Kurzskalen psychologischer Merkmale

Skalenkonzept

Theoretischer Hintergrund

Seit Mitte der 1990er Jahre werden in der Sozialpsychologie zunehmend Persönlichkeitsunterschiede im Erleben von und in Reaktionen auf Ungerechtigkeit erforscht (vgl. Schmitt, 1996). Das Konstrukt der Ungerechtigkeitssensibilität spiegelt diese dispositionellen Unterschiede wieder: Menschen unterscheiden sich systematisch darin, wie leicht sie Ungerechtigkeit wahrnehmen und wie stark sie darauf reagieren (Schmitt, Baumert, Fetchenhauer, Gollwitzer, Rothmund & Schlösser, 2009). Diese Unterschiede sind stabil und lassen sich über ungerechte Situationen hinweg generalisieren (Schmitt, Gollwitzer, Maes & Arbach, 2005). Ungerechtigkeit kann aus vier Perspektiven wahrgenommen werden: aus der Opfer-, der Beobachter-, der Nutznießer- und der Täterperspektive. Die vier Perspektiven der Ungerechtigkeitssensibilität konnten in Studien empirisch voneinander getrennt werden (z. B. Schmitt, Baumert, Gollwitzer & Maes, 2010; Schmitt et al., 2005). Gleichzeitig zeigten sich theoretisch erwartete Beziehungen der vier Perspektiven untereinander (vgl. Schmitt et al., 2010): Nutznießer- und Tätersensibilität wiesen den stärksten Zusammenhang auf; den geringsten Anteil an gemeinsamer Varianz zeigte dagegen die Opfersensibilität mit den zuvor genannten Perspektiven. Empirische Studien belegen, dass die Persönlichkeitsunterschiede in der Ungerechtigkeitssensibilität systematisch mit sozialwissenschaftlichen und psychologischen Variablen variieren. Die vier Perspektiven leisten einen substanziellen Beitrag zur Erklärung sozialer Phänomene, z.B. politische Protestbereitschaft, Altruismus, Zivilcourage und solidarisches Verhalten (Gollwitzer, Schmitt, Schalke, Maes & Baer, 2005). Darüber hinaus steht die Ungerechtigkeitssensibilität in Zusammenhang mit Phänomenen des Erlebens und Verhaltens in der Arbeitswelt, z. B. Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber oder Racheintentionen infolge von Kündigung des Arbeitsplatzes (Schmitt, Rebele, Bennecke & Förster, 2008).

Aufbau

Die USS-8 zur Erfassung der vier Perspektiven der Ungerechtigkeitssensibilität umfasst insgesamt 8 Items, d.h. jeweils zwei Items pro Perspektive. Für die Antworten der Befragungsperson steht eine sechsstufige Ratingskala zur Verfügung. Die Antwortkategorien der USS-8 reichen von „trifft überhaupt nicht zu“ (1) bis „trifft voll und ganz zu“ (6).¹

Auswertung

Die beiden Items pro Perspektive werden zur Bildung eines Messwerts (Skalenwerts) herangezogen, so dass insgesamt vier Skalenwerte gebildet werden (Opfer-, Beobachter-, Täter- und Nutznießersensibilität). Um die individuelle Ausprägung der Befragungsperson in den vier Perspektiven der Ungerechtigkeitssensibilität zu erhalten, werden deren Antworten auf den beiden Items der jeweiligen Perspektive zu einem Summenwert aggregiert (für Details siehe Appendix D). Um den Skalenmittelwert zu erhalten, wird der Summenwert durch die Anzahl der Items, d.h. durch 2 geteilt. Der Skalenmittelwert für die jeweilige Perspektive kann folglich zwischen 1 und 6 variieren (für Referenzwerte siehe Appendix A).

Items

Die USS-8 ermöglicht eine Messung des Konstrukts Ungerechtigkeitssensibilität mit nur zwei Items pro Perspektive. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der insgesamt acht Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3, siehe Tabelle 1). Die englische Version der Skala (Schmitt et al., 2010) ist im Downloadbereich zu finden.

Tabelle 1: Items und deskriptive Statistiken der USS-8 aus Stichprobe 3
Item

M

SD

Sch

Kurt

Es ärgert mich, wenn es anderen unverdient besser geht als mir. 

2.87 

1.75 

 .50

-1.12

Es macht mir zu schaffen, wenn ich mich für Dinge abrackern muss, die anderen in den Schoß fallen.

3.03

1.68 .37-1.09
Skalenmittelwert Opfersensibilität

2.95

1.58

 .44 

-0.89

Ich bin empört, wenn es jemandem unverdient schlechter geht als anderen.

3.65

1.57

-.15

-1.01

Es macht mir zu schaffen, wenn sich jemand für Dinge abrackern muss, die anderen in den Schoß fallen.

