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OECD Bildungsbericht: Mehr Anstrengungen nötig, um Chancengleichheit in der Bildung zu erhöhen

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Der berufliche und soziale Status der Eltern bleibt der wichtigste Faktor, der die Teilnahme an Bildung sowie wirtschaftlichen und sozialen Erfolg beeinflusst. Dies geht aus der aktuellen Ausgabe des OECD-Berichts „Bildung auf einen Blick“ hervor, der am 11. September 2018 veröffentlicht wurde.

So nehmen Kinder, deren Mütter über keinen höheren Bildungsabschluss verfügen, seltener an frühkindlicher Bildung und Betreuung teil als die Kinder von Hochschulabsolventinnen oder Frauen mit vergleichbarem Abschluss. Und obwohl viele Untersuchungen zeigen, dass die kognitive Entwicklung eines Kindes bereits lange vor dem Eintritt in das Schulalter beginnt, geben die Regierungen noch immer einen geringeren Anteil öffentlicher Gelder für frühkindliche Bildung und Betreuung aus als für höhere Bildung.

In Deutschland nimmt heute ein deutlich höherer Anteil der unter 3-Jährigen an frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung teil als noch vor zehn Jahren. Doch auch hier spielt der Bildungsstand der Eltern eine große Rolle. Wenn die Mutter einen höheren Bildungsabschluss hat, liegt die Betreuungsquote bei 49 Prozent, bei Müttern ohne Tertiärbildung liegt sie nur bei 37 Prozent.

Gleichzeitig nehmen Kinder aus benachteiligten Verhältnissen seltener weiterführende Bildungsangebote in Anspruch. Jugendliche, deren Eltern über keinen höheren Bildungsabschluss verfügen, entscheiden sich häufiger für eine Berufsausbildung als für allgemeinbildende Bildungsgänge und beenden diese Programme mit geringerer Wahrscheinlichkeit. Dies wiederum wirkt sich auf ihre spätere Teilnahme an der Hochschulbildung aus, wo der Anteil der Studienanfänger mit Eltern ohne höheren Bildungsabschluss gering ist.

In Deutschland haben 58 Prozent der 25- bis 64-Jährigen mit mindestens einem Elternteil mit Abschluss im Tertiärbereich ebenfalls einen tertiären Bildungsabschluss. Unter Erwachsenen, deren Eltern einen Abschluss im Sekundarbereich II oder im postsekundären nichttertiären Bereich und keinen tertiären Abschluss erreicht haben, ist der Anteil halb so groß (29 Prozent).

Dabei ist gute Bildung heute wichtiger denn je. Technischer Wandel, Digitalisierung und Innovation erhöhen den Wert höherer Bildung, da sie das Angebot an Arbeitsplätzen mit mittleren Qualifikationen verringern. So sind auch in Deutschland die Beschäftigungs- und Einkommensvorteile von Absolventen des Tertiärbereichs weiterhin hoch, obwohl der Anteil der Hochschulabsolventen in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist. 

Quelle: PM - OECD, 11.09.2018

(Auszug: Summary, German)

"Der geschlechtsspezifische Unterschied begünstigt Mädchen im Bildungssystem, aber Männer auf dem Arbeitsmarkt

Im Durchschnitt der OECD‑Länder mit verfügbaren Daten sind 60 % der Klassenwiederholer im Sekundarbereich Jungen, sie schließen diesen Bildungsbereich auch mit geringerer Wahrscheinlichkeit ab als Mädchen. Daher erwirbt ein größerer Anteil der Mädchen als der Jungen einen Abschluss dieses Bildungsbereichs. Männer erwerben auch mit geringerer Wahrscheinlichkeit als Frauen einen Abschluss im Tertiärbereich: 2017 hatten im Durchschnitt der OECD‑Länder 38 % der 25‑ bis 34‑jährigen Männer und
50 % der Frauen der gleichen Altersgruppe einen Abschluss im Tertiärbereich, wobei sich diese Differenz in den letzten 10 Jahren noch vergrößert hat. Trotz des höheren Bildungsstands erzielen Frauen nach wie vor schlechtere Beschäftigungsergebnisse. Im Durchschnitt der OECD‑Länder sind 80 % der jungen Frauen mit  einem Abschluss im Tertiärbereich in Beschäftigung, verglichen mit 89 % der jungen Männer mit dem gleichen Bildungsstand, und diese Differenz ist bei denjenigen mit einem niedrigeren Bildungsstand noch größer.

Im Durchschnitt aller OECD‑Länder verdienen Frauen mit einem Abschluss im Tertiärbereich auch 26 % weniger als Männer mit einem solchen Abschluss. Diese Einkommensunterschiede spiegeln die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen den später (auf dem Arbeitsmarkt) besser und schlechter bezahlten Fächergruppen im Tertiärbereich wider, sie können aber auch darauf zurückzuführen sein, dass Frauen mit größerer Wahrscheinlichkeit Phasen der Nichtteilnahme am Arbeitsmarkt und der Erwerbslosigkeit durchlaufen, wodurch sich bei ihnen Steigerungen des Erwerbseinkommens verzögern können." ...

"Bei den Lehrkräften gibt es leider immer noch große geschlechtsspezifische Unterschiede

Fast alle Lehrkräfte im Elementarbereich (ISCED 02) sind Frauen, aber weniger als 50% der Lehrenden im Tertiärbereich. In den letzten zehn Jahren sind diese geschlechtsspezifischen Unterschiede im Primar‑ und Sekundarbereich größer und im Tertiärbereich kleiner geworden. Männliche Lehrkräfte zu gewinnen, erweist sich als besonders schwierig: Während das durchschnittliche Einkommen von weiblichen Lehrkräften dem durchschnittlichen Erwerbseinkommen anderer vollzeitbeschäftigter Frauen mit einem Abschluss im Tertiärbereich entspricht oder darüber liegt, verdienen männliche Lehrkräfte im Primar‑ und Sekundarbereich zwischen 77 und 88% der durchschnittlichen Erwerbseinkommen von anderen vollzeitbeschäftigten Männern mit einem Abschluss im Tertiärbereich. Im Durchschnitt der OECD‑Länder und subnationalen Einheiten mit verfügbaren Daten sind jedoch zwischen 2005 und 2017 die gesetzlichen bzw. vertraglich vereinbarten Gehälter von Lehrkräften des Primar‑ und Sekundarbereichs mit 15 Jahren Berufserfahrung und der häufigsten Qualifikation zwischen 5 und 8 % gestiegen und haben wieder das Niveau vor der Wirtschaftskrise erreicht. Es bestehen auch starke Anreize für Lehrkräfte, Schulleitungsfunktionen anzustreben: Die tatsächlichen Gehälter von Schulleitern liegen um mindestens 35 % über den Gehältern der Lehrkräfte und mindestens 20 % über den durchschnittlichen Erwerbseinkommen von anderen Beschäftigten mit einem Abschluss im Tertiärbereich."

Weitere Informationen und Downloads:

Education at a Glance 2018
580 pages
ISBN: 9783763959907 (PDF)
https://doi.org/10.3278/6001821lw

http://www.oecd.org/berlin/publikationen/bildung-auf-einen-blick.htm

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