaktor auf empirische Untersuchungsergebnisse ökonomisch quantifizieren zu können, wurde eine Kurzskala zur Erfassung des Gamma-Faktors der Sozialen Erwünschtheit (KSE-G) entwickelt und validiert.

Aufbau

Die KSE-G (12,89 kB) erfasst zwei Aspekte des Gamma-Faktors von Soziale Erwünschtheit, die Übertreibung positiver Qualitäten (PQ+) und die Minimierung negativer Qualitäten (NQ-) mit jeweils drei Items. Für die Antworten der Befragungsperson steht eine fünfstufige Ratingskala zur Verfügung. Die Antwortkategorien der KSE-G gehen von „trifft gar nicht zu“ (0) bis „trifft voll und ganz zu“ (4).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson in PQ+ bzw. NQ- zu erhalten, werden deren Antworten auf den drei Items der jeweiligen Skala aggregiert: Die drei Items werden zunächst summiert und anschließend durch die Anzahl der Items pro Skala geteilt. Der Wertebereich für PQ+ und NQ- liegt zwischen 0 und 4 (für Referenzwerte siehe Appendix A).

Items

Die sechs Items der KSE-G und deren deskriptive Statistiken sind in Tabelle 1 dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 2, siehe Tabelle 2). Um die Nutzung der Skala für englischsprachige Untersuchungen zu ermöglichen, wurde diese ins Englische übersetzt. Die International Test Commission (2010) empfiehlt hierbei ein zweistufiges Verfahren. Zunächst übersetzten zwei hauptberufliche, muttersprachliche Übersetzer die Items unabhängig voneinander. Dabei wurde eine Übersetzung in britischem Englisch und die andere in amerikanischem Englisch angefertigt. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt, in dessen Verlauf die Übersetzungsvorschläge in einer Gruppe von Experten für die psychologischen Merkmale, den Übersetzern und einem weiteren Experten für Fragebogenübersetzung diskutiert und überarbeitet wurden. Die englische Version der Skala ist im Downloadbereich zu finden zu finden. Die Güte der Übersetzungen wurde bislang allerdings noch nicht geprüft

Tabelle 1: Items und deskriptive Statistiken der KSE-G aus Stichprobe 2
Item

M

SD

Sch

Kurt

Im Streit bleibe ich stets sachlich und objektiv.

2.55

1.01

-.41

-.34

Auch wenn ich selbst gestresst bin, behandle ich andere immer freundlich und zuvorkommend.

2.72

.99-.57-.13
Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, höre ich ihm immer aufmerksam zu.3.04.87-.981.30
2.66.86-.43-.16
Es ist schon mal vorgekommen, dass ich jemanden ausgenutzt habe..931.01.96.28
Ich habe schon mal Müll einfach in die Landschaft oder auf die Straße geworfen..591.001.772.39
Manchmal helfe ich jemandem nur, wenn ich eine Gegenleistung erwarten kann..76.981.21.75
3.24.78-1.04.58

Anmerkungen: Sch = Schiefe, Kurt = Kurtosis, N = 566

Skalenkonzept (Kopie 1)

Theoretischer Hintergrund

Das Konstrukt der Selbstwirksamkeit (engl.: Self-Efficacy) bezieht sich auf die Einschätzung eigener Kompetenzen, Handlungen erfolgreich ausführen zu können. Vor diesem Hintergrund dient die vorliegende Kurzskala (ASKU) der Erfassung der „persönliche[n] Einschätzung der eigenen Kompetenzen, allgemein im täglichen Leben mit Schwierigkeiten und Barrieren zu Recht zu kommen und kritische Anforderungssituationen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können“ (Hinz, Schumacher, Albani, Schmid & Brähler, 2006, S. 26). Das zu erfassende Konstrukt der Self-Efficacy geht auf Bandura (1977) zurück und wird als eindimensional konzipiert. Selbstwirksamkeitserwartungen beeinflussen zahlreiche Aspekte menschlicher Tätigkeit, wie z. B. Ziele, Ausdauer, Strategienutzung und Umgang mit Misserfolg (Bandura, 1997; Pajares, 1997; Schunk, 1991). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung spiegelt dabei eine über Situationen und Handlungsfelder generalisierte Kompe-tenzerwartung wider (Bandura, 2006). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wurde bisher vorwiegend in pädagogisch-psychologischen, gesundheits- und sozialpsychologischen Studien erhoben. Die allgemeine Selbstwirksamkeit bezieht sich dabei nicht auf ein spezifisches Handlungs- oder Funktionsfeld (vgl. Bandura, 2006, S. 307). Stattdessen spiegelt die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wider, dass Menschen ihre Erfahrungen zu Erfolgen und Misserfolgen über Situationen hinweg generalisieren (Jerusalem & Schwarzer, 1999). Mehrere Studien zeigen, dass Kompetenzerwartungen in unterschiedlichen Lebensbereichen positive Auswirkungen haben (z.B. Bandura, 1997; Luszczynska, Gutiérrez-Dona & Schwarzer, 2005). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung weist Beziehungen zu verwandten Konstrukten wie Selbstwert, Kontrollüberzeugungen und Ergebniserwartungen auf (Judge, Erez, Bono & Thoresen, 2002). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung kann dabei als persönliche Bewältigungsressource aufgefasst werden (Schwarzer, 1994): Sie weist positive Zusammenhänge mit Optimismus und Arbeitszufriedenheit auf; negative Zusammenhänge zeigten sich unter anderem mit Ängstlichkeit und Arbeitsstress (Lus-zczynska et al., 2005).

