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Aktueller U-Multirank “Gender Monitor“ veröffentlicht


Kategorien: Diversity, Antidiskriminierung, Intersektionalität; Wissenschaftspolitik; Geschlechterverhältnisse; Gleichstellungspolitik; Hochschulen, Hochschulforschung; MINT; Statistik; Wissenschaft Aktuell

Traditionelle Muster der Geschlechter-Ungleichheiten bestehen im Hochschulbereich nach wie vor fort. | U-Multirank startet neuen “Gender Monitor”

Am 16. November 2021 wurde der neue U-Multirank “Gender Monitor“ veröffentlicht.

Ungleichheiten mit Blick auf Geschlecht sind im Hochschulbereich seit Jahren ein Thema. U-Multirank Daten bestätigen nun, dass geschlechtsspezifische Ungleichheiten nach wie vor in starkem Maße weiterexistieren. Während Frauen im weltweiten Maßstab etwa die Hälfte aller Bachelor- und Masterstudierenden stellen, verringert sich ihr Anteil von den PhD-Studierenden (48 %), über das akademische Personal (44 %) bis zu den Professor*innen auf nur 28 %. Die U-Multirank Daten zeigen, dass dieses Muster in der EU in gleichem Maße gilt. U-Multirank präsentiert Daten und Ergebnisse zu nahezu 2.000 Hochschulen aus 96 Ländern, sowie zu 30 Fächern mit mehr als 5.000 Fachbereichen.

Weiter zeigen die Daten, dass die Unterrepräsentierung von Frauen an forschungsintensiven Hochschulen stärker ausgeprägt ist. Nur 23% der Professor*innen an Hochschulen, an denen ein hoher Anteil des Budgets auf die Forschung entfällt, sind Frauen – verglichen mit 38 % an weniger forschungsintensiven Hochschulen. Weiter zeigen die Ergebnisse einen starken Fächereffekt: An Hochschulen, an denen die Mehrzahl der Absolvent*innen auf die MINT-Fächer entfallen, sind Frauen sowohl unter den Studierenden als auch dem akademischen Personal deutlich unterrepräsentiert.

Blickt man auf einzelne Fächer bestätigt sich ebenfalls das starke Weiterbestehen traditioneller Geschlechter-Unterschiede. Auch wenn die Anteile von Frauen und Männern in einigen Fächer (z.B. in BWL, VWL, Agrarwissenschaften) recht ausgewogen sind, gibt es nach wie vor etliche (fast) reine Frauen- und Männerfächer. Zu den Fächern, in denen die überwiegende Zahl der Studierenden und oft auch des wissenschaftlichen Personals weiblich sind, zählen Pflege, Erziehungswissenschaft, Psychologie, Medizin, und Zahnmedizin – aber auch Pharmazie. So ist beispielsweise nur an 7 von über 200 einbezogenen Psychologiefachbereichen der Männeranteil an den Studierenden höher als 40%.
Gleichzeitig liegt in allen Fächern mit hohem Frauenanteil an den Studierenden ihr Anteil am wissenschaftlichen Personal zwar über 50% (mit Ausnahme der Medizin), aber niedriger als ihr Anteil an den Studierenden. Auf der anderen Seite sind in den technischen/ingenieurwissenschaftlichen Fächer, insbesondere auch den großen Fächern Maschinenbau und Elektrotechnik, Männer nach wie vor fast unter sich – sowohl mit Blick auf die Studierenden als auch das wissenschaftliche Personal. Zu den Fächern mit der ausgeglichensten Geschlechter-Relation zählen Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaft, Landwirtschaft, Geschichte und – als einzige Naturwissenschaft Chemie. In diesen Fächern liegen die Anteile von Frauen/Männern sowohl an den Studierenden als auch beim wissenschaftlichen Personal jeweils zwischen 40 und 60% (s. Anhang 3).

Die aktuellen Ergebnisse von U-Multirank zeichnen aber nicht nur ein differenziertes Bild der Geschlechter – Balance, sondern bieten anhand von über 30 Indikatoren Transparenz über die Leistungen der Hochschulen in den fünf Dimensionen Studium und Lehre, Forschung, Wissenstransfer, internationale Orientierung und regionales Engagement. Ein spezieller Zugang für Studierende bietet ihnen nützliche Informationen bei der Hochschulwahl. Den Hochschulen bietet U-Multirank einen umfassenden Vergleich ihrer Stärken und Schwächen und somit Hilfe bei ihrer strategischen Entwicklung.

In der Diskussion um “Geschlecht” ist eine Ausweitung des Begriffs um “nicht-binäre” Kategorien üblich geworden. Dies lässt sich mit Daten der Hochschulen bislang noch nicht durchgehend darstellen. Daher bezieht sich die vorliegende Analyse nur auf die Zahlenrelationen von Frauen und Männern. U-Multirank hat an verschiedenen Stellen seiner Datenerhebungen aber begonnen, das Konzept von „Gender“ um eine nicht-binäre Kategorie zu ergänzen. 

Quelle, Hintergrund und Grafiken (Anhänge):

Pressemeldung (deutsch) (211 kB)

Pressemeldung (englisch)

Pressemeldung CHE: „Leaky Pipeline“ an den Hochschulen besteht EU-weit – U-Multirank startet neuen „Gender Monitor“

Link: U-Multirank Gender Monitor

Kontakt: Gero Federkeil, email info@umultirank.org, phone +49 (0) 5241 9761 58