Standards, Richt­linien und Qualitäts­sicherung für Maßnahmen zur Ver­wirk­lichung der Ge­schlech­ter­ge­rech­tig­keit in der Wissen­schaft

Frauenanteile an Berufungsverfahren an Hochschulen

Im Folgenden finden Sie Auswertungen zu Universitäten und Fachhochschulen. Quellen hierfür sind die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz sowie das Statistische Bundesamt. Weitere Informationen sowie Auswertungen zu den außeruniversitären Forschungseinrichtungen stellen wir hier im Statistikangebot im CEWS-Portal zur Verfügung.

Universitäten

Während an deutschen Universitäten der Anteil von Studentinnen in vielen Fächern den der Studenten übersteigt, kehrt sich das Verhältnis häufig nach der Promotion um. Wissenschaftlerinnen werden nicht nur seltener zu Professorinnen ernannt, es bewerben sich auch insgesamt weniger, sie schaffen es seltener auf Berufungslisten und werden – gemessen an den Prozentzahlen der Berufungen – ebenso seltener auf eine Professur berufen als ihre Kollegen. Im Jahr 2019 betrug der Professorinnenanteil an Universitäten – nicht differenziert nach Besoldungsgruppen – bei den Bewerbungen 29,8 %, bei Listenplätzen 37,1 %, bei Ruferteilungen 39,2 % und bei den Ernennungen 39,9 % (vgl. Gemeinsame Wissenschaftskonferenz 2020, S. 19). Umso niedriger der Status der Professur, desto höher der Frauenanteil. So lag der Frauenanteil bei Ernennungen auf Juniorprofessuren bei 46,2 %, bei W3-Professuren hingegen nur bei 29,8 % (vgl. Gemeinsame Wissenschaftskonferenz 2020, S. 40). Die Durchlässigkeit kann fachspezifisch variieren.

Möller, Christina (2015): Soziale Herkunft – kein Thema in wissenschaftlichen Karrieren. Über die Zusammenhänge zwischen den Ungleichheitsdimensionen soziale und nationale Herkunft sowie Geschlecht in der Professorenschaft. In: Graf, Angela; Möller, Christina (Hg.): Bildung – Macht – Eliten. Zur Reproduktion sozialer Ungleichheit. Campus-Verlag, Frankfurt am Main, S. 152-179.

Möller, Christina; Böning, Anja (2018): Ambivalente Prozesse in den Statuspassagen vom Studium bis zur Professur: Zur Parallelität von sozialer Öffnung und Schließung an der Universität. Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation (ZSE), (38) 3, S. 234-249.

Möller, Christina; Gamper, Markus; Reuter, Julia; Blome, Frerk (2020): Vom Arbeiterkind zur Professur. Gesellschaftliche Relevanz, empirische Befunde und soziobiografische Reflexionen. In: Reuter, Julia; Gamper, Markus; Möller, Christina; Blome, Frerk (Hrsg.): Vom Arbeiterkind zur Professur. Sozialer Aufstieg in der Wissenschaft. Bielefeld: transcript.

Marini, Giulio; Meschitti, Viviana (2018): The trench warfare of gender discrimination. Evidence from academic promotions to full professor in Italy. In: Scientometrics 115 (2), S. 989–1006.

Miegroet van, Helga; Glass, Christy; Callister, Ronda Roberts; Sullivan, Kimberly (2019): Unclogging the Pipeline: Advancement to Full Professor in Academic STEM. In: Equality Diversity and Inclusion 38 (2), S. 246–264.

Zajicek, Anna M.; Morimoto, Shauna A.; Terdalkar, Aparna S.; Hunt, Valerie H.; Rencis, Joseph J.; Lisnic, Rodica (2011): Recruitment Strategies for Gender Equity: Lessons from Cohort 1 and Cohort 2 ADVANCE Institutions. In: 2011 Asee Annual Conference & Exposition.

Lind, Inken; Löther, Andrea (2007): Chancen für Frauen in der Wissenschaft - eine Frage der Fachkultur? Retrospektive Verlaufsanalysen und aktuelle Forschungsergebnisse.c In: Schweizerische Zeitschrift für Bildungswissenschaften 29 (2), S. 249–271.

Auspurg, Katrin; Hinz, Thomas; Schneck, Andreas (2017): Berufungsverfahren als Turniere. Berufungschancen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. In: Zeitschrift für Soziologie 46 (4), S. 283-302.

Jungbauer-Gans, Monika; Gross, Christiane (2013): Determinants of Success in University Careers. Findings from the German Academic Labor Market. In: Zeitschrift für Soziologie 42 (1), S. 74–92.

Fachhochschulen

Die Frauenanteile in Berufungsverfahren von Fachhochschulen ähneln denen der Universitäten. So waren im Jahr 2019 25 % der Bewerber*innen weiblichen, von denen es 30 % auf einen Listenplatz geschafft haben, 30,8 % berufen und 32,4 % zur Professorin ernannt wurden (vgl. Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) 2019). Große Unterschiede bestehen zwischen den Disziplinen. So zeigen sich bereits erhebliche fächerspezifische Abweichungen bei den Bewerbungen und der Ausschlussquote von Frauen während des Berufungsverfahrens. Beispielsweise liegt der Bewerberinnen-Ausschluss in den Natur-, Agrar- und Forstwissenschaften höher als der Frauenanteil in der ersten Bewerbungsphase, wohingegen in den anderen Fächern gleich viele oder mehr Frauen im Verfahren verbleiben (vgl.  Smitten et. al. 2017).

Sembritzki und Thiele (2019) konnten außerdem feststellen, dass der Bewerberinnen-Anteil für Professuren an Fachhochschulen 2016 (22%) beinahe gleichauf lag mit dem an Universitäten (23%). Sie führen jedoch weiter aus, dass der Bewerber*innen-Anteil von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern etwa gleich ist, nachdem die Bewerber*innen ausgeschlossen werden konnten, die aus formalen Gründen oder unzureichender fachlicher Eignung nicht für die jeweilige Stelle infrage kommen. Ein Grund hierfür könnte eine äußerst zielgerichtete Bewerbung von Wissenschaftlerinnen sein, die zu einer erfolgreichen Bewerbung führt. (vgl. dazu Färber und Spangenberg 2008, 90ff). Da dennoch mehr Professoren als Professorinnen an die Hochschulen berufen werden, können weitere Drop-Out-Mechanismen in den Berufungsverfahren vermutet werden.

 

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