3.29

1.49

 .90

 -.85

Skalenmittelwert Beobachtersensibilität

3.46

1.37

-.05

 -.72

Ich habe Schuldgefühle, wenn es mir unverdient besser geht als anderen.

2.27

1.37

 .96

  .60

Es macht mir zu schaffen, wenn mir Dinge in den Schoß fallen, für die andere sich abrackern müssen.

2.27

1.30

 .90

  .12

Skalenmittelwert Nutznießersensibilität

2.28

1.25

.84

.02

Ich habe Schuldgefühle, wenn ich mich auf Kosten anderer bereichere.

4.23

1.71

-.64

-.89

Es macht mir zu schaffen, wenn ich mir durch Tricks Dinge verschaffe, für die sich andere abrackern müssen.

3.90

1.80

-.33

-1.26

Skalenmittelwert Tätersensibilität 

4.071.65-.48-.98

Anmerkungen: Sch = Schiefe, Kurt = Kurtosis, N = 1134

 

Um die Nutzung der Skala für englischsprachige Untersuchungen zu ermöglichen, wurde diese ins Englische übersetzt. Die International Test Commission (2010) empfiehlt hierbei ein zweistufiges Verfahren. Zunächst haben zwei hauptberufliche, muttersprachliche Übersetzer die Items unabhängig voneinander übersetzt. Dabei wurden eine Übersetzung in britischem Englisch und die andere in amerikanischem Englisch angefertigt. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt, in dessen Verlauf die Übersetzungsvorschläge in einer Gruppe von Experten für die psychologischen Merkmale, den Übersetzern und einem weiteren Experten für Fragebogenübersetzung diskutiert und überarbeitet wurden. Die englische Version der Skala ist im Downloadbereich zu finden. Die Güte der Übersetzungen wurde bislang allerdings noch nicht geprüft.

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¹ Die Originalskalen mit 10 Items pro Perspektive von Schmitt et al. (2005; 2010) wurden mit einer Antwortskala von „trifft überhaupt nicht zu“ (0) bis „trifft voll und ganz zu“ (5) verwendet. Ist ein Vergleich von Ergebnissen mit unterschiedlichen Antwortskalen vorgesehen, so muss eine Transformation vorgenommen werden, bei der zu allen Werten, die mit der Antwortskala von 0 bis 5 gewonnen

Skalenkonzept (Kopie 1)

Theoretischer Hintergrund

Das Konstrukt der Selbstwirksamkeit (engl.: Self-Efficacy) bezieht sich auf die Einschätzung eigener Kompetenzen, Handlungen erfolgreich ausführen zu können. Vor diesem Hintergrund dient die vorliegende Kurzskala (ASKU) der Erfassung der „persönliche[n] Einschätzung der eigenen Kompetenzen, allgemein im täglichen Leben mit Schwierigkeiten und Barrieren zu Recht zu kommen und kritische Anforderungssituationen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können“ (Hinz, Schumacher, Albani, Schmid & Brähler, 2006, S. 26). Das zu erfassende Konstrukt der Self-Efficacy geht auf Bandura (1977) zurück und wird als eindimensional konzipiert. Selbstwirksamkeitserwartungen beeinflussen zahlreiche Aspekte menschlicher Tätigkeit, wie z. B. Ziele, Ausdauer, Strategienutzung und Umgang mit Misserfolg (Bandura, 1997; Pajares, 1997; Schunk, 1991). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung spiegelt dabei eine über Situationen und Handlungsfelder generalisierte Kompe-tenzerwartung wider (Bandura, 2006). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wurde bisher vorwiegend in pädagogisch-psychologischen, gesundheits- und sozialpsychologischen Studien erhoben. Die allgemeine Selbstwirksamkeit bezieht sich dabei nicht auf ein spezifisches Handlungs- oder Funktionsfeld (vgl. Bandura, 2006, S. 307). Stattdessen spiegelt die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wider, dass Menschen ihre Erfahrungen zu Erfolgen und Misserfolgen über Situationen hinweg generalisieren (Jerusalem & Schwarzer, 1999). Mehrere Studien zeigen, dass Kompetenzerwartungen in unterschiedlichen Lebensbereichen positive Auswirkungen haben (z.B. Bandura, 1997; Luszczynska, Gutiérrez-Dona & Schwarzer, 2005). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung weist Beziehungen zu verwandten Konstrukten wie Selbstwert, Kontrollüberzeugungen und Ergebniserwartungen auf (Judge, Erez, Bono & Thoresen, 2002). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung kann dabei als persönliche Bewältigungsressource aufgefasst werden (Schwarzer, 1994): Sie weist positive Zusammenhänge mit Optimismus und Arbeitszufriedenheit auf; negative Zusammenhänge zeigten sich unter anderem mit Ängstlichkeit und Arbeitsstress (Lus-zczynska et al., 2005).