Aufbau

Die ASKU ist mit drei Items als eindimensionale Skala konzipiert (siehe Abschnitt 2.4 und Appendix B). Das Format für die Beantwortung der Items ist fünfstufig. Die Antwortkategorien sind die folgenden: „trifft gar nicht zu“ (1), „trifft wenig zu“ (2), „trifft etwas zu“ (3), „trifft ziemlich zu“ (4), „trifft voll und ganz zu“ (5).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson zu erhalten, werden die Antworten auf den einzelnen Items gemittelt. Der mittlere Skalenwert variiert zwischen 1 und 5 (für Referenzwerte siehe Abschnitt 5.4 und Appendix A).

Items

Die ASKU ermöglicht die Messung des Konstrukts Allgemeine Selbstwirksamkeit mit nur drei Items. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der drei Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3, siehe Tabelle 2).

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Das Persönlichkeitsmerkmal Optimismus-Pessimismus wird seit mehr als drei Dekaden in der psychologischen Forschung untersucht. Am weitesten verbreitet ist die Konstruktdefinition­ von Scheier und Carver (1985), die Optimismus und Pessimismus als Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Ereignisse ansehen. Während Optimisten davon ausgehen, dass ihnen meist „Gutes“ widerfährt, neigen Pessimisten dazu „Schlechtes“ zu erwarten. Solche Erwartungen beziehen sich laut Scheier und Carver nicht auf einzelne Bereiche des Lebens, sondern betreffen alle Bereiche. Optimismus und Pessimismus können daher als generalisierte Versionen von Vertrauen und Zweifel angesehen werden (Carver, Scheier, & Segerstrom, 2010). Aufgrund ihrer Ausprägung in diesem Persönlichkeitsmerkmal unterscheiden sich Optimisten und Pessimisten grundlegend in ihrer Herangehensweise an das Leben. Empirische Befunde bestätigen, dass die interindividuellen Unterschiede in diesem Persönlichkeitsmerkmal profunde Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben können, zum Beispiel auf ihre Lebenszufriedenheit, ihr Selbstkonzept, ihre Gesundheit, auf die Art und Weise alltägliche Probleme und Herausforderungen zu bewältigen, ihren sozioökonomischen Erfolg und auf ihre Beziehungen zu anderen (für eine Übersicht siehe Carver et al., 2010; Nes & Segerstrom, 2006; Rasmussen et al., 2009; Scheier & Carver, 1992).

Aufbau

Die SOP2 zur Erfassung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus besteht aus zwei Items (siehe Tabelle 1). Für die Antworten der Befragungsperson steht eine siebenstufige Ratingskala zur Verfügung. Die Antwortkategorien der SOP2 gehen von „gar nicht optimistisch“ (1) bis „sehr optimistisch“ (7) bzw. von „gar nicht pessimistisch“ (1) bis „sehr pessimistisch“ (7).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson in dem Merkmal Optimismus-Pessimismus zu erhalten, werden deren Antworten auf den beiden Items aggregiert. Der Messwert SOP2 wird gebildet, indem die Antwort auf das Pessimismusitem rekodiert wird (für Details siehe Appendix D) und anschließend ein Mittelwert aus dem rekodierten Pessimismusitem und dem Optimismusitem gebildet wird. Der Wertebereich für SOP2 liegt dann zwischen 1 und 7 (für Referenzwerte siehe Appendix A).

Items

Die SOP2 ermöglicht eine Messung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus mit nur zwei Items, eines, das Optimismus und eines, das Pessimismus erfasst. Um sicher zu stellen, dass die Konstrukte Optimismus und Pessimismus von allen Befragten in gleicher Weise verstanden werden, werden die Items jeweils durch eine kurze Konstruktdefinition eingeleitet. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der beiden Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3).

Um die Nutzung der Skala für englischsprachige Untersuchungen zu ermöglichen, wurde diese ins Englische übersetzt. Die International Test Commission (2010) empfiehlt hierbei ein zweistufiges Verfahren. Zunächst haben zwei hauptberufliche, muttersprachliche Übersetzer die Items unabhängig voneinander übersetzt. Dabei wurden eine Übersetzung in britischem Englisch und die andere in amerikanischem Englisch angefertigt. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt, in dessen Verlauf die Übersetzungsvorschläge in einer Gruppe von Experten für die psychologischen Merkmale, den Übersetzern und einem weiteren Experten für Fragebogenübersetzung diskutiert und überarbeitet wurden. Die englische Version der Skala ist in Appendix C zu finden. Die Güte der Übersetzungen wurde bislang allerdings noch nicht geprüft.