AP 3: Fremdenfeindlichkeit vs. Toleranz

In einigen Europäischen Ländern ist in den letzten Jahren ein enormer Anstieg der Zuwanderungszahlen zu verzeichnen. Teilweise geht damit eine Verschärfung der politischen und öffentlichen Debatte bezüglich Zuwanderung einher. Migration wird von Teilen der Bevölkerung wieder verstärkt als wirtschaftliche und kulturelle Bedrohung für das Aufnahmeland wahrgenommen oder gar als gesellschaftliche Krise bezeichnet. Gleichzeitig sehen sich sowohl politische Akteure als auch bestimmte Teile der Bevölkerung großen Herausforderungen gegenüber, die aus der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise resultieren. Beispielsweise erhöhen die staatliche Verschuldung und die Verbreitung von Arbeitslosigkeit den Druck nicht nur auf das jeweilige politische System, sondern auch auf die jeweilige individuelle Lebenssituation. Das Erstarken rechtspopulistischer Parteien in Europa und die Zunahme fremdenfeindlich-motivierter Übergriffe in Deutschland verdeutlichen, dass die Migrationsdebatte eine Thematik ist, die nicht nur die zukünftige demokratische Landschaft Europas prägt, sondern auch weitreichende Konsequenzen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt verschiedener Bevölkerungsgruppen hat.           

Das Teilprojekt AP 3 Fremdenfeindlichkeit vs. Toleranz setzt sich auf verschiedene Weisen mit der Leitfrage auseinander, wie sich fremdenfeindliche Einstellungen durch die oben genannten Krisen verändern. Hierbei wird, gemäß den Forschungsanliegen des Gesamtkonsortiums,  insbesondere die Wirkung von verschiedenen Formen krisenhafter Strukturphänomene in den Blick genommen. Darüber hinaus werden aber auch sozialpolitische Faktoren, wie beispielsweise Sozialhilfeleistungen und arbeitsmarktpolitische Gesetzgebung, als potenziell wichtige Moderatoren für diese Zusammenhänge betrachtet. Es wird untersucht, unter welchen Bedingungen sozialpolitische Maßnahmen Fremdenfeindlichkeit entgegenwirken und die Wirkungsweise von Krisen auf diese abfangen kann.

Die empirischen Analysen dieser Fragestellungen erfolgen zum einen international vergleichend mit Blick auf Europa. Hier ist insbesondere von Interesse, wie sich Unterschiede zwischen den Staaten und Gesellschaften in ihrer Einstellung gegenüber Zuwanderung durch die jeweiligen länderspezifischen Gegebenheiten oder auch unterschiedliche sozialpolitische Systeme und Gesetzgebungen erklären lassen. Hier wird zum einen die zeitliche Entwicklung des Kontextes in den Blick genommen und zum anderen zwischen der ökonomischen und kulturellen Dimension fremdenfeindlicher Einstellung differenziert. Für diese Analysen werden repräsentative Daten von europaweit durchgeführten Befragungen genutzt.              
Des Weiteren wird die Situation in Deutschland genauer betrachtet. Anhand eines Survey- Experiments im Rahmen des GESIS-Panels wird untersucht, inwieweit die deutsche Bevölkerung ihre Unterstützung von Asylsuchenden von verschiedenen kontextuellen Faktoren abhängig macht.

Leitung: Dr. Boris Heizmann
Mitarbeiterin: Nora Huth

Institut: GESIS