Aufbau

Die ASKU ist mit drei Items als eindimensionale Skala konzipiert (siehe Abschnitt 2.4 und Appendix B). Das Format für die Beantwortung der Items ist fünfstufig. Die Antwortkategorien sind die folgenden: „trifft gar nicht zu“ (1), „trifft wenig zu“ (2), „trifft etwas zu“ (3), „trifft ziemlich zu“ (4), „trifft voll und ganz zu“ (5).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson zu erhalten, werden die Antworten auf den einzelnen Items gemittelt. Der mittlere Skalenwert variiert zwischen 1 und 5 (für Referenzwerte siehe Abschnitt 5.4 und Appendix A).

Items

Die ASKU ermöglicht die Messung des Konstrukts Allgemeine Selbstwirksamkeit mit nur drei Items. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der drei Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3, siehe Tabelle 2).

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Das Persönlichkeitsmerkmal Optimismus-Pessimismus wird seit mehr als drei Dekaden in der psychologischen Forschung untersucht. Am weitesten verbreitet ist die Konstruktdefinition­ von Scheier und Carver (1985), die Optimismus und Pessimismus als Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Ereignisse ansehen. Während Optimisten davon ausgehen, dass ihnen meist „Gutes“ widerfährt, neigen Pessimisten dazu „Schlechtes“ zu erwarten. Solche Erwartungen beziehen sich laut Scheier und Carver nicht auf einzelne Bereiche des Lebens, sondern betreffen alle Bereiche. Optimismus und Pessimismus können daher als generalisierte Versionen von Vertrauen und Zweifel angesehen werden (Carver, Scheier, & Segerstrom, 2010). Aufgrund ihrer Ausprägung in diesem Persönlichkeitsmerkmal unterscheiden sich Optimisten und Pessimisten grundlegend in ihrer Herangehensweise an das Leben. Empirische Befunde bestätigen, dass die interindividuellen Unterschiede in diesem Persönlichkeitsmerkmal profunde Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben können, zum Beispiel auf ihre Lebenszufriedenheit, ihr Selbstkonzept, ihre Gesundheit, auf die Art und Weise alltägliche Probleme und Herausforderungen zu bewältigen, ihren sozioökonomischen Erfolg und auf ihre Beziehungen zu anderen (für eine Übersicht siehe Carver et al., 2010; Nes & Segerstrom, 2006; Rasmussen et al., 2009; Scheier & Carver, 1992).

Aufbau

Die SOP2 zur Erfassung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus besteht aus zwei Items (siehe Tabelle 1). Für die Antworten der Befragungsperson steht eine siebenstufige Ratingskala zur Verfügung. Die Antwortkategorien der SOP2 gehen von „gar nicht optimistisch“ (1) bis „sehr optimistisch“ (7) bzw. von „gar nicht pessimistisch“ (1) bis „sehr pessimistisch“ (7).

Auswertung

Um einen Messwert (Skalenwert) für die individuelle Ausprägung der Befragungsperson in dem Merkmal Optimismus-Pessimismus zu erhalten, werden deren Antworten auf den beiden Items aggregiert. Der Messwert SOP2 wird gebildet, indem die Antwort auf das Pessimismusitem rekodiert wird (für Details siehe Appendix D) und anschließend ein Mittelwert aus dem rekodierten Pessimismusitem und dem Optimismusitem gebildet wird. Der Wertebereich für SOP2 liegt dann zwischen 1 und 7 (für Referenzwerte siehe Appendix A).

Items

Die SOP2 ermöglicht eine Messung des Konstrukts Optimismus-Pessimismus mit nur zwei Items, eines, das Optimismus und eines, das Pessimismus erfasst. Um sicher zu stellen, dass die Konstrukte Optimismus und Pessimismus von allen Befragten in gleicher Weise verstanden werden, werden die Items jeweils durch eine kurze Konstruktdefinition eingeleitet. In Tabelle 1 sind die Formulierungen der beiden Items sowie ihre deskriptiven Statistiken dargestellt. Letztere basieren auf Daten einer umfangreichen, bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe (Stichprobe 3).

Um die Nutzung der Skala für englischsprachige Untersuchungen zu ermöglichen, wurde diese ins Englische übersetzt. Die International Test Commission (2010) empfiehlt hierbei ein zweistufiges Verfahren. Zunächst haben zwei hauptberufliche, muttersprachliche Übersetzer die Items unabhängig voneinander übersetzt. Dabei wurden eine Übersetzung in britischem Englisch und die andere in amerikanischem Englisch angefertigt. In der zweiten Phase des Übersetzungsprozesses fand ein Rekonziliationstreffen statt, in dessen Verlauf die Übersetzungsvorschläge in einer Gruppe von Experten für die psychologischen Merkmale, den Übersetzern und einem weiteren Experten für Fragebogenübersetzung diskutiert und überarbeitet wurden. Die englische Version der Skala ist in Appendix C zu finden. Die Güte der Übersetzungen wurde bislang allerdings noch nicht geprüft.