Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung

Renten auf einen Blick 2019: Geschlechter-Rentenlücke in Deutschland am höchsten

| Kategorien: Geschlechterverhältnisse; Wissenschaft Aktuell

Die sich wandelnde Arbeitswelt stellt auch die Alterssicherung vor neue Herausforderungen. Die OECD-Studie Renten auf einen Blick vergleicht auf Basis standardisierter Indikatoren die Rentensysteme der OECD-Länder und untersucht, wie Regierungen eine adäquate Absicherung aller Bevölkerungsteile erzielen können. Die aktuelle Ausgabe befasst sich insbesondere mit der Alterssicherung von Selbstständigen und anderen atypisch Beschäftigten. Für Deutschland kommt die Studie zu folgenden Ergebnissen:
 

  • Deutschland ist eines der wenigen OECD-Länder, das keine obligatorische Rentenversicherung für alle Selbständigen hat. Einige Gruppen von Selbständigen sind in berufsständischen Systemen versichert, allerdings ist die Alterssicherung für Selbständige insgesamt lückenhaft. Auch für die wachsende Zahl an Arbeitnehmern, die neue Formen der Arbeit z.B. über Plattformen ausüben, sind aufgrund mangelnder Absicherung und niedriger Beiträge die Rentenaussichten düster.
     
  • Deutsche Frauen sind heute von der OECD-weit größten Geschlechter-Rentenlücke betroffen (46 Prozent). Da das geschlechtsspezifische Lohngefälle über dem OECD-Durchschnitt liegt und viele Frauen in Deutschland in Teilzeit arbeiten, dürften zukünftige Rentenansprüche von Frauen im Vergleich zu Männern niedrig bleiben.
     
  • Die Netto-Ersatzraten für zukünftige Rentner werden aufgrund des Nachhaltigkeitsfaktors sinken und voraussichtlich unter dem OECD-Durchschnitt liegen. Dies gilt insbesondere für Geringverdiener (Hälfte des Durchschnittsverdienstes), die mit einer 56-prozentigen Ersatzquote rechnen können, verglichen mit 68 Prozent in der OECD (52 Prozent vs. 59 Prozent bei Durchschnittsverdienern). Ohne Grund- und Mindestrente wird das Armutsrisiko für einkommensschwache Rentner groß sein. Eine kürzlich geschlossene Koalitionsvereinbarung sieht die Einführung einer einkommensgeprüften Mindestrente für Menschen vor, die mindestens 35 Beitragsjahre aufweisen.
     
  • Die schnelle Bevölkerungsalterung könnte die finanzielle Tragfähigkeit des öffentlichen Rentensystems gefährden. Nach derzeitiger Gesetzeslage würden die öffentlichen Rentenausgaben gemäß EU-Prognosen von heute etwa zehn Prozent des BIP auf 12,5 Prozent im Jahr 2060 steigen, obwohl das Rentenniveau aufgrund des Nachhaltigkeitsfaktors um zehn Prozent sinkt.
     
  • Deutschland ist Spitzenreiter beim Anstieg der Beschäftigungsraten älterer Arbeitskräfte (+34 Prozentpunkte in der Altersgruppe 55-64 seit 2000). Die Beschäftigungsrate von 65- bis 69-Jährigen ist nach wie vor sehr gering.

Quelle und weitere Informationen: PM - OECD, 27.11.2019

Kategorien: Geschlechterverhältnisse; Wissenschaft Aktuell